DrahtSaitenAkt

Wer gut plant, der schafft auch alle Konzerte

Das „Parhelia-Quartett“ (im Bild ohne den Bassisten) hat sich ganz der Weltmusik verschrieben.

Das „Parhelia-Quartett“ (im Bild ohne den Bassisten) hat sich ganz der Weltmusik verschrieben.

Foto: IKZ

Iserlohn.   Zum zehnten Mal lockte das Festival „DrahtSaitenAkt“ Hunderte von Musikfreunden ins Barendorf

Auch beim zehnten Mal hat die besondere Konzertidee in der historischen Fabrikanlage Maste-Barendorf nichts an Attraktivität verloren – im Gegenteil: Der „DrahtSaitenAkt“ zog am vergangenen Sonntag eine unvermindert große Zahl von Besucherinnen und Besuchern an. 2007 hatte das Klassik-Fest mit seinem ungewöhnlichen Konzept zum ersten Mal im bezaubernden Ambiente des Dorfes stattgefunden, und einige Mitwirkende sind von der ersten Stunde an mit dabei.

Das reizvolle Gesamtpaket von Ort, musikalischer Vielfalt und der zeitlich raffinierten Taktung ist natürlich auch abhängig vom Wetter, und das spielte wieder mit. Rechtzeitig zu Beginn der Veranstaltung hatte der Regen sich verzogen, es blieb spätsommerlich warm und (fast) trocken.

Zugegeben: Der erste Blick auf den Lage- und Konzertplan stellt weniger entschlussfreudige Menschen vor eine größere Herausforderung. Denn wer sich für eine der jeweils 30-minütigen Darbietungen entscheidet, entscheidet sich zwangsläufig gegen fünf bis sechs andere. Der zweite Blick verrät: wer strategisch gut plant, der schafft es doch immerhin die meisten Ensembles zu erleben. Ein Glück! Denn alle eingeladenen Künstler hatten auch dieses Mal Hochkarätiges zu bieten. Da hatte Bürgermeister Peter Paul Ahrens beim Grußwort zur Eröffnung nicht zu viel versprochen.

Beim Stil-Mix verschwimmen die musikalischen Grenzen

Ein Geheimnis des Gelingens mag in dem wunderbaren Mix aus Stilrichtungen liegen. Da verschwimmen alle Grenzen musikalischer Einordnungen. „Crossover“ heißt das Zauberwort.

Zur besonderen Atmosphäre trägt aber auch die Intimität der kleinen Räume bei. In einem Gebäude wird mitten zwischen den Maschinen und Werkzeugen musiziert. Künstler und Zuhörende gehen eine ganz eigene und entspannte Verbindung ein, die ein großer Konzertsaal so nicht ermöglicht. Hinzu treten dann noch die ungewohnten Instrumentenkombinationen, die nach wie vor für Überraschungen sorgen.

Von Anfang an mit dabei ist das Duo Spiritu mit Cello und Akkordeon, das sich zum Beispiel an Barockes wagte: mit den orchestralen Möglichkeiten des Akkordeons wurde unter anderem ein Cellokonzert von Vivaldi intoniert.

Auch Greta Schaller am Saxofon und Simon Roloff am Marimbaphon musizierten ausdrucksstark und technisch auf höchstem Niveau, boten unter anderem Jazz, Blues und Klezmer. Die Bearbeitungen klassischer Werke für dieses Instrumentengespann stellten auch hier in aufregender Weise Hörgewohnheiten auf den Kopf. Mit viel Humor agierten „The Lucky Ukes“, ein Männerquartett mit Gesang, Ukulele und Percussion. Sie präsentierten einen Ausschnitt ihres breitgefächerten Repertoires und behaupteten selbstsicher, dass Mozarts „Türkischer Marsch“ ursprünglich für Ukulele komponiert worden sei. Der Perkussionist griff hier für den Rhythmus zu Streichholzschachteln.

Das „Amadeus-Guitar-Duo“ konnte krankheitsbedingt nicht auftreten, wurde aber souverän und mit sensiblem Spiel von „America’s Guitar Duo“, nämlich einer Nordamerikanerin und einem Südamerikaner, vertreten, die beide Studenten von Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff sind.

Das Parhelia-Quartett spielte klangvoll und mit viel Gefühl

Der Weltmusik hat sich das Parhelia-Quartett verschrieben. Da musizierten klangvoll und mit viel Gefühl Geige, Gitarre und Bass mit einer Sängerin, die auch mal zur Trommel oder anderen Schlagwerken griff. Spanisches wurde an Irisches gereiht, Tänzerisches an Elegisches und allzeit war die Freude am Spielen spürbar.

Jenny Ruppik als Harfenistin war erstmals dabei und überzeugte mit ihren solistischen Beiträgen. Die erfolgreiche Musikerin ergänzte eindrücklich den vielfältigen Saiten-Reigen.

Pathos und Power pur – damit lässt sich gewiss nur ansatzweise das Ensemble Contrabajandro charakterisieren, das sich vor allem den Tango-Rhythmen verschrieben hatte. Gitarre, Cello, Akkordeon, Bass und Klavier entfachten einen Sturm unterschiedlichster Stimmungen, unter anderem bei Astor Piazzollas „Sommer“. So gab es zwar auch Lauschiges, doch die Hektik und der Verkehrslärm, die Unruhe einer Großstadt sprangen förmlich lautmalerisch auf die Zuhörenden über.

„The Twiolins“ waren technisch vollkommen

Und dann waren da noch „The Twiolins“, Marie-Luise und Christoph Dingler. Was dieses Geschwisterpaar als Geigenduo an Klangfarben zauberte, ist schwer in Worte zu fassen. Technisch vollkommen, mit brillantem Ton, viel Temperament und verschmelzendem Zusammenspiel erzählten sie musikalische Geschichten. Die Kompositionen für zwei Geigen waren für den „Crossover Composition Award“ entstanden, den das Duo initiiert und nun schon zum dritten Mal veranstaltet hat. Tatsächlich erwächst aus Traditionellem und Modernem solch unerwartet Innovatives, dass nicht nur die Musiker hellauf begeistert sind.

All diese erlesenen Gruppen wanderten - ebenso wie die rund 450 Besucherinnen und Besucher - mehr oder minder eilig in den 15-minütigen Pausen zwischen den sieben Räumlichkeiten hin und her, wobei es außerdem vorgesehen war, sich eine Auszeit zu nehmen, um sich am Büfett des Zonta-Clubs gütlich zu tun. Die Zonta-Frauen sorgen schon seit vielen Jahren für das Catering der Veranstaltung und begeben sich damit, wie üblich, in doppelter Weise in den Dienst für andere. Der Erlös geht auch in diesem Jahr in Projekte, die junge Frauen in besonderen Herausforderungen unterstützen.

Bester Stimmung waren von Anfang bis Ende die beiden umtriebigen Hauptorganisatoren, Museumsleiter Gerd Schäfer und Musiker Thomas Kirchhoff, und hocherfreut über den hervorragenden Zuspruch. Ihnen gebührt großer Dank für Engagement, Kontinuität und Niveau! Das Publikum von Nah und Fern wird dieser exklusiven Ausnahmeveranstaltung gewiss auch in Zukunft dankbar und gerne die Treue halten.

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