Kleinkunst

Von Ballast, Glück und Loslassen

Der Werkschor Auerweg unter Leitung von Ralf Tiemann (am Klavier) erhielt für sein neues Programm „Ewig dieses Leben“ in zwei ausverkauften Vorstellungen in der Städtischen Galerie lang anhaltenden Applaus.

Foto: Wolfgang Meutsch

Der Werkschor Auerweg unter Leitung von Ralf Tiemann (am Klavier) erhielt für sein neues Programm „Ewig dieses Leben“ in zwei ausverkauften Vorstellungen in der Städtischen Galerie lang anhaltenden Applaus. Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.   Der Werkschor Auerweg bringt mit „Ewig dieses Leben“ ganz große Kleinkunst auf die Bühne. Weitere Aufführungen in Hemer, Hennen und Iserlohn.

Mit dem neuen Programm „Ewig dieses Leben“ beweist der Werkschor Auerweg, dass er mehr zu bieten hat als ein ganz gewöhnlicher Chor: Mit klug arrangierten Chansons von Hildegard Knef und rockigen Liedern von Bob Dylan bis Rio Reiser setzt er auf ein besonderes Format mit mehrstimmigem Chorgesang, Instrumentalbegleitung und literarischen Beigaben, die im anspruchsvollen und unterhaltsamen Programm zum Philosophieren einladen.

„Die Stimmen des Volkes auf der Suche nach dem Sinn“, nennt sich die muntere musikalische Truppe weiter. Da ist der Name Programm. Kompliment an die vielen Talente, die ganz große Kleinkunst mit guten Anregungen zum Nachdenken vermittelt: über die eigenen Wurzeln, Sehnsüchte, Wünsche, Träume, Krisen, Vergänglichkeit, Glücksmomente und Zweifel.

Dabei liefert der Chor, der zuletzt mit dem Iserlohn-historischen Danz-Musical für Furore sorgte, mit seinem neuen zwischen „Arbeitshilfen, Denkanstößen und Arschtritten“ angesiedelten Programm ein kleines Gesamtkunstwerk. Dazu gehört auch das liebevoll und informativ gestaltete Programmheft mit der symbolträchtigen Sanduhr, auf der die Konterfeis der Chormitglieder verewigt werden: auf dem Lebens- und Karriereweg nach oben. Einige halten das Transparent mit dem Titel „Ewig dieses Leben“, an ihren Gesichtern sind Lust und Freude, aber auch Last und Zweifel ablesbar.

„Das Leben ist schön“ zaubert Strahlen ins Gesicht

Der Optimismus versprühende Einstieg mit der „Erdmöbel“-Hymne „Das Leben ist schön“ und das Finale mit dem frohsinnigen „Bläck Fööss“-Klassiker „Drink doch eine met“ zaubern den Mitwirkenden und Zuhörern ein Strahlen ins Gesicht.

Poetisch wird es mit dem Lied „Das Laub ist so grün“, der deutschen Version von Simon & Garfunkels „The Leaves That are Green“ über die unfassbar schnell verrinnende Zeit. Neben dem gut aufgelegten Vokalensemble setzen einzelne Mitglieder weitere Glanzlichter – solo oder im Duett singend, an Gitarre, Piano, Querflöte und Percussionsinstrumenten spielend oder mit Rezitationen von Robert Gernhardt bis Mascha Kaléko. Einfühlsam bringt Judith Mühlenhoff das melancholische Lied „Ich fühl“ der Straßenbardin Barbara Questas über den späten Neubeginn auf die Bühne. In die originelle und skurrile Rolle des perfekten Sündenbocks aus Max Raabes Selbstbezichtigung „Ich bin schuld“ schlüpft Thorsten Wattenberg. Die Kunst, im Moment zu leben und das kleine Glück zu genießen, besingen Chorleiter Ralf Tiemann und seine Frau Geesche in Jacques Palmingers zauberhaftem Chanson „Ganz normales Leben“.

„Mitmach-Aktion für Hobby-Philosophinnen“

Sehr gut an kommt beim Publikum auch „die Mitmach-Aktion für Hobby-Philosophinnen, Freizeit-Aphoristiker, Weise und Poetinnen“: Zur Pause gibt es Karten, auf denen das Publikum die eigene Sicht der Dinge formulieren kann auf die Frage: „Leben ist . . .“

Allein das macht vielen Gästen große Freude, zumal sie dann einige humorvolle Ergebnisse zu hören bekommen: „Das Leben ist wie Lego ohne Anleitung.“ Oder: „Der verschwommene Rand außerhalb des Handydisplays.“ Oder: „Wie Schrottwichteln.“ Oder: „Wie ein Blumenbeet, bei dem man das Unkraut im Griff behält.“ „Die meisten finden das Leben schön, bunt und aufregend“, fasste Judith Mühlenhoff die Antworten aus der gut gefüllten Karten-Kiste zusammen.

Als Zugabe gab’s weiterführende Literatur sowie Filmtipps. Fazit: „Ewig dieses Leben“ ist ganz großes Kino! Wer die beiden schnell ausverkauften Veranstaltungen am Premieren-Wochenende in der Städtischen Galerie verpasst hat, dem seien folgende Termine für weitere Auftritte des Werkschores Auerweg ans Herz gelegt: Am Donnerstag, 19. April, singt er in der Reformierten Kirche. Karten dafür gibt es ab heute in der Stadtinformation. Am Mittwoch, 16. Mai, folgt die nächste Vorstellung in der Ebbergkirche in Hemer und am Donnerstag, 7. Juni, in der Johanneskirche in Hennen. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr.

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