Soziales

Von anfänglicher Skepsis zu Vertrauenspersonen

Martin Stolte, Ressortleiter Generationen und Bildung, begrüßte die Besucher der Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen des Familienbesuchsdienstes.

Martin Stolte, Ressortleiter Generationen und Bildung, begrüßte die Besucher der Feierstunde zum zehnjährigen Bestehen des Familienbesuchsdienstes.

Foto: Jennifer Katz

Iserlohn.   Familienunterstützender Dienst ist seit zehn Jahren für die Allerkleinsten erfolgreich im Einsatz.

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Es war Ende 2008, als Jugendamtsleiter Kai Maibaum auf Roswitha Heilmann-Stärke und Sabine Menzel zugekommen war mit der Frage, ob sie sich vorstellen können, den Familienbesuchsdienst zu übernehmen. „Und ganz sportlich ging es dann gleich im Januar 2009 los mit den ersten Besuchen“, erinnert sich Sabine Menzel, als sie im Rahmen der Feierstunde am Mittwochnachmittag im Rathaus auf die vergangenen zehn Jahre zurückblickt.

Bis heute sind die beiden ein Team, das hunderte Iserlohner Familien mit Neugeborenen zu Hause besucht hat. Zunächst bekommen die frisch gebackenen Eltern ein Schreiben mit Glückwünschen aus dem Bürgermeister-Büro verbunden mit dem Angebot des Besuchs. Der läuft auf freiwilliger Basis, kann also auch abgelehnt werden – nur etwa zehn Prozent wünschen ihn nicht. „Zeit, Respekt, Geduld und Empathie“ nennt Roswitha Heilmann-Stärke die Schlagworte, die bei der persönlich gestalteten Kurzberatung zählen. Denn nur so könne es gelingen, Vertrauen aufzubauen, sensibel Bedürfnislagen zu erkennen und darauf zu reagieren. Informationen über kommunale Familienangebote und unterstützende Hilfen werden dabei mündlich und schriftlich präsentiert. „Wir dienen sozusagen als positive Darstellung des Jugendamtes“, unterstreicht Roswitha Heilmann-Stärke.

Gefühl der Kontrolleweicht schnell

Sie und Sabine Menzel wissen nämlich, dass bei vielen Eltern nach Erhalt des Briefes mit der Ankündigung eines Besuches häufig erst einmal Skepsis vorherrscht. Das kann die dreifache Mutter Christina Eckenbach bestätigen. „Als unser erstes Kind unterwegs war, habe ich noch in einem städtischen Kindergarten in Sümmern gearbeitet, kannte den damals noch ganz neuen Familienbesuchsdienst aber nicht. Das war Neuland“, blickt sie zurück. Und sie gesteht: „Ich war etwas angespannt, habe mich gefragt: ,Was wollen die?’ Aber aus der Skepsis und dem Gefühl der Kon­trolle ist schnell etwas ganz Tolles entstanden.“ In kurzer Zeit sei das Vertrauen gewachsen, Roswitha Heilmann-Stärke habe auf sie sehr authentisch gewirkt. Beim zweiten Kind ist Christina Eckenbach schon viel entspannter an den angekündigten Besuch herangegangen, wie sie selbst sagt. „Ich finde die Arbeit wunderbar und wichtig, die Vernetzung ist toll. Ich habe mich auch mit anderen Eltern über den Familienbesuchsdienst unterhalten, und alle waren sich einig: Die beiden sind verlässlich, kompetent, und eben gute Ansprechpartnerinnen.“

Das Netzwerk, von dem Christina Eckenbach spricht, besteht aus Hebammen, Tagespflege, Familienzentren, Kitas, Spielgruppen, den Iserlohner Paten und Beratungsstellen. Doch auch Sabine Menzel und Roswitha Heilmann-Stärke stoßen mit ihren Hilfsangeboten an Grenzen, wenn die gewünschten Hilfen durch sämtliche gesetzlichen Vorgaben fallen, das Anspruchsdenken zu hoch ist, die finanziellen Rahmenbedingungen der Eltern nicht stimmen, durch Krankheit oder Verlust.

Zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen haben die beiden Mitarbeiter während der vergangenen Jahre auf die Beine gestellt, beispielsweise Fachvorträge, einen Markt der Möglichkeiten und eine Aktionswoche.

Auch für die kommendenzehn Jahre gibt es Pläne

Zehn Frauen mit Migrationshintergrund wurden zu Familienhelferinnen ausgebildet, um wiederum anderen Migrantinnen zur Seite zu stehen. Ratgeber und Broschüren sind in Kooperation mit der Kinderlobby und anderen Partnern entstanden. In Zukunft wollen Roswitha Heilmann-Stärke und Sabine Menzel die Kontakte in ihrem Gesundheits-Netzwerk weiter intensivieren, weitere Hebammentreffen auf die Beine stellen und Fachtage organisieren.

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