Neujahrsempfang

„Wir möchten raus aus der Postkutschenzeit“

Neujahrsempfang im Saal von Dröge-Adria: Prof. Werner Beile (v.li.), Ulrich Thiele, Stefan Woelk, Michael Maiwald und Vizebürgermeister Thorsten Schick.

Foto: Max Winkler

Neujahrsempfang im Saal von Dröge-Adria: Prof. Werner Beile (v.li.), Ulrich Thiele, Stefan Woelk, Michael Maiwald und Vizebürgermeister Thorsten Schick. Foto: Max Winkler

Leckingsen.  Die Bahnunterführung ist bestimmendes Thema beim Neujahrsempfang der Vereinsgemeinschaft Kalthof-Leckingsen-Refflingsen.

Es hätte bestimmt nicht der Hilfe eines Wahrsagers bedurft, um zu erahnen, dass der geplante Neubau der Eisenbahnunterführung Leckingser Straße das brisanteste Thema beim Neujahrsempfang der Vereinsgemeinschaft Kalthof-Leckingsen-Refflingsen am Sonntag im gut besuchten Saal von Dröge-Adria werden würde. Mit im Ergebnis sachlichen Wortbeiträgen von Michael Maiwald, 1. Vorsitzender der Vereinsgemeinschaft, Vizebürgermeister Thorsten Schick (CDU) und dem Kalthofer Unternehmer Ulrich Thiele driftete die Diskussion aber keinesfalls in eine deftig-aufgeheizte Atmosphäre à la Politischer Aschermittwoch ab.

Ulrich Thieles Winkmit der Gewerbesteuer

Ulrich Thieles Redebeitrag endete mit diesen Worten: „Wir möchten raus aus der Postkutschenzeit und wünschen uns eine moderne, zeitgemäße Lösung.“ Thiele sagte, dass sein Unternehmen in den letzten zehn Jahren einen ordentlichen zweistelligen Millionenbetrag an Gewerbesteuer an die Stadt Iserlohn gezahlt habe. Und diese Summe sei von seinen Mitarbeitern erwirtschaftet worden. Und auch diese Mitarbeiter hätten den Anspruch, dass ihre Kinder einen sicheren Schulweg in Kalthof haben. Bei der derzeitigen beengten Situation an der Unterführung stelle sich immer wieder die Frage, warum da noch nicht mehr schwere Unfälle passiert seien. Der Unternehmer, der auch einfließen ließ, dass die Stadt Iserlohn 2018 rund zehn Millionen Euro mehr an Landesmitteln zur Verfügung haben werde, forderte einen runden Tisch mit allen Beteiligten, um doch noch eine den Kalthofer Interessen gerecht werdende Neubau-Lösung zu finden.

Diesen Faden griff Vizebürgermeister Thorsten Schick auf. Auch er hielt einen runden Tisch für dringend angebracht – auch vor dem Hintergrund des komplizierten Dreiecksverhältnisses zwischen den Kalthofer Bürgern, der Deutschen Bahn und der Stadtverwaltung irgendwo dazwischen. Die Verwaltung, so Schick, habe durch intensive Kontakte zur Bahn einige Verbesserungen im Vergleich zur Ursprungsplanung erreicht. „Aber auch für mich bleiben da noch offene Fragen. Und deshalb ist es nun wichtig, alle Beteiligten zu Gesprächen zusammenzubringen“, sagte Schick. Und wenn solche Gespräche ernsthaft sein sollten, dürften die Ergebnisse nicht schon vorher feststehen. Die Verwaltung, so der Vizebürgermeister, habe bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert, und auch die Bahn werde man – notfalls mit Nachdruck – an den Tisch bringen.

Michael Maiwald bedauerte, dass Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens nicht persönlich beim Neujahrsempfang Rede und Antwort gestanden habe. Bei einem Gespräch mit der Heimatzeitung am Rande des Neujahrsempfangs sagte Maiwald, dass die Vereinsgemeinschaft beim Thema Eisenbahnunterführung „weiter Druck machen“ wolle. Er erinnerte daran, dass die Bauphase ja einer Art Dorfspaltung gleichkomme. Maiwald, und seiner Einschätzung nach auch viele Kalthofer, favorisieren daher, dass erst eine separate Fußgängerröhre gebaut werden sollte, bevor dann der eigentliche Neubau der Eisenbahnunterführung erfolgt. Das würde Provisorien überflüssig machen und am Ende auch mehr Raum für die Leckingser Straße schaffen.

Weitgehend zufrieden äußerte sich Maiwald in Sachen Osterfeuer. Vizebürgermeister Thorsten Schick konnte hier berichten, dass sich alles auf einem guten Weg befinde und das Osterfeuer erneut auf der Wiese an der Straße „Am Glockenturm“ stattfinden könne. Maiwald hat inzwischen für diesen Standort auch eine große Akzeptanz in der Kalthofer Bevölkerung ausgemacht, so auch beim Neujahrsempfang.

Dorfplatz im Sommer zumindest sauber

Das dritte „Problemthema“ war nach Auffassung der Kalthofer der schleppende Fortgang bei der Sanierung des Dorfplatzes. Auch Vizebürgermeister Thorsten Schick sagte, dass der derzeitige Zustand nicht hinnehmbar sei. Er versprach, dass, sobald es die Witterung erlaube, eine umfassende Pflegeaktion durch die Stadtbetriebe erfolgen werde. Dann sei der Platz im bevorstehenden Sommer zumindest schon einmal sauber. Danach würden dann die investiven Schritte (Bänke, Spielgeräte, etc.) folgen. Das sei aber eben nicht kurzfristig möglich. Schick sprach seinerseits auch die hausärztliche Versorgung an. Die, so Schick, müsse letztlich in allen Iserlohner Stadtteilen gewährt bleiben.

IGW-Projekt: Fortschrittebeim Thema Tagespflege

Das Vergnügen, nicht zu einem „Problemthema“ vortragen zu müssen, hatte IGW-Geschäftsführer Olaf Pestl. Er machte durchaus Hoffnung, dass der Aufsichtsrat der IGW auf seiner kommenden Sitzung einen Grundsatzbeschluss zur Realisierung des Projekts „Service-Wohnen in Kalthof“ an der Refflingser Straße fassen könnte. Pestl verschwieg aber nicht, dass die stark gestiegenen Baupreise die Kalkulationen nicht einfacher machen würden – trotz weiterhin niedriger Zinsen. Vor diesem Hintergrund sagte Pestl, dass er weiterhin noch keine Angaben zu möglichen Mietpreisen machen könne. Fortschritte konnte Pestl beim Thema „Tagespflege“ für die Bewohner vermelden. Hier gebe es gute Gespräche mit einem Anbieter. Im Quartier groß werden und im Quartier alt werden können, nannte Olaf Pestl als Grundgedanken des Projektes. Auch würden Räumlichkeiten für eine Arztpraxis geschaffen. „Den Arzt kann ich aber nicht mitbringen“, sagte Pestl. Aber diesbezüglich kündigte Schick ja auch Bemühungen der Stadt an. Ende 2020, so Pestl abschließend, wäre eine Fertigstellung des Projektes möglich, welches Gemeinschaftsräume sowie eine Kindertagesstätte (AWO) beinhaltet.

Abschließend noch ein an Lob an die junge Mia Hohmann. Sie setzte mit klassischer Flötenmusik einen durchaus anspruchsvollen musikalischen Akzent beim Empfang.

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