Wirtschaft

Wila – ein leuchtendes Kapitel ist beendet

Abschied auf Raten am Vödeweg: Im Juli 2016 ist die Wila-Produktion ausgezogen. Im September diesen Jahres sind Vertrieb, Marketing und Entwicklung gegangen. Ende des Jahres muss auch der Kunstverein das Haus verlassen.

Foto: Michael May

Abschied auf Raten am Vödeweg: Im Juli 2016 ist die Wila-Produktion ausgezogen. Im September diesen Jahres sind Vertrieb, Marketing und Entwicklung gegangen. Ende des Jahres muss auch der Kunstverein das Haus verlassen. Foto: Michael May

Iserlohn.   Das Unternehmen für hochwertige Lichttechnik hat seinen neuen Stammsitz in Arnsberg. Auch der Kunstverein Iserlohn muss am Vödeweg ausziehen und ist auf der Suche nach einem neuen Domizil.

Nach dem Abschied vom früheren Stammsitz am Vödeweg endet ein über Jahrzehnte leuchtendes Kapitel in Iserlohn: Die Lichttechnikfirma Wila ist komplett nach Arnsberg umgezogen. Letzter Mieter im Gebäude ist bis Jahresende der Kunstverein Iserlohn, der aktuell nach einem neuen Domizil in der Waldstadt sucht.

Zuletzt waren noch 55 Mitarbeiter der WILA Lichttechnik GmbH am Vödeweg beschäftigt – Vertrieb, Marketing, und Konstruktion. Im September wechselten diese Abteilungen an den Stammsitz der Arnsberger Lichttechnikfirma Schmitz, die – wie Wila – zur internationalen Nordeon-Gruppe gehört. Trotz der direkten Nachbarschaft in Arnsberg bleiben beide Unternehmen aber rechtlich eigenständig und getrennt, betont Wila-Marketingleiter Thomas Autering auf Nachfrage.

In der alten Heimat Iserlohn war es für den Hersteller hochwertiger, designorientierter Beleuchtung zuletzt ein Abschied auf Raten. Anfang 2016 ging Wila samt Außenstandort in Großbritannien unter das Dach der Nordeon-Gruppe (Utrecht). Hintergrund ist der harte weltweite Wettbewerb.

Die Zukunft des Gebäudes am Vödeweg ist noch offen

Im Juli 2016 wurde dann die gesamte Produktion von Iserlohn ins niedersächsische Springe verlagert – an einen Standort der Nordeon GmbH. Über 30 Jobs gingen damals am Vödeweg verloren. Weite Teile des großen – von Wila gemieteten – Gebäudes fielen leer, aber zumindest Vertrieb, Marketing und Entwicklung sollten in Iserlohn fortan gebündelt werden.

Diese Planung hielt derweil nicht lange an. So übernahm die wachsende Nordeon-Gruppe zum 1. Dezember 2016 auch die 1932 gegründete Firma Schmitz in Arnsberg. Damit „lag es aus wirtschaftlichen Gründen nahe, nach Arnsberg umzuziehen“, erklärt Thomas Autering. Das moderne Verwaltungsgebäude dort samt angegliederter Produktion und anspruchsvollem Präsentationsraum biete für Wila ideale Möglichkeiten. Unter diesem Dach befindet sich ein gemeinsames Vertriebs-, Marketing und Entwicklungszentrum mit insgesamt 110 Mitarbeitern für drei Marken – neben Wila und Schmitz auch für Nordeon.

Wie das Gebäude am Vödeweg in Iserlohn künftig genutzt wird, ist offen. Der Mietvertrag mit Wila laufe Ende 2017 aus, erklärt Autering. Eigentümer sei nicht Wila, sondern die Familie Unger. Die Unternehmerfamilie aus Menden war 1984 bei Wila eingestiegen, denn die Iserlohner Firma erlebte auch in ihrer früheren Geschichte bereits wechselvolle Zeiten.

Gründer war 1857 der Iserlohner Wilhelm von Hagen, der im Betrieb zunächst Teile aus Messingblech produzierte. Nach dem Tod des Firmengründers nannte seine Frau das Unternehmen um in „Wwe. Wilh. von Hagen“. In den folgenden Jahrzehnten gründete die Firma einen zweiten Betrieb in Meschede und wurde bis zum Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) in Deutschland führend in der Produktion von Bettbeschlägen. Auch der Export boomte.

Die Weltwirtschaftskrise von 1929 bis in die 1930er Jahre trieb viele Unternehmen jedoch in arge Existenznot. 1932 hob die Firma als Ausweg eine Abteilung für Beleuchtungskörper aus der Taufe. Mit Erfolg, denn das Unternehmen entwickelte sich in den kommenden Jahren zu einem der größten deutschen Produzenten in diesem Sektor.

Anfang der 1950er Jahre hatte das Unternehmen rund 600 Beschäftigte. Auch fortan blieb es in Familienbesitz der von Hagens. Der Firmenname wechselte 1977 in „WILA Leuchten Wwe. Wilh. von Hagen“, aber Anfang der 1980er Jahre geriet das Unternehmen abermals in Not – bis Helmuth K. Unger die Firma übernahm und sie in „WILA Leuchten GmbH“ umfirmierte. Dieses Unternehmen ging dann 2004 in Insolvenz. Dabei übernahm eine neue „WILA Lichttechnik GmbH“ die Markenrechte und richtete die geschäftliche Strategie neu aus. So ist Wila international bekannt für hochwertige Beleuchtungssysteme und zahlreiche Referenzprojekte – ob im Düsseldorfer Landtag, in der Sony-Zentrale in Berlin oder in Schiffen der Aida-Flotte.

Kunstverein verliert große Ausstellungsfläche

Am Standort Vödeweg waren zuletzt jedoch immer mehr Räume frei. Deshalb freute sich der 2009 gegründete „Kunstverein Iserlohn e.V.“ in den vergangenen Jahren über umfangreiche Präsentationsflächen im Wila-Gebäude. Für vielfältige Ausstellungen standen über 1000 Quadratmeter zur Verfügung.

Diesen Sommer gab Wila indes das Signal, dass der Standort nur noch bis Ende 2017 zur Verfügung stehe, schildert Petra Lukoschek, Pressesprecherin des Kunstvereins: „Wir sind auf der Suche nach einem neuen Domizil.“ Der Verein sei im Gespräch mit der Stadt Iserlohn und dem Kulturausschuss, „die uns sehr zugetan sind“. Aber auch die katholische Kirche sei auf den Kunstverein aktuell zugekommen.

Entscheidungen über einen künftigen Standort gibt es bislang nicht. Derweil will der Kunstverein am 2. und 3. Dezember mit einer großen Abschluss-Ausstellung ins Wila-Gebäude locken – auf mehr Fläche denn je, verheißt Petra Lukoschek.

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