Sucht

Wenn der Griff zur Flasche Routine wird

Für Suchtkranke ist die Corona-Krise eine schwierige Situation.

Für Suchtkranke ist die Corona-Krise eine schwierige Situation.

Foto: Alexander Heinl / picture alliance/dpa

Iserlohn.  In der Corona-Krise wird deutlich mehr Alkohol gekauft. Wie gefährlich ist das?

Wein, Sekt oder Bier: In der Corona-Krise kaufen die Deutschen deutlich mehr Alkohol. Das geht aus Daten des Marktforschungsinstituts GfK hervor. Von Ende Februar bis Ende März stieg der Bierverkauf um 11,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im gleichen Zeitraum wurde fast ein Drittel mehr Wein gekauft, bei Spirituosen wie Gin oder Korn liegt die Steigerung sogar bei rund 31 Prozent. Zahlen, die Thomas Kreklau und Uta von Holten von der Caritas-Suchtberatung zwar nicht sofort beunruhigen – sie aber zumindest aufhorchen lassen.

„Wenn das allerdings so anhält, dann wäre das schon beunruhigend“, sagt die Suchtberaterin. Aus ihrer Sicht sei der enorme Anstieg in erster Linie durch die geschlossenen Gaststätten und Restaurants zu erklären. Wer bislang dort mal ein Glas Wein getrunken hat, mache das nun Zuhause. Ob also aktuell wirklich mehr getrunken würde, könne man gar nicht sagen.

Die Ängste und Sorgen im Alkohol ertränken

Dennoch würde die Corona-Krise eine gewisse Gefahr in sich bergen. Nicht unbedingt für Menschen, die jetzt gerade in den eigenen vier Wänden mal das eine oder andere Bier mehr trinken als sonst. Aber auf jeden Fall für Menschen, die schon seit einiger Zeit eine „gewisse Affinität zum Alkohol haben“ oder bereits suchtkrank sind, wie Thomas Kreklau sagt. Existenzängste, finanzielle Nöte oder eine unsichere Zukunft: All diese Sorgen lösen bei Menschen mit Suchterkrankungen beispielsweise das Gefühl aus, sie im Alkohol ertränken zu müssen. „Sie greifen dann zur Flasche, um ihre Emotionen zu beeinflussen und haben das Gefühl, es geht ihnen vermeintlich besser.“

Dazu komme die soziale Isolation, unter der viele der Klienten von Thomas Kreklau und Uta von Holten zu kämpfen haben. Viele hätten sowieso schon sehr wenige soziale Kontakte, diese wenigen seien nun durch Corona auch noch weggebrochen. Auch Selbsthilfegruppen – für viele ein wichtiger Anker – hätten in letzter Zeit nicht stattfinden können. „Das ist für viele sehr belastend“, sagt Uta von Holten. Zudem hätten aufgrund der derzeitigen Situation nicht alle Therapiemaßnahmen in vollem Umfang angeboten werden können – ebenfalls sehr belastend. „Solch eine Krisensituation kann die Erkrankung also durchaus verschlimmern“, sagt Thomas Kreklau.

Umso wichtiger sei es, den Klienten in der telefonischen und seit kurzer Zeit auch wieder persönlichen Beratung einen Weg aufzuzeigen, damit diese nicht den Mut und somit nicht auch endgültig den Kampf gegen den Alkohol verlieren.

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