Joithe und Kirchhoff im Duell

Welchen Weg soll die Innenstadt nehmen?

Michael Joithe und Eva Kirchhoff eingerahmt von Moderator Rudi Müllenbach (li.) und Volker Hellhake von der Werbegemeinschaft.

Michael Joithe und Eva Kirchhoff eingerahmt von Moderator Rudi Müllenbach (li.) und Volker Hellhake von der Werbegemeinschaft.

Foto: Stefan Drees / IKZ

Iserlohn.  Auf Einladung der Werbegemeinschaft diskutierten am Donnerstag die Bürgermeisterkandidaten Eva Kirchhoff und Michael Joithe über Innenstadtthemen.

„Donnerstags am Markt“ ist eine Veranstaltungsreihe, die die Werbegemeinschaft Iserlohn auf dem Marktplatz etabliert hat, immer mit viel Musik. Die hat es auch an diesem Donnerstag – erneut in Gestalt von „Save by Sound“ – gegeben, sie stand aber nicht im Mittelpunkt. Denn die Werbegemeinschaft hatte die beiden für die Stichwahl am 27. September verbliebenen Bürgermeisterkandidaten Eva Kirchhoff (CDU, FDP) und Michael Joithe (Die Iserlohner) zu einer Diskussion auf die kleine Bühne eingeladen, Rudi Müllenbach moderierte, Volker Hellhake, Vorsitzender der Werbegemeinschaft, gesellte sich als weiterer Gesprächspartner dazu. Rund 150 Gäste, dazu zahlreiche weitere jenseits der Absperrbänder, verfolgten das Geschehen.

Durchweg „brav“ verhielten sich die Kandidaten, bevor es mit einem weiteren Auftritt von „Save by Sound“ in die Pause ging. Danach sorgte dann Michael Joithe durchaus für eine Tonverschärfung, er muss ja schließlich attackieren, müsste er doch etliche Prozentpunkte in der Stichwahl aufholen, um eine Chance zu haben, tatsächlich ins Bürgermeisterbüro einzuziehen. Eva Kirchhoff zeigte wenig Interesse, sich auf einen aggressiveren Schlagabtausch einzulassen, die Diskussion kam dann auch wieder in ruhigere Fahrwasser, bisweilen stellten die Kandidaten bei einigen Positionen auch Übereinstimmungen fest.

Die Werbegemeinschaft als Einlader hatte sich gewünscht, die Entwicklung der Innenstadt thematisch in den Mittelpunkt zu rücken, sie besitzt ja für den Einzelhandel besondere Relevanz. Wenig überraschend geriet dabei schnell der Schillerplatz in den Fokus. Eva Kirchhoff wertete es als Vorteil, dass man sich bereits im Planungsprozess befinde und dieser abgeschlossen sein könne, wenn das marode Parkhaus unter dem Schillerplatz notwendigerweise abgerissen werden müsse. Volker Hellhake hat bei der Entwicklung konkret auch die kommenden Monate im Blick. Welche Möglichkeiten gibt es, zu vermeiden, dass nach der Schließung von Karstadt eine dunkler Angstraum um das dann verwaiste Kaufhaus entsteht? Und er wollte wissen, wie es mit dem Parken aussieht, wenn während der Bauphase kein Parkhaus am Schillerplatz zur Verfügung steht. Michael Joithe schlug vor, in der Übergangsphase den Schillerplatz zu begrünen und die Karstadtimmobilie nicht einfach leerstehen zu lassen, Ausstellungen oder Veranstaltungen seien denkbar. Auch Eva Kirchhoff sagte, dass man sich schnell Gedanken machen müsse, um kurzfristige Lösungen zu finden. Was das Parken anbelangt, verwies Eva Kirchhoff auf Kapazitäten im Parkhaus Altstadt, Michael Joithe möchte den Park&Ride-Gedanken ab Hemberg beleben.

Übergangslösungen,wenn Karstadt schließt

Und wie soll der Schillerplatz der Zukunft aussehen? Für Eva Kirchhoff sind die ersten vorgestellten Überlegungen von AIP aus Düsseldorf eine gute Basis. Sie favorisiert eine möglichst breite Mischung bei der Nutzung neu entstehender Gebäude. Kleinere Einheiten für Handel, Gastronomie, Büros, Wohnungen, Dienstleistungen und eine Verwaltungseinheit, in der der Bürger alle wesentlichen Dinge erledigen könne. Joithe stellte dem den Gedankenansatz der „Iserlohner“ gegenüber, auf größere Bebauung zu verzichten, stattdessen eine parkähnliche Lösung anzustreben, vom unteren Schillerplatz aus leicht abfallend in Richtung Theodor-Heuss-Ring – mit zwei, drei Pavillons und einer Musikmuschel als Anker. Eva Kirchhoff vermisste bei dieser Lösung allerdings ein Parkhaus.

Michael Joithe möchte nach der Wahl mit allen Akteuren einen runden Tisch zur Schillerplatzentwicklung einberufen, die Bürger müssten mehr beteiligt werden. Und der Fokus dürfe nicht nur auf dem Schillerplatz liegen. „Die Frage muss lauten, wie wir uns die Innenstadt im 21. Jahrhundert vorstellen.“ Dieser runde Tisch solle zeitlich aber nicht ausarten. Danach müsse es Lösungen geben. In diesem Zusammenhang forderte Michael Joithe später, vor dem Hintergrund zahlreicher anstehender Großprojekte – Rathaus, Veranstaltungshalle – gemeinsam mit den Bürgern eine Prioritätenliste erstellen zu wollen. Eva Kirchhoff sah derweil in einer Priorisierung bei aller wünschenswerten Bürgerbeteiligung eher eine Aufgabe des Rates.

Defizite bei der Umsetzungvon Beschlüssen

Sicherheit und Ordnung in der Innenstadt: Ein Thema waren dabei die Zustände am Alten Rathausplatz, der morgens regelmäßig „zugemüllt“ sei. Sowohl Eva Kirchhoff als auch Michael Joithe waren der Auffassung, dass sich eine Lösung nicht einfach nur auf mehr Reinigung beschränken könne. Joithe sprach sich dafür aus, stärker mit Bußgeldern gegen Müllverursacher vorzugehen. Eva Kirchhoff sieht ein Problem im W-Lan auf dem Alten Rathausplatz, das dazu führe, dass sich viel Publikum zum „Daddeln“ dort aufhalte, teilweise auch in Haus- und Geschäftseingängen. Sie schlug vor, das W-Lan am Alten Rathausplatz zu reduzieren und stattdessen mehrere kleinere „Inseln“ verteilt in der Stadt zu schaffen.

Volker Hellhake kritisierte, dass häufig zu sehr auf große Projekte geblickt werde und darüber viele kleinere Dinge, über die längst gesprochen worden sei, auf der Strecke blieben. Als Beispiel nannte er den schlechten Zustand vieler innerstädtischer Bushaltestellen. Das sei seit langem besprochen gewesen, Fortschritte gebe es aber nicht. Sowohl Joithe als auch Kirchhoff machten Defizite bei der Umsetzung von Beschlüssen aus. Da bleibe vieles auf der Strecke, beide wollen als Bürgermeister hier ansetzen. Und beide sehen auch großen Handlungsbedarf, was die Kommunikation der Stadtverwaltung mit dem Bürger angehe. Michael Joithe fügte hinzu, er wolle für mehr „Transparenz“ im Rathaus sorgen, Eva Kirchhoff spricht in diesem Zusammenhang von einem „Dialog mit den Bürgern“.

Als temperaturtechnisch längst „Eiszeit“ auf dem Marktplatz angebrochen war, gab es noch Gelegenheit, aus dem Publikum heraus Fragen zu stellen. Renate Schmidt wollte wissen, welcher Standort für eine neue Stadtbücherei favorisiert werde. Joithe sprach sich für einen Standort im Herzen der Innenstadt aus, also nicht jenseits der Westertorpassage. Eva Kirchhoff favorisiert die Integration der Stadtbücherei in den Wissenscampus am Stadtbahnhof. Das sei für sie aber nicht in Stein gemeißelt, das sei ja auch noch nicht entschieden.

Die Lager beider Kandidaten verfügten über reichlich Unterstützer im Publikum. Claudio Vurro, der am vergangenen Sonntag noch als Einzelbewerber bei der Bürgermeisterwahl angetreten war, hatte sich – zumindest räumlich betrachtet – zu den „Iserlohnern“ gesellt. Auch er stellte eine Frage, die im Joithe-Lager offenbar euphorisch erwartet worden war. Da sich die ganzen Aufgabenstellungen und Projekte sicherlich nicht in einer Amtszeit abarbeiten ließen, wollte er wissen, ob die Kandidaten bei erfolgreicher Arbeit für eine weitere Amtszeit antreten würden. Der 46-jährige Michael Joithe antwortete, dass er sich durchaus mehrere Amtszeiten vorstellen könne. Die 61-jährige Eva Kirchhoff konterte, dass sie sich absolut fit fühle und bemühte Konrad Adenauer. Der sei ja zu Beginn seiner Kanzlerschaft bereits 73 Jahre alt gewesen und dann 14 Jahre Kanzler geblieben.

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