Historisches

Wissenswertes von Freiligrath bis Wallraff

Beim Tag der offenen Tür im Stadtarchiv begrüßten Ressortleiter Jochen Köhnke

Beim Tag der offenen Tür im Stadtarchiv begrüßten Ressortleiter Jochen Köhnke

Foto: Emily Karacic

Iserlohn.   Der Tag der offenen Tür im Stadtarchiv vermittelte interessante Einblicke ins „Gedächtnis der Stadt“.

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Spannende Einblicke in das „Gedächtnis“ Iserlohns haben Rico Quaschny und sein Team beim Tag der offenen Tür im Stadtarchiv vermittelt. Sie reichten von der Ausstellung und einem Vortrag Dr. Walter Wehners zu Ferdinand Freiligrath bis zu Recherche-Ergebnissen des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff zu den Kettenwerken Thiele, die er 1968 im Buch „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“ publizierte. Der damalige Skandal um den geschassten Betriebsrat und andere Wallraff-Berichte sorgten für Diskussionen bei Besuchern, unter denen zwei ehemalige Thiele-Mitarbeiter waren.

Repräsentativstes Gebäude der Stadt beherbergt Archiv

„Das Archiv-Leben wird in unserer Stadt etwas stiefmütterlich wahrgenommen“, befand Jochen Köhnke, Leiter des Ressorts Kultur, Migration und Teilhabe. Und das, obwohl es seit 2003 in einem der repräsentativsten Gebäude der Stadt untergebracht ist, der Alten Post. Köhnke lobte die Arbeit des haupt- und ehrenamtlichen Teams, das den Bürgern das Archivgut mit solchen und ähnlichen Veranstaltungen zugänglich macht. Von der beeindruckenden Menge und Vielfalt auf 2,5 Regal-Kilometern konnten sich die Gäste, darunter auch Mitglieder des Kulturausschusses, überzeugen.

„Die Vorträge von Dr. Walter Wehner und Archivleiter Rico Quaschny waren eine gute Möglichkeit, Archivwissen in die interessierte Öffentlichkeit zu tragen.“ Köhnke lobte den Literaturwissenschaftler und Autor, das er seine Expertise auch als sachkundiger Bürger in politische Gremien wie den Kulturausschuss einbringt.

In seinem Vortrag über den Dichter und Demokraten Ferdinand Freiligrath und seine freundschaftlichen und verwandtschaftlichen Verbindungen nach Iserlohn verwies Wehner darauf, dass Iserlohn seit 1928 – 80 Jahre nach der 1848er-Revolution – eine Freiligrathstraße hat: „Sie erinnert uns an einen bedeutenden Dichter und stellvertretend an die vielen Frauen und Männer, die sich für Freiheit, Solidarität und Demokratie einsetzten.“ Wegen seiner politischen Gedichte galt der bekannteste Autor des 19. Jahrhunderts, der auch mit Karl Marx befreundet war, als „Trompeter der Revolution“. Die DDR-Kulturpolitik zählte ihn zu den Vorläufern der sozialistischen Literatur. Wehner beleuchtete die öffentliche Auseinandersetzung wegen seiner Revolutionsgedichte, die zu Anfeindungen, Drohungen und juristischen Auseinandersetzungen führten. In einem Hochverratsprozess wurde Freiligrath freigesprochen. Nach jahrzehntelangem Exil in London ermöglichte eine Geldsammlung durch seinen Freund und Iserlohner Emil Rittershaus seine Rückkehr nach Iserlohn, führte Wehner aus. „Um Gesamtwerk und seine Gedichte kümmerte sich Anfang des 20. Jahrhunderts besonders der Iserlohner Stadtarchivar“, führte Dr. Wehner aus. Freiligraths Werke seien heute aber weitgehend vergessen, weiß der Literaturwissenschaftler, obwohl seine Werke auf dem Buchmarkt bis in die Gegenwart präsent seien.

Archivleiter Rico Quaschny stellte die Bestände der ältesten Kultureinrichtung unserer Stadt in einem Vortrag und bei einer Führung vor: „Neben Arnsberg und Siegen haben wir das größte Archiv der Region. Das jüngste Dokument ist die Zeitung von gestern, das älteste ist eine Urkunde aus dem Jahr 1336.“

Neben dem kommunalen Archivgut und Sonderbeständen mit Personenstandsregistern und Nachlässen aus Firmen, Unterlagen von Vereinen, Organisationen und Verbänden verfügt es über heimische Zeitungen, wie den Iserlohner Kreisanzeiger ab 1842. Hinzu kommen Karten, Pläne, Plakate und Flugblätter sowie Fotos, Filme, Bücher und alte Postkarten. Quaschny ermunterte die Bevölkerung, zur Erweiterung der Archivbestände Unterlagen, Fotografien, Postkarten, Poesiealben, Briefe, Tagebücher, Speisekarten von Traditionslokalen und andere Werbemittel mit Bezug zu Iserlohn zur Verfügung zu stellen. „Wir nehmen aber nicht alles, sondern bewerten, was erhalten bleiben soll“, stellte der Leiter des Stadtarchivs klar. „Dann werden sie in säurefreien Mappen archiviert und bei Beschädigungen instand gesetzt.“

Demokratie und Bürgerrechte: Proteste gegen Bergbau

Anlässlich des Tagesthemas „Demokratie und Bürgerrechte“ zeigte Quaschny Protestschriften gegen den Iserlohner Bergbau aus dem Jahr 1872 und Veröffentlichungen zur 1848er-Revolution. Ehrenamtliche boten ein Fotoquiz an zu namhaften Iserlohnern. Anhand von historischen Fotos kamen sie mit älteren Semestern ins Gespräch über Iserlohn damals und heute.

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