Von Eingliederung und Sanktionen

Iserlohn. (cofi) Über "Rechtsmittel als Gegenwehr" bei Arbeitslosigkeit referierte jetzt Rechtsanwalt Ralf Karnath auf Einladung des Arbeitslosenzentrums (ALZ) im Varnhagenhaus. "Eine schwierige Materie, aber ich hoffe, dass sie den Leuten

Zwei Jahre war der jetzt 43-jährige Iserlohner Sachgebietsleiter der Widerspruchstelle bei der Arge Märkischer Kreis. "Eine schwierige Sache für jemanden, der sich nicht gerne unterordnet", bezeichnet Ralf Karnath die Erfahrungen mit dem öffentlichen Dienst; zumal das Recht aufgrund politischer Vorgaben "etwas geknautscht" worden sei, um zu sparen. Damit meint er die politischen Vorgaben, dass die Integration von Menschen in Arbeit so kostengünstig wie möglich geschehen soll. Einzel-Interessen könnten dabei nicht immer berücksichtigt werden. Das ginge manchmal zu Lasten der Kunden. "Es ist zwar rechtlich vertretbar. Aber ich fand es so nicht richtig", bilanziert er diese Tätigkeit. Um einen besseren Platz im Ranking der Argen/Jobcenter zu haben, müssten die Schrauben angezogen werden, spricht Ralf Karnath auch Sanktionen an. "Damit bin ich nicht ganz zurecht gekommen", gesteht er freimütig, warum er "die Seiten wechselte" und den "Sprung ins kalte Wasser der Selbstständigkeit als Jurist wagte". Er blickt nicht zurück im Zorn. Und betont, dass seine Ex-Kollegen eine wichtige Arbeit leisten. Aber angesichts der vielen Fälle und der vielen Arbeitslosen sei diese Tätigkeit nicht frei von Zwängen und Konflikten. Das sei belastend.

Seit Juli hat der spätberufene Existenzgründer, der davor im Amt für offene Vermögensfragen (Berlin) und als angestellter Anwalt (Hagen) tätig war, sein Büro vorübergehend in der Wohnungslosenhilfe untergebracht. "Die Wohnungslosenhilfe hat sich darum gekümmert, dass ich Obdach bekomme, um den Einstieg zu schaffen", ist der dreifache Familienvater dankbar für die Starthilfe, mit der er auch Betriebskosten sparen kann. Karnath kooperiert mit der Wohnungslosenhilfe und dem Arbeitslosenzentrum. Auch wenn er in Kürze ein eigenes Domizil beziehe, sollen weiterhin regelmäßige Sprechstunden in der Wohnungslosenhilfe der Diakonie abgehalten werden.

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