Konzert

Wie ein Cocktail aus Musik und Freude

Chorleite Jens Keienburg dirigiert Chor und Publikum.

Chorleite Jens Keienburg dirigiert Chor und Publikum.

Foto: Wolfgang Meutsch

Iserlohn.   Der Chor „Outta Limits“ überrascht in der Erlöserkirche sein Publikum – bunt, schillernd und nicht ganz ernst gemeint.

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Glanz und Gloria – wer diesen Titel für sein Konzert-Programm wählt, leidet bestimmt nicht an mangelndem Selbstbewusstsein … denkt man. Wenn sich auf das „o“ dann aber klammheimlich zwei kleine Pünktchen schleichen, wird daraus eine augenzwinkerndes Statement: „Glanz und GlÖria“ hat der Gospelchor „Outta Limits“ seinen Vortrag in der voll besetzten Erlöserkirche überschrieben. Schuld ist die Glörtalsperre, wo die Chorleiter Jens Keienburg und Herbert Frank das Programm zusammengestellt haben.

Mischung wirkt ungewöhnlich, geht aber voll auf

Es muss ein warmer sonniger Tag gewesen sein, perfekt für einen kühle Drink: Geschüttelt nicht gerührt, süß, erfrischend und fruchtig – ein süffiger Dreiklang aus Noten, Akkorden und Stimmen. Die Mischung der Songs wirkt auf den ersten Blick (zu) ungewöhnlich, aber der Versuch geht auf: Und so stehen Gospel-Chorweisen („The Battle of Jericho“, „Ain’t No Mountain High Enough“) neben Pop-Hits („Can’t Buy Me Love“ der „Beatles“ in einer Minnegesang-Version oder Stings „Englishman in New York“), Eigenkompositionen wie „Der Reigen“ von Annette Kelsall-Krone (Text) und Siegfried Kaemper (Komposition und Klavierbegleitung), klassischer Kirchenmusik und sogar dem „Steigerlied“ – der perfekte Cocktail!

Ohne Alkohol, dafür aber mit ganz viel Liebe zur Musik, Freude am gemeinsamen Musizieren und Können: So verschmelzen die verschiedenen Ingredienzien zum Hörgenuss und lassen Blitz, Donner und Starkregen vor den dicken Kirchenmauern vergessen. Zwischen den Stücken unterhalten Chormitglieder die Zuhörer mit launigen Moderationen: Man kennt sich, man schätzt sich – die „Outta Limits“ treffen in der Erlöserkirche auf Familie und Freunde, und so wirkt das Konzert trotz der rund 500 Zuschauer herrlich intim und unangestrengt.

Die Chorsätze wechseln sich ab mit Solo-Partien von Sängern aus den eigenen Reihen: Sabrina Weber ist eine von ihnen. Der Klang ihrer Stimme macht aus dem Altarraum eine Musical-Bühne und bei den Songs „City of My Heart“ und „Gravity“ wartet man gespannt auf eine Braut, die im langen weißen Kleid zur Trauung schreitet.

Eine besondere Überraschung: Beim Kanon von Pachelbel wird die Hauptmelodie durch Zitate aus der Pop-Musik ergänzt. So erfüllen „Streets of London“, „Let It Be“, „Go West“ von den „Pet Shop Boys“ und sogar Kylie Minogues „I Should Be So Lucky” den Albtraum vieler Musikschüler mit neuem Leben.

Songauswahl voll auf der Höhe der Zeit

Auch was die Auswahl der Songs angeht, sind die „Outta Limits“ auf der Höhe der Zeit: „City of Stars“ aus dem Film „La La Land“ erhielt 2016 den Oscar als „Bester Song“ . Von Hollywood geht es dann nach Afrika: „Baba Yetu“ singt sich das „Vater unser“ auf Kisuaheli – auch so mitreißend kann ein Gebet klingen. Natürlich ist für das begeisterte Publikum mit dem „Abendlied“ noch lange nicht Schluss – und die Sänger und Sängerinnen lassen sich auch nicht lange um eine Zugabe bitten: „Symphonie“ von „Queen“ passt perfekt zu diesem extravaganten Abend voll „Glanz und GlÖria“ : bunt, schillernd, nicht ganz ernst gemeint, doch mit ganz viele Freude an der Musik.

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