Konzert

Wo kommt das nur alles her?

Philip und Laetitia Hahn heben ab – und haben offensichtlich jede Menge Spaß dabei.

Philip und Laetitia Hahn heben ab – und haben offensichtlich jede Menge Spaß dabei.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Auch wenn sie es selbst nicht gerne hören: Laetitia und Philip Hahn sind echte Wunderkinder. Am 3. März treten sie in der Johanneskirche auf.

Wo das alles herkommt, weiß niemand. Am wenigsten die Eltern, die so etwas nie erwartet oder angestrebt haben und die von dem unglaublichen Talent ihrer Tochter wie vom Blitz getroffen wurden. Laetitia war da zwei Jahre alt. Ihre Mutter Annette Hahn hatte damals ein altes und nicht sonderlich gutes Klavier geerbt. Sie selbst konnte noch zwei, drei Stücke aus Kindertagen spielen.

Dann hat sich ihre Tochter dran gesetzt – und hat einfach gespielt. Mit zwei Jahren, richtige Musik, auf Anhieb. „Wir waren vollkommen geflasht“, sagt Annette Hahn. Und das, obwohl auch vorher schon klar war, dass die kleine Laetitia etwas anders ist als andere Kleinkinder. Mit acht Wochen hat sie gesprochen, mit einem Jahr hat sie mit ihrer Mutter, die selbst Philosophin ist, darüber nachgedacht, wohin das Wasser fließt, wenn es im Ausguss verschwindet, wohin wir gehen, wenn wir sterben, und was das Leben überhaupt will und soll.

Mit vier in die Schule und vier Klassen übersprungen

Die Hochbegabung setzte sich rasant fort. Mit vier wurde sie eingeschult und hat danach in schneller Folge vier Schulklassen übersprungen. Es ist unglaublich. Noch unglaublicher ist aber ihre musikalische Begabung. Sie kann es einfach – Klavier und Geige schon als kleines Kind auf allerhöchstem Niveau. „Wir haben keine Ahnung, woher sie das hat“, sagt die Mutter über sich und ihren Mann, der als Unternehmensberater tätig ist.

Inzwischen ist Laetitia 15 Jahre alt und – das ist nicht übertrieben – eine gestandene Pianistin, die auf der ganzen Welt konzertiert. Sogar neben Lang Lang hat sie schon auf der Bühne am Flügel gesessen. Man spricht in solchen Fällen gemeinhin von einem Wunderkind.

Laetitia findet diesen Ausdruck aber ganz abscheulich. „Ich bin doch kein Wunderkind“, sagt sie bei unserem Gespräch im Wichelhovenhaus. „Wie hört sich das denn an?“ Eigentlich eine sehr normale Reaktion, die wohl jeder andere Teenager auch von sich gegeben hätte. Auch ihre Begeisterung für vegane Küche oder härtere Rockmusik teilen sicherlich viele Jugendliche.

Ganz normal also. Wäre da nicht diese wundersame Begabung. Nach den ersten Akkorden auf dem Klavier ging es bei Laetitia rasend schnell. Mit vier Jahren hatte sie ihren ersten Auftritt, mit acht Jahren gab sie ihr erstes einstündiges Solokonzert – am Klavier und an der Geige wohl gemerkt. Geige spielt sie aber mittlerweile nicht mehr. Mit acht Jahren nahm sie parallel zur Schule auch ihr Jungstudium auf. Mit zwölf Jahren ging sie dann ins ordentliche Studium im Fach Klavier. Sie studiert inzwischen auch Komposition, konzertiert weltweit, steht bei Kawai unter Vertrag und ist nach mehreren TV-Auftritten auch eine Fernseh-Berühmtheit.

Kein Wunder, dass sich das ganze Familienleben nur noch um die Karriere der 15-Jährigen dreht und die Düsseldorfer Familie sogar mehrmals umgezogen ist, um ihr den Weg zu ebnen. Für die Eltern ist der Erfolg der Tochter fast ein Full-Time-Job geworden. Zumal sie wirklich alles selbst regeln und eine derartige Hochbegabung in Deutschland, wie sie scharf kritisieren, offensichtlich nicht vorgesehen ist. Gut gefördert werde Laetitia von staatlicher Seite jedenfalls nicht, stattdessen mussten die Eltern für jede Schulbefreiung betteln und hart kämpfen, wie sie sagen. Aus den beiden Nicht-Klassik-Hörern, die mit Musik eigentlich gar nichts am Hut hatten, hat die Begabung der Tochter aber inzwischen Musikmanager und Klaviermusikexperten erster Güte gemacht.

Nur gut, dass Laetitias neunjähriger Bruder ihr offensichtlich in nichts nachsteht. Oder sollte er sie sogar noch überflügeln? Den familieninternen Wettkampf, wer zuerst zu sprechen beginnt, hat er jedenfalls mit siebeneinhalb Wochen schon für sich entschieden. Und mit anderthalb Jahren hat es auch ihn schon ans Klavier gedrängt, wo er sich alleine das erste Bach-Präludium beigebracht hat. Wie der kleine Mann das bewerkstelligt hat? Auch das ist der Mutter nach wie vor schleierhaft.

Und Philip tritt weiter in Laetitias Fußstapfen. Auch er ist schon Jungstudent, kann bereits auf Preise und Konzerte verweisen und war mit seiner Schwester Haupt­attraktion in mehreren Ausgaben von Stefan Raabs „TV Total“. Er übt etwa fünf Stunden am Tag, liest gern und viel, interessiert sich für Medizin, Astronomie und griechische Sagen und fährt Ski. Und er schläft, wie die Eltern sagen, nur zwei Stunden am Tag. Mehr braucht er zum Glück nicht, wie sollte er auch sonst all das schaffen? Einfach unglaublich.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben