Kultur

Von der Last der Ökonomie und dem Fremden im Spiegel

Schlagfertig: Regisseurin Ute Willing

Foto: Michael May

Schlagfertig: Regisseurin Ute Willing Foto: Michael May

Iserlohn.   Eva-Maria Grein von Friedl, Hardy Krüger jr. und Regisseurin Ute Willing im Gespräch bei „Nah dran“ mit Thomas Reunert.

Premiere geglückt, und sogleich geht es für die Darsteller von „Arthur & und Claire“, Eva-Maria Grein von Friedl und Hardy Krüger jr. auf die Bühne zum „Nah dran“ im Parktheater mit Heimatzeitung-Chefredakteur Thomas Reunert. Als Letzte im Bunde kommt zum Abschluss Regisseurin Ute Willing dazu – und erweist sich in Sachen Schlagfertigkeit als echte Geheimwaffe und würdiger „Endgegner“.

Den Auftakt macht Schauspielerin Eva-Maria Grein von Friedl, 37. Und die ist erstmal glücklich, den Tourneeauftakt geschafft zu haben, augenscheinlich aber auch mit ihrem Leben als solches. Und dass, auch wenn der Beruf des Schauspielers, wie sie sagt, zumindest beim TV zunehmend „der Ökonomie unterworfen“ sei. Umso schöner sei da bisweilen das Theater. „Da kann man Rollen noch entwickeln.“

Die 37-Jährige gab außerdem Einblicke in das oft wenig glamouröse Schauspieler-Dasein, das beispielsweise beim Dreh für „Rosamunde Pilcher“ meist aus Warten besteht. Denn: Gedreht wird in England. Und bei Sonnenschein. Und auf den kann man in England bekanntermaßen lange warten.

Auch schön: der Traumschiff-Dreh. Zwar könne man sich in Pausen schon mal etwas von den Dreh-Städten ansehen. „Aber werden Sie mal braun – da bekommt die Maskenbildnerin die Krise.“

In der Krise hilft ein Wechsel der Perspektive

Krisenresistent – so darf man vermuten, ist Hardy Krüger jr., 49, und männlicher Vorsteher einer Patchwork-Familie mit sieben Kindern. „Eine Frage der Organisation“, sagt Krüger. „In mancher Sportart schon Mannschaftsstärke“, sagt Reunert.

Krüger ist, wie er erzählt, mit „vielen bunten Dingen“ aufgewachsen – und probiert sich auch deshalb nach wie vor gerne aus. Ein neues Buch will er im Mai veröffentlichen, als Geschenk an sich selbst, auch die Fotografie hat es ihm angetan. „Fotografieren kann jeder“, sagt Krüger. „Doch die Perspektive zählt, so wie im Leben. Steckt man in einer Sackgasse, muss man die Perspektive verändern. Dann findet man eine Lösung.“

Regisseurin Ute Willing ziert sich zunächst, auf die Bühne zu kommen, läuft aber schnell zu Hochform auf („keine Fotos bitte“). Warum sie als Schauspielerin anfing, Regie zu führen? „Ich bin 60“, sagt sie. „Und habe keinen Bock, immer die gleiche Scheiße zu machen. Da mache ich lieber neue Scheiße, die ich nicht kenne. Was glauben Sie, wenn ein Tatort-Kommissar zum hundertsten Mal fragen muss: ,Wo waren sie zwischen 10 und 11 Uhr – der kotzt doch auch.’“

Auf zu neuen Ufern also – und ist „60 nicht ohnehin das neue 40?“, will Thomas Reunert wissen. „Mein Körper sagt mir was anderes“, meint Ute Willing, und beim Blick in den Spiegel frage sie sich mittlerweile stets: „Wer warst Du?“

Als Frau Regie zu führen, sei allerdings mit erheblichen Widerständen verbunden. „Warum lassen wir Frauen uns das gefallen?“ Allerdings: „Die Männer halten immer zusammen. Wir Frauen nicht.“

Man müsse als Frau, die Regie führt, auch nicht zum Mann werden. „Ich behandele alle mit Respekt. Wir haben ja alle ein gemeinsames Ziel.“

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