Politik

„Willy-wählen“-Generation muss umdenken

Bester Laune: Michael „Mike“ Groschek (re.) und Michael Scheffler, der gerade

Foto: Wolfgang Meutsch

Bester Laune: Michael „Mike“ Groschek (re.) und Michael Scheffler, der gerade

Iserlohn.   Der SPD-Landesvorsitzende Michael Groschek machte seinen Parteifreunden in Iserlohn und im Märkischen Kreis Mut zum Wandel.

Die Tage des Michael „Mike“ Groschek als Landesvorsitzender der nordrhein-westfälischen SPD sind gezählt. Er wird sein Amt niederlegen, die Parteispitze soll jünger und weiblicher werden. „72 Tage und der Rest von heute, dann wird mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin gewählt und ich selbst werde nur noch ganz wenige – gemessen an der Vergangenheit in der SPD – Aktivitäten inne haben und übernehmen“, stellte er dann auch fest, als er am Donnerstagabend im Silbersaal der Schauburg vor rund 70 Genossinnen und Genossen sprach. „Gemeinsam anpacken – SPD erneuern“ lautete sein Thema, über das er mit Feuereifer sinnierte und fast beschwörend einen unüberhörbaren Weckruf aussandte.

Veränderung sei angesagt in der SPD, mahnte der charismatische Oberhausener. Selbst aus der „Willy-wählen“-Generation stammend, rief er den Anwesenden Brandts Zitat „Nichts kommt von selbst, und nur weniges ist von Dauer“ in Erinnerung. Vor allem aber der Satz „Jede Zeit braucht ihre eigenen Antworten“. Deshalb sei er davon überzeugt, dass personelle Erneuerung nicht der Austausch Alt gegen Jung ist, sondern etwas damit zu tun haben muss, dass die „Willi-wählen“-Generation nicht mehr allein alle Plätze besetzen dürfe.

Personelle Erneuerung ist aber nicht alles. Vier Punkte nannt Michael Groschek, an denen die Partei weiter arbeiten müsse. Das Erste sei die Frage, wofür die NRW-SPD eigentlich stehe, welche Haltung die SPD gegenüber wichtigen politischen Positionen. „Und wir müssen deutlich machen, dass SPD eben nicht beliebig ist, weder auf kommunaler noch auf Bundesebene“, sagte Groschek, der aber auch deutlich machte, dass dies ein langwieriger Prozess ist.

Politische Konsequenzenaus digitalem Dialog

Zum Zweiten solle die Digitalisierung dazu genutzt werden, damit mehr Mitglieder unabhängig von der Ortsvereinsversammlung und dem Vorstandsgremium „mitmischen können“. Und aus diesem „Mitmischen“ solle möglichst ein „Mitverantworten“ werden, damit aus dem digitalen Dialog auch eine politische Konsequenz wird. Der dritte Schwerpunkt, den Groschek nannte, werde über Wohl und Weh der Zukunft Partei entscheiden: Der Kommunalwahlkampf im Hinblick auf die kommenden Europa-, Bundestags- und Landtagswahlen. Man wolle stets das beste Teams auf Feld bringen, um am Ende als Sieger vom Platz zu gehen. „Die SPD muss das neue Liverpool werden“, rief Groschek seinen Genossen zu und erntete auch dafür viel Applaus. „Wir müssen die besten Köpfe auch da präsentieren, wo wir glauben, wir haben keine Chancen. Dann werden wir vielleicht an der ein oder anderen Stelle ein Wunder erleben.“

Schließlich müsse die Partei über die eigene Organisation nachdenken. „Wir müssen über die richtige regionale Aufteilung reden und was die Funktionen sind. Wir dürfen auf die regionale Ebene auf keinen Fall verzichten“, sagte Michael Groschek. Denn die Partei brauche eine Struktur, die im Land „regional Auffangbecken sein kann, kanalisieren und strukturieren kann, Talentwettbewerb und Förderung organisiert.“ Deshalb müssten in der Partei die Regionen gestärkt und nicht abgeschafft werden. Gleichzeitig stellt der scheidende Landesvorsitzende die Frage, ob es nicht doch sinnvoll sei, eine Mandatsbegrenzung zu übernehmen, auch im Sinn der Verjüngung der Partei, und darüber nachzudenken, ob nicht auch Mandate „viel häufiger Mandate auf Zeit“ werden müssten. Das schaffe auch Platz für soziale Vielfalt, weil es dann „den Politbeamten abschafft“.

SPD muss kommunikativsein und nicht geschwätzig

Am Ende seines flammenden Vortrags mahnte Michael Groschek: Die SPD müsse sich impfen lassen gegen die Seuche, kommunikativ zu verwechseln mit geschwätzig. „Wenn wird kommunikativ sind, halten wir uns auf dem Laufenden. Wenn wir aber geschwätzig sind, schüren wir Gerüchte und Neid untereinander.“ Damit spiele die Partei nur denen in die Hände, die ihre Freude daran hätten, wenn die Genossen das Spiel „Wir gegen uns selbst“ spielen. „Dieses Spiel sollten wir mal ein paar Jahre nicht spielen, dann geht’s der SPD auch viel besser als in der Vergangenheit.“

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