Ausstellung

Von den Absurditäten des Alltags

Anhand von selbst gebauten Modellen, die er im Studio abfotografiert, treibt Fotograf Frank Kunert die Absurditäten unseres Alltags auf die Spitze.

Anhand von selbst gebauten Modellen, die er im Studio abfotografiert, treibt Fotograf Frank Kunert die Absurditäten unseres Alltags auf die Spitze.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Frank Kunert stellt in der Städtischen Galerie seine „Lifestyle“-Fotografien und Modelle aus. Die Vernissage beginnt heute Abend.

Eine Kirche, die zu einem Parkhaus umfunktioniert wurde, Grabmähler, unter denen sich anstatt Särgen ein Ehebett befindet oder ein Schreibtisch auf einem Hochsitz in einer Winterlandschaft: Den Betrachter von Frank Kunerts Bildern erwartet eine seltsame Wirklichkeit. „Die Ausstellung heißt ,Lifestyle’, und wie der Name schon sagt, werden bestimmte Lifestyles präsentiert“, erklärt der Künstler. Es sind die Absurditäten des Lebens, die Frank Kunert in seinen Fotografien darstellt, in denen zwar keine Menschen, aber die menschlichen Spuren in der Architektur erkennbar werden. Denn in der Architektur manifestiert sich am deutlichsten deren Lebensweise. Sie ist eine Ausdrucksform menschlicher Entwicklungen, Hoffnungen, Visionen – aber nicht selten scheitert die Umsetzung im Alltag grandios und treibt seltsame Blüten. In seinen Arbeiten gibt Frank Kunert den Auswüchsen zivilisierten Lebens tiefgründigen Ausdruck.

Doch reale Vertreter seiner Abbildungen gibt es nicht. Es handelt sich um dreidimensionale Illusions-Modelle, die der Fotograf in minuziöser Kleinarbeit erbaut und später bei künstlichem Licht im Studio fotografiert. „Es ist ein langsamer Prozess von der Idee zur Skizze bis zum Bau des Modells“, erklärt Frank Kunert. „Es ist genauso wie mit gutem Wein – die Ideen müssen über längere Zeit reifen.“ Manche Ideen werden auch erst nach einigen Jahren wieder aufgegriffen, erst dann werden auch die Modelle gebaut, für die der Künstler einige Wochen oder Monate aufbringt. Für die Modelle werden Gegenstände umfunktioniert, kleine Aktenordner werden in Kleinstarbeit aus Knete geformt oder Vasen entstehen aus kleinen Perlen.

Wortspiele und Gesellschaftskritik

Die Darstellung der Architekturen auf den Bildern sind jedoch täuschend echt. „Bei meiner Fotografie ,Fensterseite’ wurde ich sehr oft gefragt, wo sich denn dieses Café befinden würde, aber das gibt es in Wirklichkeit nicht.“ Oftmals wirken die Gebäude so, als hätten sie „schon einige Jahre auf dem Buckel“, da er mit unterschiedlichen Farbschichten die Patina bearbeitet und die Oberfläche alt wirken lässt.

Frank Kunerts Fotografien sind irritierend und witzig, regen aber auch immer wieder zum Nachdenken an, denn in seinen Werken steckt auch immer ein wenig Gesellschaftskritik mit drin. „Es wird auch viel mit Ausdrücken gespielt“, erklärt seine Frau Elizabeth Clarke, die ihm beim Aufbau der Ausstellung unterstützt und zeigt ein Bild mit dem Titel „Büroschlaf“. Darauf zu sehen: Eine komplette Büroausstattung mit Aktenschrank und Schreibtisch in Form einer Babywiege. „Die Bilder zeigen, was passiert, wenn man solche Begriffe einfach mal bildlich umsetzt“, fügt sie hinzu.

Gesellschaftskritischer wird es mit Werken wie „Ein Platz an der Sonne“, auf dem alte, heruntergekommene Wohnhäuser neben einem Gebäude im modernen Stil stehen, der Balkon des neuen Gebäudes über dem des alten Wohnhauses gebaut. „Ein Kommentar zur aktuellen Wohnungssituation“, wie Elizabeth Clarke anmerkt.

Frank Kunert absolvierte in den 1980er Jahren eine Ausbildung zum Fotografen. Mit seinen Modellen begann er bereits Anfang der 1990er Jahre. Die reinen Architekturmodelle bearbeitet er nun seit 18 Jahren. Um einen Einblick in seine Arbeit zu zeigen, werden auch einige der Originalmodelle zusammen mit den Fotografien ausgestellt.

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