Kultur

„Wir machen Filme aus Leidenschaft“

Hauptdarsteller Christian Kern (li.), außerdem verantwortlich für Regie und Schnitt in Iserlohn im Gespräch.

Foto: Emily Karacic

Hauptdarsteller Christian Kern (li.), außerdem verantwortlich für Regie und Schnitt in Iserlohn im Gespräch. Foto: Emily Karacic

Iserlohn.   Iserlohner präsentiert „Faust“, die Geschichte um einen jungen Agenten des BND, im Filmpalast.

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„Gibt es einen neuen Bond, hab ich was verpasst?“, fragte ein junger Mann seine Begleiterin. Sein Blick fällt auf einen nagelneuen SUV, der ordentlich PS unter der Haube hat und den gehobenen Ansprüchen von 007 entsprechen dürfte. Mitnichten, der schicke Flitzer ist Teil des Agententhrillers „Faust – Im Schatten der Nation“, der am vergangenen Freitag im Filmpalast Iserlohn im Rahmen einer Gala zu sehen war. Aber nicht nur das Auto, auch die Aufsteller im Foyer des Kinos und das gesamte Ambiente wirkten wie aus einem Guss.

„Das ist keine Selbstverständlichkeit“, wie Hauptdarsteller Christian Kern, außerdem verantwortlich für Regie und Schnitt, zu berichten wusste. „Hinter der Produktion des Films steckt keine große Firma mit sattem Budget.“ Faust sei vielmehr das gemeinsame Werk einiger Filmenthusiasten, die seit 2009 zusammenarbeiten und 2017 den Verein „Wir sind Film“ gründeten.

Weitere Dreharbeiten in Iserlohn und Umgebung

Einer davon ist Martin Staedtler. Der Iserlohner lernte Christian Kern als Arbeitskollegen in der Sicherheitsbranche in Nürnberg kennen, und Staedtler war es, der Faust in die Waldstadt holte. „Wir arbeiten an einer Fortsetzung des Projekts und möchten Szenen in der Umgebung von Iserlohn und Fröndenberg drehen, einige mögliche Orte haben wir uns bereits angeschaut.“

Die Dreharbeiten im Sauerland sollen 2019 beginnen, Anwärter für Nebenrollen konnten sich im Rahmen eines Castings vor Filmbeginn der Kamera präsentieren. „So wie hier in Iserlohn haben wir das noch nie gemacht, normalerweise casten wir unsere Darsteller über Facebook, eigene Netzwerke oder entsprechende Portale im Internet“, berichtete Kern.

Fünf Teilnehmerinnen wagten diesen Schritt. So Birgit Büchner (52) aus Hemer, eine der Gewinnerinnen der Kartenverlosung der Heimatzeitung. Sie habe spontan mitgemacht. „Das Casting bestand aus einem lockeren Gespräch mit Christian Kern“, sollte etwas daraus werden, dann freue sie sich.

Fast schon professionell war der Auftritt von Antonia Schmidt (18). Die angehende Abiturientin sammelte bereits Theatererfahrungen an einer High School in den USA, für ihren Auftritt hatte sie einen kurzen Monolog vorbereitet. Ein Casting habe sie noch nicht absolviert, kamerascheu sei sie trotzdem nicht, „denn ich stehe bereits seit zwölf Jahren auf der Bühne“. Mit „Bühne“ meint sie die Jugendgruppe der „Tanzwelt Schauburg“ um Lehrerin Sandra Köhn. Sechs junge Frauen und ein junger Mann begeisterten die rund 40 Zuschauer mit einer feurigen Choreographie zum Titel-Song von Faust. „Die Gruppe hat den Auftritt praktisch im Alleingang geplant“, sagte Köhn, „und das in nur drei Trainingseinheiten“. Man habe momentan viel zu tun, sei oft auf Wettbewerben unterwegs, „aber Kino ist etwas Neues, das wollten wir uns nicht entgehen lassen“.

Kinosaal war nur spärlich gefüllt mit 40 Zuschauern

Fünf Teilnehmerinnen beim Casting, der Kinosaal mit 40 Zuschauern spärlich gefüllt – hat sich der Aufwand für die Organisatoren gelohnt? „Auf jeden Fall“, sagte Staedtler, „wir machen Filme aus Leidenschaft, nicht fürs große Geld“. Dem überwiegenden Teil des Publikums gefiel Faust, die Geschichte um einen jungen Agenten des BND, der bei seinen Vorgesetzten in Ungnade fällt.

Einer Zuschauerin missfiel „die anfangs etwas wirre Handlung“ und „das wie abgelesen wirkende Sprechen“ einiger Darsteller. Manuel Heller (42) aus Iserlohn lobte dagegen den „Schnitt, die Musik und die Kamerafahrten – alles hochprofessionell“. Auch Mareike Vetsch (42), die eigens aus der Schweiz angereist war, zeigte sich begeistert und räumte ein: „Schade, dass nur so wenig Leute da waren.“

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