Schulen

Werben für die Iserlohner „Schulrevolution“

Dr. Ernst Rösner stellte dem Schulausschuss am Mittwochabend sein Gutachten zur Entwicklung der weiterführenden Schulen  vor.

Dr. Ernst Rösner stellte dem Schulausschuss am Mittwochabend sein Gutachten zur Entwicklung der weiterführenden Schulen vor.

Foto: Michael May/IKZ

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Iserlohn.  Es war der vom Stadtparlament so dringend gewünschte „Blick von außen“, den Gutachter Dr. Ernst Rösner auf die Landschaft der weiterführenden Schulen Iserlohns gerichtet hat. Neutral, emotionslos, Zahlen, Fakten, wissenschaftlichen Erkenntnissen und demografischen Trends verpflichtet hatte der Wissensschaftler aus Arnsberg den Iserlohner Status quo in den vergangenen Monaten analysiert, um auf dem Fundament des Vorhandenen ein neues, stabiles und zukunftsfestes Konstrukt zu errichten.

„Ich bin Pädagoge, das ist ein Synonym für Optimist. Ich hoffe daher, dass es möglich ist, jetzt einen konstruktiven Dialog einzuleiten, bei dem die Interessen der Schüler im Mittelpunkt stehen, also stabile Schulen mit zumutbaren Entfernungen und Kosten“, eröffnete Rösner am Mittwochabend seinen Vortrag vor dem Schulausschuss, an dessen Ende die Iserlohner Politiker mit der Empfehlung nach Hause gingen, sich vom Bekannten und Bewährten zu verabschieden zu Gunsten eines künftig noch zweigliedrigen Schulsystems, bestehend aus Gymnasien und Schulen des längeren gemeinsamen Lernens.

Realschule wird bald der Basisbildungsgang sein

Dass Rösner der Hauptschule keine Zukunftsperspektive einräumte, überraschte wohl keinen Zuhörer. Weshalb aber der Gutachter die in Iserlohn nach wie vor und auch in naher Zukunft noch gut funktionierenden Realschulen ab dem Schuljahr 2015/2016 für die Gründung von drei Sekundarschulen aufgeben will, erläuterte Rösner nachvollziehbarerweise sehr ausführlich in seinem 50-minütigen Vortrag. Kern der Argumentation: das politisch nicht beeinflussbare Elternwahlverhalten, die für ihre Kinder grundsätzlichen einen höheren Schulabschluss wünschen als für sich selbst, um ihrem Nachwuchs Karriereoptionen auf dem heutigen Arbeitsmarkt zu eröffnen.

Nachdem die Realschulen zwischen 2001/2002 und 2011/2012 bei den Übergängen von der Grundschule landesweit bereits ein Minus von 18,2 Prozent hinnehmen mussten, bewege sich die Schulform mit dem Ende der Hauptschule nun auf ein echtes Dilemma zu. Bisher die „goldene Mitte“ zwischen Abitur und Hauptschulabschluss werde die Realschule demnächst der Basisbildungsgang sein und damit an Attraktivität bei den Eltern verlieren, wovon insbesondere die Gymnasien, aber auch die Schulen längeren gemeinsamen Lernens profitierten. Rösner: „Das Gymnasium ist längst nicht mehr die kleine, elitäre Schule von einst, sondern eine - im positiven Sinn – Massenschule geworden. Die Übergangsquote liegt inzwischen im Land bei rund 41 Prozent.“

Seine Zugewinne habe das Gymnasium aus dem Schülerpotenzial der Realschulen gewonnen, die diese Verluste ihrerseits aber durch Zugewinne von den Hauptschulen kompensieren konnten. „Jetzt aber ist im Hauptschulbereich nichts mehr zu holen“, so der Gutachter, „woher sollen also die Schüler für die Realschule künftig generiert werden, wenn sich der Trend in Richtung der Gymnasien und der Schulen längeren gemeinsamen Lernens fortsetzt.“ Die Erkenntnis genau dieses Dilemmas verbreite sich mittlerweile auch in den Leitungen und Kollegien der Realschulen.

Ein klarer Schnitt zum Schuljahr 2015/2016

Die einzigen Optionen für die Schulen: Verharren und damit das Risiko eingehen, eine ähnliche Entwicklung zu nehmen wie die Hauptschule, oder aber die Öffnung zur neuen Organisationsform Sekundarschule. Für Rösner liegt die Iserlohner Lösung auf der Hand: Ein klarer Schnitt sollte her in Form der möglichst zeitgleichen Gründung von drei Sekundarschulen zum Schuljahr 2015/2016, um bis dahin pädagogisch fundierte Konzepte zu erarbeiten und die Eltern durch intensive Information für die Iserlohner Schulrevolution zu gewinnen.

Wie im Vorfeld der Sitzung abgestimmt enthielten sich die Schulpolitiker der Fraktionen jeder Bewertung der Vorschläge, zumal das den Aussagen zu Grunde liegende Gutachten erst nach der Sitzung verteilt wurde. Absehbar aber scheint bereits, dass die von Rösner mit dem Ziel des Erhalts eines weiterführenden Schulangebots in Hennen angeregte Teilnahme am Modellversuch Primus politisch kaum mehrheitsfähig sein dürfte. So betonte Alexandra Schroven (FDP), dass die zehn Jahrgänge unter einem Dach zusammenführende Primus-Schule wohl kaum die richtige Antwort für den Iserlohner Norden sein könne. Denn bereits heute, so die Liberale, würden bereits 75 Prozent der Kinder aus Hennen an einer Schule mit direkter Abitur-Option angemeldet, so dass die mögliche Nachfrage nach einer Primus-Schule wohl kaum ausreichen dürfte.

Oberstufen-Frage und eine lange Zeit zur Beantwortung

Den Blick in die Zukunft richtete Karsten Renford (Linke). Wenn die Rösner-Empfehlungen umgesetzt und in der Folge insgesamt 18 Züge an der Gesamt- und den drei Sekundarschulen gebildet würden, stelle sich die Frage nach der hierfür erforderlichen Oberstufen-Organisation und der räumlichen Unterbringung. Eine konkrete Antwort blieb Dr. Rösner schuldig, verwies jedoch darauf, dass Iserlohn von heute an immerhin acht Jahre Zeit habe, sich dieser Herausforderung zu stellen.

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