Christophery

Wie können die Altlasten beseitigt werden?

Die Bauruine Christophery an der Oberen Mühle

Foto: Michael May

Die Bauruine Christophery an der Oberen Mühle Foto: Michael May

Iserlohn.   Gutachter sollen jetzt einen detaillierten Sanierungsplan für den Christophery-Komplex an der Oberen Mühle erarbeiten.

Mit der Vergabe einer gutachterlichen Untersuchung nach europaweiter Ausschreibung ist eine weitere Etappe eingeläutet, derzeit gibt es aber wohl immer noch mehr Fragen als Antworten. Die Rede ist vom Christophery-Komplex an der Oberen Mühle. Den hat die Stadt Iserlohn 2012 erworben, um ihn gemeinsam mit dem Altlastensanierungsverband NRW (AAV) zu sanieren. Abgeschlossen ist inzwischen die Untersuchung des Geländes, die wie erwartet zum Ergebnis hatte, dass das Areal mit Altlasten durchsetzt ist.

Warum ein weiteres Gutachten, wenn doch inzwischen feststeht, welche Stoffe im Komplex verborgen sind? Geklärt werden soll laut Stadtbaurat Mike-Sebastian Janke nunmehr, wie konkret die Altlasten beseitigt werden können. Und das beinhaltet auch die spannende Fragestellung, ob und in welchen Ausmaß ein Rückbau (Abriss) von Gebäudekomplexen notwendig sein wird, um eine Sanierung überhaupt bewerkstelligen zu können. Janke betont, dass die anstehenden Untersuchungen ergebnisoffen sind. Theoretisch könnte am Ende die Antwort stehen, dass der ganze Komplex abgerissen werden muss, um eine Altlastensanierung gewährleisten zu können. Das, so betont Janke, sei aber keinesfalls das Szenario, das sich die Stadtverwaltung wünsche. Denn der Stadtbaurat ist weiterhin überzeugt davon, dass es attraktive Entwicklungsmöglichkeiten für die historischen Gebäudeteile gebe. Konsens ist es wohl, dass der Verwaltungstrakt aus den 70er Jahren abgerissen werden soll. Damit, so Janke, werde der ursprüngliche Christophery-Komplex gewissermaßen freigestellt. Das könnte dann auch ein guter Nährboden für weitere Ideen zur Nutzung sein. Er hält es nicht für zwingend erforderlich, gleich mit einem Konzept zu starten, das die Gebäude zu 100 Prozent erfasst. Es könnten auch einzelne Projekte realisiert werden, die dann weitere Perspektiven erbringen.

Für die oberen Geschosse dürften Wohnungen weiterhin eine realistische Option darstellen. Janke betont aber, dass es konkrete Überlegungen erst dann geben solle, wenn dass nun in Auftrag gegebene Gutachten auch Antworten dazu geliefert hat, was grundsätzlich möglich ist und was nicht. Ein klares Zeitfenster ist dem Gutachterbüro übrigens nicht vorgegeben worden. Dafür sei die Aufgabenstellung zu komplex. Insofern gebe es auch noch keinen belastbaren Zeitplan für die weiteren Schritte, das Jahr 2018 sollte dann aber Klarheit bringen.

Geklärt werden soll mit dem Gutachten auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Wenn es schließlich vorliegt, so Janke, sei es dann Aufgabe der Politik, zu entscheiden, wie es weiter geht. Beauftragt mit dem Gutachten wurde das Büro „Hydr.o. Geologen und Ingenieure“ aus Aachen.

Belastungen mit den unterschiedlichsten Stoffen

Diese Ergebnisse haben die bisherigen Untersuchungen geliefert: Im Untergrund des Gebäudes wurden unterschiedliche Anteile an typischen Iserlohner Auffüllungen gefunden (Schlacke, Bauschutt, Kohle, Ziegel), mit einer Mächtigkeit bis 2,10 Meter. Die Hauptverunreinigung resultiert aus einem Schaden mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW, hauptsächlich Tetrachlorethen, das zur Entfettung von Metallteilen eingesetzt wurde). Im Umfeld ehemaliger Betriebstankstellen und Tanklager wurden im Boden und im Grundwasser erhöhte Kohlenwasserstoffgehalte festgestellt (Ölverunreinigungen). Diese müssen ausgekoffert und entsorgt werden. Die Höhe der festgestellten Schadstoffkonzentrationen an LHKW und MKW (Mineralölkohlenwasserstoffe) lasse den Schluss zu, dass von ihnen eine Gefahr für die Schutzgüter Boden, Bodenluft und Grundwasser ausgeht, heißt es in einer Unterlage. Außerdem enthalten Mauerwerk und Bodenplatten entsprechend der ehemaligen Nutzung zum Teil erhebliche Mengen an BETX (Kraftstoffrückstände) LHKW und Kohlenwasserstoffen. Desweiteren findet sich Asbest in unterschiedlichen Formen.

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