Kinder

Wenn Vierjährige den Knietritt trainieren

„Rechten Arm nach vorn, die Finger anwinkeln . . .“ – die Kinder folgen den Kommandos von Trainer Frank Schulte. Der bietet solche Ferienaktionen schon seit etwa 20 Jahren an.

Foto: Max Winkler

„Rechten Arm nach vorn, die Finger anwinkeln . . .“ – die Kinder folgen den Kommandos von Trainer Frank Schulte. Der bietet solche Ferienaktionen schon seit etwa 20 Jahren an. Foto: Max Winkler

Iserlohn.   Bei den Ferienspielen werden regelmäßig Selbstverteidigungskurse für die Jüngsten angeboten.

Wie eine Perlenschnur aufgereiht stehen sie da, an der Linie zwischen den roten und den blauen Matten. Mit großen Augen verfolgen die Mädchen und Jungen, was Frank Schulte ihnen erklärt. „Beim letzten Mal haben wir ja Geschicklichkeitssachen trainiert, heute wärmen wir uns erstmal auf und üben dann ein paar Techniken“, sagt der Inhaber der Sportschule Zan Shin Dōjō an der Sporenstraße.

Schulte bietet bereits seit fast 20 Jahren solche Schnuppereinheiten für die ganz Kleinen im Rahmen der Ferienspiele, die das städtische Kinder- und Jugendbüro koordiniert, an. Zum einen können die Teilnehmer dabei eine neue Sportart kennen lernen. Andererseits, das betont der Schul-Betreiber, „lernen sie auch den sozialen Umgang“. Und der beginnt beim Betreten der Halle. Dōjō kommt aus dem Japanischen und bedeutet „Ort des Weges“, er bezeichnet einen Trainingsraum für verschiedene asiatische Kampfkünste. Im übertragenen Sinne steht der Begriff auch für die Gemeinschaft der dort Übenden. Wer den Dōjō betritt, verbeugt sich in Richtung Shōmen (Vorderseite). Sie zeigen mit dieser Verbeugung, dass sie sich den Regeln unterwerfen. Bei den Vier- bis Neunjährigen, die an diesem Spätnachmittag dabei sind, klappt das schon ganz gut.

Einige sind bereits in derSportschule angemeldet

„Wir spielen jetzt erstmal was zum Warm werden“, kündigt Frank Schulte an und holt einen leichten blauen Ball hervor. Nach dem Brennball-Prinzip sollen die Kinder in einer begrenzten Fläche umherlaufen. Und das tun sie mit lautem Kreischen und Quieken. Schulte und eine Mutter werfen nach und nach alle Kinder ab und damit aus dem Spiel. Zwei Runden geht es so, bevor sich wieder alle an der blau-roten Linie aufstellen. Der Kampfsport-Fachmann erinnert: „Letztes mal haben wir doch so einen Kniestoß gemacht, wisst Ihr noch?“ Er ruft einen Jungen namens Tim nach vorne, der wie einige andere schon einen schwarzen Sportanzug mit weißem Gürtel trägt, weil er bereits in der Sportschule angemeldet ist.

Mit Tritten gegendie Angreifer wehren

„Ich bin böse und will Dir Deine Jacke klauen“, schildert Schulte die Ausgangssituation für die Übung. Er trägt inzwischen eine Schutzweste und kniet vor Tim. Der darf ordentlich Schwung holen und seinem Gegenüber mit dem Knie vor die Brust treten. „Ich dachte, die Weste hält was ab“, schnauft der Trainer schmunzelnd. Alle Mädchen und Jungen treten der Reihe nach zu ihm, um es Tim nachzumachen. Schulte rät einigen Kindern: „Setzt das Bein nach einem Tritt wieder ab, dann kriegt ihr mehr Schwung.“ Einige der Jungs verschränken symbolisch die Finger, um sie dann knacken zu lassen, bevor sie mit dem knieenden Erwachsenen Auge in Auge stehen.

Nun wird wieder die Reihe gebildet, die Kinder sollen gerade stehen. Schulte gibt das Kommando: „Wir winkeln die Finger an, klappen die Daumen weg, stellen das rechte Bein nach hinten, die Hände nach vorne – und der Mund bleibt dabei immer noch geschlossen.“ Und er erklärt den Kindern: „Viele glauben ja, dass Kampfsport nur zum Hauen ist, nur aus Treten und Schlagen besteht. Das stimmt nicht, wir lernen das, um uns zu verteidigen. Diejenigen, die Kampfsport nutzen, um andere zu provozieren und zu verhauen, die schmeiße ich raus.“ Darauf antwortet ein Junge: „Mein Freund haut mich jeden Tag!“ Frank Schulte zeigt sich verwundert, über diese Art der Freundschaft, bevor er einen Parcours aus schwarzen Gürteln, bunten Plastikreifen und weichen Schaumstoffklötzen aufbaut.

„Ihr sollt Mut haben,selbst zu entscheiden“

„Ich möchte jetzt mal sehen, wie das mit Eurem Gleichgewichtssinn ist“, erklärt der Trainer seinen 17 Schützlingen, die es kaum abwarten können, auf einem Bein durch die Reifen zu hüpfen und „Fuß an Fuß“ über Gürtel oder Schaumstoffklötze zu balancieren. Vor allem die ganz Kleinen purzeln immer wieder über die eigenen Füße, um sofort wieder lächelnd aufzustehen. Bei einer weiteren Übung sagt Schulte: „Ganz wichtig: Ihr sollt nicht bei den anderen abgucken, sondern Mut haben, selbst zu entscheiden.“ Und er weist die Mädchen und Jungen zum Schluss noch einmal auf die Verbeugung in Richtung Shōmen hin – zum Dank.

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