Autonomes Fahren

Vier Busse für Studentenschwärme

Das Projekt als Visualisierung: Einer von vier autonom fahrenden Kleinbussen startet am Iserlohner Stadtbahnhof und bringt Studenten den Berg hinauf zum FH-Campus.

Foto: commons.wikimedia.org-Asio otus / fotolia.com-chesky / Montage: Stadtwerke Iserlohn

Das Projekt als Visualisierung: Einer von vier autonom fahrenden Kleinbussen startet am Iserlohner Stadtbahnhof und bringt Studenten den Berg hinauf zum FH-Campus. Foto: commons.wikimedia.org-Asio otus / fotolia.com-chesky / Montage: Stadtwerke Iserlohn

Iserlohn.   „a-BUS“: Die Beteiligten sind optimistisch und erwarten Effekte für die Region.

Während sich die Teststrecke für autonomes Fahren zwischen Iserlohn und Soest auch in naher Zukunft noch in der Planungsphase befinden dürfte, könnte ein überschaubares Projekt in Iserlohn bereits vorab Realität werden: der „a-BUS“. Die Projektskizze zum geplanten autonomen Buspendelverkehr mit Elektroantrieb zwischen Stadtbahnhof und FH-Campus (wir berichteten) hat der Iserlohner CDU-Landtagsabgeordnete Thorsten Schick schon einmal an das Düsseldorfer Wirtschaftsministerium weitergereicht. Und nach seiner Einschätzung hat es gute Chancen, im Rahmen des Projektes Digitale Modellkommune gefördert zu werden.

Die Projektpartner – das sind die Fachhochschule Südwestfalen, die Stadtwerke Iserlohn und die Märkische Verkehrsgesellschaft – sind jedenfalls überzeugt, dass ihre Überlegungen und Planungen „greifbar und realistisch“ sind, wie es Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Klaus Weimer formuliert. „Und es tut unserer Region sehr gut“, fügt Prof. Ulrich Lehmann hinzu, Experte der Iserlohner FH für Prozessinformatik sowie intelligente und lernende Systeme. Denn auch die heimische Automobilzulieferindustrie könne daraus neues Know-how gewinnen.

Zur Jahresmitte 2019 könnten erste Busse fahren

„Evaluierung von autonomen Fahrzeugen für den ÖPNV“ ist die Projektskizze überschrieben, die durchaus anschaulich zeigt, wie das auf drei Jahre ausgelegte Projekt aussehen könnte, dessen Start nach den heutigen Überlegungen zum Jahresbeginn 2019 mit einer halbjährigen Planungsphase beginnen könnte. Ab Jahresmitte wären demnach die kleinen Elektrobusse auf der Straße zu sehen. „Die Idee ist entstanden, wenn man so will, bei Studierenden der Informatik“, berichtet Prof. Lehmann. „Das könnte man auch autonom machen“, hatten die als Gedanken zum bereits existierenden Buspendelverkehr zur FH geäußert, der gut angenommen wird. Denn der tägliche „Aufstieg“ zu Fuß wäre für die mehr als 2700 Studenten anspruchsvoll: 1,5 Kilometer Weg mit zwölf Prozent Steigung. Kurzum: die „Kletterei“ ist bei den Studenten unbeliebt.

Ein Gespräch zwischen Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Klaus Weimer und Prof. Ulrich Lehmann sorgte für die Initialzündung, die MVG kam naturgemäß als Betreiber des Busverkehrs im Kreis hinzu. Seit Jahresbeginn sind konkrete Gespräche geführt und Pläne zu Papier gebracht worden. „Dann gab es jetzt nochmal ,Drive’ wegen des Förderprogramms Digitale Stadt“, berichtet Dr. Weimer. Die Stadtwerke beschäftigen sich einerseits mit der Ladestruktur für Elektromobilität, kennen andererseits das Thema Digitalisierung auch aus der heute dezentralisierten Strom-Erzeugung und -Einspeisung, die erhöhte Anforderungen an den Netzbetrieb stellt.

Ziel des Projektes in Iserlohn ist es, nicht nur autonomes Fahren zu erproben. Drei autonom fahrende Bustypen gibt es bereits auf dem Markt, die auch vermarktet werden. In Deutschland dürfen darin acht Personen befördert werden bei einer Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h. Vier Busse sollen für das Iserlohner Projekt angeschafft werden, so die Planungen.

App der FH Iserlohn sorgt für optimale Verfügbarkeit

Doch während autonomes Fahren einzelner Kleinbusse an wenigen Orten bereits stattfindet (zum Beispiel in Bad Birnbach in Bayern), will das Iserlohner Projekt außerdem zeigen, wie man die Busse intelligent nach dem individuellen Bedarf der Nutzer einsetzen kann. Während die konventionellen Busse heute nach Fahrplan verkehren, soll dazu von den FH-Studenten und -Wissenschaftlern eine App entwickelt werden, die dafür sorgt, dass ein Student zwischen Stadtbahnhof und FH einen Bus genau dort vorfindet, wo er gerade einsteigen möchte. Mehrere Studenten bilden in der Sprache der Wissenschaftler einen Schwarm. „Die Busse stehen immer dort, wo sich der große Schwarm hinbewegt“, heißt es in der Projektskizze. In der App sollen zum Beispiel die Position der Busse, Abfahrtszeit, voraussichtliche Belegung oder Wartezeiten angezeigt werden. Während in der Anfangsphase Mitarbeiter der MVG die Busse nach einer Einlernphase noch begleiten würden, könnte später ein „Supervisor“ von einem zentralen Arbeitsplatz den Fahrbetrieb überwachen. Die Ladeinfrastruktur würden die Stadtwerke beisteuern, wobei im Projekt zum Beispiel zu erproben sein wird, ob und wie oft die Akkus per Kabel oder per Induktion aufgeladen werden müssen.

Drei Millionen Euro soll das auf drei Jahre ausgelegte Projekt kosten, das vermutlich komplett aus Fördermitteln finanziert werden könnte. Am Ende könnten die Iserlohner Projektpartner Wegbereiter für ein funktionierendes Betriebs- und Steuerungsmodell für den öffentlichen Personennahverkehr sein. Prof. Ulrich Lehmann sieht das als Chance, neue Technologien zu schaffen und damit auch Arbeitsplätze und kluge Köpfe in der Region zu halten. Und er erwartet hohe Akzeptanz bei den Studenten. Thorsten Schick erwähnt noch einen anderen Aspekt: „Wir haben das Selbstbewusstsein, das hier bei uns in der Region zu realisieren.“

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