Smartphones

Wenn die Gratis-App zur Kostenfalle wird

„Free to play“ kann tückisch sein, wie Anke Müller, Astrid Lindner und Thomas Kreklau zeigen. Rat gibt es heute bei der Verbraucherzentrale in Iserlohn.

Foto: Michael May

„Free to play“ kann tückisch sein, wie Anke Müller, Astrid Lindner und Thomas Kreklau zeigen. Rat gibt es heute bei der Verbraucherzentrale in Iserlohn. Foto: Michael May

Iserlohn.   Zum Weltverbrauchertag am Mittwoch gibt die Verbraucherzentrale Tipps zum Umgang mit Spiele-Apps.

Diamanten, goldene Taler, volle Action – für Smartphones oder Computer zu Hause leuchtet eine Fülle an kostenlosen Spielen. Doch Vorsicht: Wenn das Spielgeld auszugehen droht, dann verlocken viele vermeintliche „Free-to-play-Games“, den weiteren Spielspaß in harter Währung zu bezahlen.

Am heutigen „Weltverbrauchertag“ berät die Verbraucherzentrale Iserlohn deshalb kostenlos, wie sich „Gamer“ vor teuren Tücken schützen können. Von 9 bis 13 Uhr stehen Astrid Lindner und Anke Müller für Tipps und Rat in der Geschäftsstelle am Theodor-Heuss-Ring 5 zur Verfügung. Mit dabei im Beratungsteam ist zwischen 11 und 12 Uhr auch Uta von Holten von der Caritas-Suchtberatung.

Suchtgefahr am Monitorim Kinderzimmer

Insbesondere Eltern stehen oft ratlos da, wenn ihre Sprösslinge merkwürdig werden: Sie ziehen sich zurück, werden unkonzentriert, reizbar, verschmähen gemeinsame Mahlzeiten, und mit den Leistungen in der Schule geht es bergab, schildert Thomas Kreklau (Caritas-Suchtberatung). Vor allem Jungen erliegen solchen Gefahren, zumal Freunde auf der gleichen Welle surfen – etwa bei „Minecraft“ am PC.

Die Gruppendynamik wird leicht zum Zwang: An großen Monitoren und mit speziellen Kopfhörern tauchen junge Leute ein in eine virtuelle Welt – die ihnen plötzlich so real erscheint. Und mit Freunden geht es in den Wettstreit, wer das Spiel am besten beherrscht.

Noch viel weiter populärer sind Spiele-Apps für Smartphones oder Tablet-PC. 42 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren sind beim Spielen schon mit von der Partie, erklärt Astrid Lindner: Insgesamt 30 Millionen Menschen über alle Altersgruppen hinweg. Am stärksten verbreitet sind die Spiele bei 14- bis 29-Jährigen. 81 Prozent der jungen Generation sind von „Candy Crush“, „Clash Royal“ oder „Pokémon Go“ begeistert. Aber auch bei den über 65-jährigen Senioren daddeln inzwischen elf Prozent mit Spiele-Apps, bilanziert Astrid Lindner.

Das Spielgeld geht zur Neige, dann ist die Verlockung groß

Viele Spiele stehen grundsätzlich kostenlos zum Download bereit. Das kann viel Vergnügen bereiten – mitunter auch für pure Beobachter: Beispielsweise sorgte „Pokémon Go“ zum Start im vorigen Jahr für wahre Massenaufläufe, ließ Spieler geistesabwesend durch die Straßen ziehen auf der Pokémon-Jagd.

Trotzdem werden Gratis-Apps für die Anbieter oft zum einträglichen Geschäft. Wenn das Spielkapital zur Neige geht, ein „Booster“ mehr Tempo verheißt oder weitere „Leben“ nötig werden, um weiterzuspielen, dann blinkt am Display der käufliche Ausweg auf: Für 99 Cent oder gar 99 Euro läuft der Spielspaß prächtig weiter.

Oft sind es scheinbar nur kleine Beträge, die sich am Ende aber mächtig addieren können, wie Thomas Kreklau aus seiner beruflichen Praxis berichten kann: Ein entsetzter Vater erblickte auf seiner Kreditkartenabrechnung eine Summe von 1000 Euro, die der Sohnemann durchs Spielen eingebrockt hatte.

So empfehlen Astrid Lindner und Anke Müller von der Verbraucherzentrale in Iserlohn, Kaufoptionen an den Geräten zu deaktivieren oder durch Passwörter (PIN) zu schützen, damit nicht Familienmitglieder unkontrolliert zugreifen können. Begrenzen lassen sich Kosten beispielsweise auch durch Prepaid- oder Wertkarten. Devise: Die Karte gibt dir Spielraum für 10 oder 20 Euro, aber mehr auch nicht.

Dabei geht es den Beraterinnen der Verbraucherzentrale gar nicht darum, Spiele-Apps zu verteufeln – sondern präventiv vor teuren Folgen zu schützen: „Bei vielen Apps ist es sehr intransparent“, was der Spieler für sein Geld überhaupt bekommt, unterstreicht Astrid Lindner.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik