Wirtschafts-Standort Iserlohn

Von der ersten Presse zum E-Mobil-Pionier

J. Wolfgang Kirchhoff, Gudrun Winner-Athens und Landrat Thomas Gemke beim Unternehmerfrühstück.

J. Wolfgang Kirchhoff, Gudrun Winner-Athens und Landrat Thomas Gemke beim Unternehmerfrühstück.

Foto: Frank Jungbluth

Iserlohn.   Die Wirtschaftsinitiative Nordkreis hat beim Unternehmerfrühstück Wissenswertes über die Zukunft der Mobilität von J. Wolfgang Kirchhoff gehört.

Die Tatsachen, weiß J. Wolfgang Kirchhoff, erfährt man meistens nicht auf den ersten Blick. Der Ingenieur mit Benzin im Blut – seit 30 Jahren in der Branche und bei Audi in Ingolstadt das „Handwerk“ gelernt – hat den ausgewogenen Blick auf die Zukunft der Mobilität. Vor 125 Jahren hat begonnen, was heute ein Weltkonzern ist. „Im Prinzip könnten wir ein Jubiläum feiern“, sagt J. Wolfgang Kirchhoff, geschäftsführender Gesellschafter von Kirchhoff Automotive, als er an diesem Morgen schon zum Frühstück mit den Mitgliedern der Wirtschaftsinitiative Nordkreis (WIN) über Mobilität der Zukunft spricht.

Straßenverkehr ist nichtder größte Verschmutzer

Er macht das nicht ohne feine Seitenhiebe auf die Hysterie, die zum Thema Abgas herrscht. Denn, auch das wissen Experten wie J. Wolfgang Kirchhoff, der Straßenverkehr pustet nur knapp mehr als 10 Prozent des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) in die Luft. Die privaten Haushalte sind da schon ein schlimmerer Klima-Killer, um im Terminus der Weltuntergangs-Propheten zu bleiben, und erst recht die Energieerzeuger, die den Strom produzieren, den man braucht, um zumindest emissionsfrei zu fahren. Aber, halt, das stimmt auch nicht, in der CO2-Bilanz machen sich Elektroautos ausgesprochen schlecht. Um das Silizium für die Stromspeicher der Leiseflitzer zu gewinnen, wird zum Beispiel in Bolivien die Natur ausgebeutet. Und der meiste Strom hierzulande wird in Kraftwerken produziert, die dafür fossile Brennstoffe brauchen. „Es gibt die umweltfreundliche Lösung für unsere Mobilität nicht“, sagt der Ingenieur J. Wolfgang Kirchhoff. Und die Japaner forschen gerade daran, wie man den schlechten Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren – heute etwas mehr als 30 Prozent – um 50 Prozent steigern kann. Sicher ist: Die Weltbevölkerung wächst, mehr Menschen werden in urbanen Stadträumen wohnen. „Die brauchen eine komplett andere Mobilität und Fahrzeuge mit weniger Reichweite als jemand, der zum Beispiel im Sauerland wohnt“, wie Kirchhoff sagt. Der Vorstandschef kennt den Markt der Mobilität, vor wenigen Wochen war er bei der „Auto Shanghai“, der inzwischen weltgrößten Messe für Autohersteller und Zulieferer.

Kirchhoff Automotive ist einer dieser globalen Zulieferer. Viele Teile – etwa für Audi und BMW – die bei Kirchhoff in Iserlohn oder in einem der anderen Standorte beispielsweise in den USA, China oder Rumänien gefertigt werden, sind für Elektrofahrzeuge. Karrosserieteile für E-Autos sind anders. Vorne fehlt der schwere Motor, also müssen die Stoßfänger, deren Träger aus Iserlohn kommen, mehr aushalten.

1785 wurde das Unternehmen in Iserlohn gegründet, 1894 – vor 125 Jahren – ging das erste Press- und Stanzwerk in Betrieb. Inzwischen gibt es wenige Fahrzeug-Hersteller auf der Welt, die nichts von Kirchhoff Automotive einbauen. „Wir haben vor zehn Jahren den Streetscooter mit entwickelt, mit dem die Post jetzt so viele Probleme hat“, erzählt J. Wolfgang Kirchhoff. „Wir haben gesagt, dass das Fahrzeug noch nicht ausgereift ist.“ Der Manager kennt den Markt. Auch den für die Mobilität der Zukunft. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit sind da – das weiß er auch – noch große Lücken und viele Jahre.

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