Fotoszene

Wiederentdeckung eines Pioniers

Stephan Sagurna und Rainer Danne in der Ausstellung von Alfons Eggert in der Städtischen Galerie.

Stephan Sagurna und Rainer Danne in der Ausstellung von Alfons Eggert in der Städtischen Galerie.

Foto: Cornelia Merkel

Iserlohn.  Die Städtische Galerie beleuchtet mit Alfons Eggers Bildern „blinden Fleck in der Fotohistorie“.

„1972 hat Alfons Eggert Fotogeschichte geschrieben“, erklärt Bildwissenschaftler Stephan Sagurna. Der Fotohistoriker zeichnet verantwortlich für die sehenswerte Ausstellung, die heute Abend um 19.30 Uhr in der Städtischen Galerie eröffnet wird.

Der 90-jährige Schöpfer der hochästhetischen farbfotografischen Experimente wird aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen. Bis zum 3. November würdigt die Galerie mit der Ausstellung „Kombinatorische Fotografie – 1972. Apparative Kunst, Algorithmen und Abstraktion“ einen Werkkomplex der jüngeren – und fast vergessenen – Fotogeschichte.

„1972 schuf Alfons Eggert das Verfahren der Kombinatorischen Fotografie – gegenstandslos, apparategeneriert und nach mathematischen Berechnungen – mit dem er visuelle Welten in Farb- und Kreiskompositionen mittels eines eigens entwickelten Apparates auf Diafilmbelichtet hat“, erklärt Sagurna. Das Verfahren hat der kreative mathematik- und technikbegeisterte Quereinsteiger auch zum Patent angemeldet. Alfons Eggert ist Autodidakt. Der Landwirt bewirtschaftete einen Hof in Mecklenbeck bei Münster und erbte die Leidenschaft für die Fotografie von seinem Vater. In den 1960er Jahren begann er mit fotografischen und optischen Experimenten, die ihn 1972 zur Erfindung der Kombinatorischen Fotografie brachten.

Iserlohn als Keimzelleder westfälischen Fotografie

Aufgrund seiner Verdienste um die künstlerische Fotografie berief die Deutsche Gesellschaft für Photographie (DGPh) den passionierten Fotoforscher aus dem Münsterland. „Die Kombinatorische Fotografie ist ein blinder Fleck der Fotogeschichte“, erklärt Stephan Sagurna. Durch seine Bemühungen zur Wiederentdeckung dieser eigenwillig ästhetischen Werke des Alfons Eggert konnte das etwa 400 umfassende Werk vor dem Vergessen bewahrt werden.

„In den letzten Jahren gab es durchaus Interesse an meinen Fotografien aus den 70er-Jahren, einige Galerien und Museen, von Berlin bis Zürich, haben diese Bilder präsentiert – auch auf der Paris Photo, der weltgrößten Foto-Kunst-Messe im Grand Palais, waren meine Werke 2016 vertreten“, weiß Eggert zu berichten. Dass sein Kombinatorisches Werk erstmalig so umfangreich und über zwei Etagen in der Städtischen Galerie ausgestellt wird, freut sich der Künstler und Kurator gleichermaßen. Immerhin gilt Iserlohn, die Geburtsstadt des Fotopioniers Friedrich-Hundt, als Keimzelle der westfälischen Fotografie, heißt es in einer Pressemitteilung zur Ausstellung. Neben den Farb- und Kreiskombinationen Eggerts werden auch Hintergründe zum Entstehungsprozess präsentiert. Die Besucher können anhand von Original-Exponaten nachvollziehen, wie der Künstler damals gearbeitet und mit welchen Apparaten er experimentiert hat. Zu sehen sind Programmblätter mit Zahlenketten für die „Programmierung” des Kombinatorischen Apparates, ein Auszug aus der Patentschrift zum Apparat und die filmtechnischen Experimente zur exakten Farbwiedergabe auf analogem Kodak-Ektachrome-Film-Material sowie fotografischen Notizen aus dem Werkstattbuch des Erfinders und Künstlers Eggert.

Zur Ausstellung erschien ein Bildband, der exklusiv in der Städtischen Galerie Iserlohn mit einer originalen Kombinatorischen Fotografie, limitiert, nummeriert und von Alfons Eggert signiert, für 30 Euro erhältlich ist.

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