Theater

Wie viele Zukünfte haben wir?

Eigentlich war die Grundkonstellation den ganzen Theaterabend über dieselbe: Eine Frau (Suzanne von Borsody) und ein Mann (Guntbert Warns) im Gespräch. Und doch war in jeder Variation wieder alles anders.

Foto: Ralf Tiemann

Eigentlich war die Grundkonstellation den ganzen Theaterabend über dieselbe: Eine Frau (Suzanne von Borsody) und ein Mann (Guntbert Warns) im Gespräch. Und doch war in jeder Variation wieder alles anders. Foto: Ralf Tiemann

Iserlohn.   Suzanne von Borsody und Guntbert Warns gelingt mit dem Stück „Konstellationen“ eine meisterhafte Tournee-Premiere im Parktheater.

Der Ton macht bekanntlich die Musik. Wie sehr Gespräche je nach Atmosphäre und Tonfall tatsächlich in ganz unterschiedliche Richtungen laufen und am Ende die eigene Zukunft und das ganze Leben beeinflussen können, konnten die Zuschauer im Parktheater am Mittwochabend sehr eindrucksvoll verfolgen. „Konstellationen“ heißt das preisgekrönte und gefeierte Theaterstück von Nick Payne, das mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns in den Hauptrollen bereits höchst erfolgreich am Berliner Renaissance-Theater gelaufen ist und nun im Parktheater seine Tournee-Premiere für die Bühnen in ganz Deutschland erlebt hat.

Haben wir eine Wahl? Oder ist alles Schicksal?

Geschildert wird die Entwicklung einer Liebesgeschichte, wobei die zentralen Begegnungen in immer neuen Konstellationen immer wieder neu durchgespielt werden und einzelne Gesprächsfetzen immer wieder aufgenommen werden – immer mit anderen Ergebnissen und mit neuen Möglichkeiten.

Ein erstes Wahrnehmen erstickt da im Keim oder eröffnet immer neue Wege aufeinander zu, aus der ersten Begegnung kann je nach Vertrautheit, Zugewandtheit, Unsicherheit oder Fremdheit in der Situation ein erstes Date ergeben oder unvermittelt abreißen. Es kann ein schöner Abend, eine gemeinsame Nacht aus ihr erwachsen oder sogar eine gemeinsame Zukunft. Aber welche Zukunft soll das sein? Wie viele verschiedene Zukünfte haben wir? Und können wir sie wählen? Haben wir wirklich irgendetwas in der Hand, können wir unser Leben steuern, nach einem freien Willen? Haben wir irgendeine Wahl? Oder ist alles schon vorgegebenes Schicksal? Oder laufen alle Wege in unendlich vielen Paralleluniversen gleichzeitig ab? Der Weg von dem Spiel mit diesen Konstellationen zu den großen Fragen nach Sinn, freiem Willen und Schicksal ist kurz.

Mit tollen Schauspielern heile durch das Wirrwarr

Nick Payne braucht noch nicht einmal 90 Minuten, um in seinem Wirrwarr aus offenen Anfängen und Enden aus Gesprächsfetzen und Stimmungslagen wirklich tief einzusteigen und dem Publikum eine Idee von seinem Universum zu geben. Suzanne von Borsody und Guntbert Warns müssen hingegen alles aufwenden, um das Publikum heil durch dieses Wirrwarr zu bringen. Da geht es Schlag auf Schlag, der sprunghafte Wechsel zwischen humorvollen, bewegenden und tiefschürfenden Szenen gelingt den beiden meisterhaft. In dem spartanischen Bühnenbild mit nur vier weißen Stühlen kommt es einzig und allein auf sie an – und auf ihren Ton, der hier mehr denn je die Musik macht.

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