Konzert

Vom Schüler zum Duo-Partner auf Augenhöhe

Lennart Müller (re.) hat sich am Dienstag mit einem Konzert von der Musikschule verabschiedet. Dabei standen auch zwei barocke Doppelkonzerte mit seinem Lehrer.

Lennart Müller (re.) hat sich am Dienstag mit einem Konzert von der Musikschule verabschiedet. Dabei standen auch zwei barocke Doppelkonzerte mit seinem Lehrer.

Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.   Lennart Müller ließ zum Abschied von der Musikschule seine Piccolo-Trompete strahlen

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Aufgeregt? „Nein eigentlich nicht“, sagt Lennart Müller. „Ich bin eher bedrückt, weil jetzt alles vorbei ist.“ Es ist schon bemerkenswert, wie abgebrüht und routiniert dieser Lennart Müller mit einer Konzertsituation umgeht. Cool ist wohl das richtige Wort. Trotz seiner erst 17 Jahren hat er schon unzählige Male mit der Trompete vor Publikum gespielt – in Kirchen, im Ensemble, auf Schützenfesten, als Solist mit Orchester im großen Parktheater und natürlich auch schon oft in der Musikschule.

Dieses Konzert am Dienstagabend im Konzertsaal an der Gartenstraße ging ihm dann aber doch nahe – und wenn schon nicht an die Nerven, dann doch wenigstens ans Gemüt. Eben weil es das letzte Mal war. Denn Lennart Müller hört auf. Nach seinem Abitur geht der Hohenlimburger nun ins Studium, Wirtschaftsmathematik an der TU Dortmund. Nichts mit Musik. Und das, obwohl der stellvertretende Musikschulleiter Adrian Ebmeyer ihm eine Bilderbuchkarriere an der Musikschule bescheinigte. 2005 ging es schon in die musikalische Früherziehung, danach lernte er erst Klavier und dann ab 2010 Trompete. Sein Lehrer Martin Schröder hatte damals gerade frisch an der Musikschule angefangen und machte mit Schnupperstunden Werbung für die Trompete. Lennart war dabei und wohl sofort angefixt.

Zwei Mal „Jugend musiziert“ auf Bundesebene

Jedenfalls hält Martin Schröder ihn für einen wirklich außergewöhnlichen Schüler. Nicht nur weil er höchst talentiert ist und seine Hausaufgaben immer gemacht hat, so dass man tatsächlich Woche für Woche vorwärts kam und Lennart es am Ende zu zwei Preisen beim Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ und einem Meisterkurs bei den Herbsttagen für Musik gebracht hat. Sehr gute Schüler habe er schon öfter gehabt und durchaus auch schon ins Studium geführt.

Lennart trauert er aber nach, weil er der erste Schüler war, der seine große Leidenschaft für die Piccolo-Trompete teilt. Das ist ein spezielles Instrument, das fast ausschließlich in der Barockmusik zum Einsatz kommt, mit der besonderen Schwierigkeit, dass sie kleiner ist und man mit sehr hohem Druck blasen muss, das ganze aber sehr fein und exakt austarieren muss, damit man klar kommt und am Ende nicht überbläst. Martin Schröder ist ein Meister darin und hat seinen Schüler zu einem eben solchen gemacht.

Barock-Spektakel mit zwei Trompeten

Und das nahm am Dienstag beim Abschiedskonzert auch einen besonders großen Platz ein. Neben einem fanfarenartigen Dialog für zwei Trompeten von Eugéne Bozza, modern und mit viel Dämpferarbeit, gab es dann auch nur Barockes: Franceschini, Albinoni, Torelli und Manfredini. Lennart Müller – am Klavier begleitet von Eun-Sook Kim – ließ die Piccolo-Trompete strahlen und die barocken Verzierungen daher prasseln, dass es eine Freude war – ein tolles und spektakuläres Konzert zum Abschied. Als Zugabe gab es noch einen Telemann in irrwitziger Geschwindigkeit.

In zwei Doppelkonzerten ließen Lehrer und Schüler ihre Trompeten gemeinsam erschallen. Und da wurde sehr deutlich, was Martin Schröder schon vorher angemerkt hatte: Aus seinem Schüler ist längst ein Duo-Partner auf Augenhöhe geworden. Was am Ende auch das bedrückte Abschiedsgefühl bei beiden verfliegen ließ, wie ebenfalls Martin Schröder sagte: „Ich bin mir sicher, dass das nicht das letzte Mal war, dass wir zusammen gespielt haben.“

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