NABU-Stiftungshof

Was gegen Geranien spricht und wie man Fledermäuse pflegt

Bei der sechsten Auflage der NABU-Pflanzentauschbörse auf dem Stiftungshof Kalthof wechselte so manches Grünzeug den Besitzer, und auch über die Tierwelt gab es viele Informationen.

Bei der sechsten Auflage der NABU-Pflanzentauschbörse auf dem Stiftungshof Kalthof wechselte so manches Grünzeug den Besitzer, und auch über die Tierwelt gab es viele Informationen.

Foto: Michael May / IKZ

Kalthof.  Der Klimawandel zeigte sich auch auf der 6. Pflanzentauschbörse auf dem Stiftungshof. Der NABU sucht verstärkt Fledermaus-Paten.

Das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung wächst, ist Peter Bunge überzeugt. Der Mitarbeiter des Naturschutzbundes (NABU) Märkischer Kreis war am Samstag mit Kollegen und Gleichgesinnten auf dem Stiftungshof im Einsatz, um Bürger bei der jährlichen Pflanzentauschbörse rund um Garten und Natur zu beraten. „Wir sind eine gefragte Institution und die Beteiligung wächst von Jahr zu Jahr.“

Auf manches können auchLaien bei der Auswahl achten

Die Idee, Gewächse aus dem Garten, vom Balkon oder auch Zimmerpflanzen wie bei einem Trödel anzubieten und gegen andere zu tauschen oder zu verschenken, scheint in der Tat gut anzukommen. Peter Bunge empfiehlt, bei der Auswahl auf Blühpflanzen zu achten, die ergiebig für Bienen und andere Bestäuber sind: „Geranien etwa mögen ja schön und robust sein, aber Insekten haben von so überzüchteten Gewächsen nicht viel.“ Wer sich im Fachhandel versorgt und etwas für die Umwelt tun möchte, sollte vor der Kaufentscheidung explizit nachfragen.

Für den Laien sei nicht immer leicht zu beurteilen, welche Arten geeignet sind und welche nicht. „Jeder kann sich aber die Pflanze aus der Nähe angucken: Wenn es keinen Blütenkranz mit sichtbaren gelben Pollen gibt, ist das kein gutes Zeichen“, erklärt Bunge. Regionaltypische Gewächse müssten es nicht unbedingt sein: „Bienen und Hummeln fliegen auf alles, was bunt ist.“ Wer darüber mehr erfahren wollte, konnte sich auch bei den örtlichen Imkern informieren, die auf mehr Regen hoffen – Hitze und Trockenheit setzen auch den emsigen Nektarsammlern zu.

Ein schlechtes Jahr für Insekten bedeutet auch negative Konsequenzen für Fledermäuse, wie von den anwesenden Beauftragten für die fliegenden Nagetiere zu erfahren war. Der NABU sucht daher verstärkt nach Fledermauspaten – was das bedeutet, kann Kirsten Scholz (56) aus Lüdenscheid aus erster Hand berichten: „Es geht um Babys, die auf dem Boden gefunden werden und Katzenopfer.“

Aufzucht in Not geratener Fledermäuse kostet viel Zeit

Noch nicht flugfähige oder verletzte Fledermäuse werden dem NABU meist ab April gemeldet. Wenn die Tiere überleben sollen, brauchen sie Pflege: „Die ganz Kleinen brauchen stündlich Verpflegung, die Älteren alle drei bis vier Stunden“, berichtet Kirsten Scholz. Zum Füttern der winzigen Tiere wird ein spezielles Milchpulver angerührt und mit einer Pipette verabreicht. Dass sie des Nachts auf der Jagd nach Insekten durch die Luft flitzen können, verdanken sie nicht zuletzt ihrem geringen Gewicht: „Die kleinste, die ich hatte, wog nur ein Gramm“, erinnert sich die Fledermauspatin, die schon 23 der Tiere das Leben gerettet hat.

Das reine Aufpäppeln der jungen Tiere ist dabei nicht genug, sie brauchen auch Flugtraining. „In der Freiheit haben sie nur eine Überlebenschance, wenn sie bis dahin die nötige Ausdauer besitzen“, betont Kirsten Scholz. Sind die Flattermänner bis August nicht so weit, müssen sie überwintert werden. Gehalten werden die Fledermäuse je nach Größe in Seegraskörben oder Gaze-Terrarien gehalten, mit Kartons solle man vorsichtig sein: „Das sind kleine Ausbruchskünstler.“

Während Baby-Fledermäuse praktisch noch zahnlos seien, müsse man sich bei erwachsenen Tieren durchaus vor Bissen in Acht nehmen. Nicht aus Sorge vor vampirischen Übergriffen, sondern um das Risiko einer Infektion auszuschließen, sollten deshalb Handschuhe getragen werden, denn Fledermäuse können unter Umständen eine eigene Form der Tollwut übertragen.

Wer helfen will, kann sich kostenlos schulen lassen

„Man muss Zeit und Interesse für die Tiere mitbringen“, sagt Kirsten Scholz zur Frage der Voraussetzungen für eine Patenschaft. Dass Fütterung im Stundentakt für Berufstätige ein Ding der Unmöglichkeit ist, liegt auf der Hand. Besondere Fachkenntnisse hingegen seien nicht erforderlich, an die Aufgabe werde man herangeführt: „Ich habe zuerst einen Kurs beim NABU gemacht und die ersten Fledermäuse wurden mir dann gebracht.“ Nicht zu viele auf einmal für den Anfang. Die Aufzucht war zunächst schwieriger als gedacht, gibt die 56-Jährige zu – trotzdem war sie von den kleinen Luftakrobaten so begeistert, dass sie im nächsten Jahr gleich ein Vielfaches an Schützlingen aufnahm.

Die Pflanzentauschbörse auf dem Stiftungshof findet stets am zweiten Samstag statt, bietet persönlichen Austausch, Beratung und wechselnde Angebote. Diesmal waren Schafe und Ziegen von Schäfer Maik Randolph mit dabei.

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