Traditionsgaststätte

Wolters: Eine Ära geht zu Ende

13 Jahre lang hat Wirtin Anne Wriedt die Wolters-Familientradition in der Gaststätte an der Friedrichstraße aufrecht erhalten, am Montag übergibt sie an einen Pächter.

13 Jahre lang hat Wirtin Anne Wriedt die Wolters-Familientradition in der Gaststätte an der Friedrichstraße aufrecht erhalten, am Montag übergibt sie an einen Pächter.

Foto: Michael May

Iserlohn.   Die Enkelin des Gründers hofft durch einen Pächter aber auf Erhalt der Gaststätte.

Die Gaststätte Wolters an der Friedrichstraße/Ecke Hohler Weg ist so etwas wie eine Institution in Iserlohn. Die letzten 13 Jahre hat Anne Wriedt, Tochter des legendären Hans Wolters, die Tradition des Hauses am Leben gehalten, nun aber möchte die 67-Jährige aufhören. Bereits am Montag übergibt sie die Gaststätte an einen Nachfolger, Dirk Lagemann aus Castrop-Rauxel. Er hat die Räumlichkeiten von Anne Wriedt gepachtet.

Die Wirtin hatte auch einen Kaufinteressenten für das ganze Haus. „Dessen Nutzungskonzept sah aber keine Gaststätte mehr vor“, berichtet Anne Wriedt. Deshalb konnte sie einen Verkauf nicht übers Herz bringen. Die vielen Stammgäste, Stammtische und Vereine hätten dann ja ein Stück Heimat verloren, sagt sie.

1948 kaufte ihr Großvater Johannes Wolters das Haus, um darin eine Gaststätte zu eröffnen – mit Erfolg. Anne Wriedts Vater Hans Wolters führte später die Traditionsgaststätte weiter, 1980, als er im Alter von 60 Jahren starb, übernahm ihre Mutter Grete die Hoheit am Tresen. Als die sich zurückzog – damals stattete sogar das Fernsehen einen Besuch ab – wurde die Gaststätte verpachtet, für einige Jahre auch an das bekannte Wirte-ehepaar Wolfgang und Gerda Koch. Dann entschloss sich Anne Wriedt aber, die Familientradition wieder aufleben zu lassen – in dritter Generation. Ursprünglich dachte sie an wenige Jahre, am Ende sind es dann aber 13 geworden.

Altdeutscher Gastronomie eine Chance geben

„Ich wollte, dass nochmal jemand eine Chance bekommt, die Traditionsgaststätte weiter zu führen“, begründet Anne Wriedt ihren Entschluss, zu verpachten. Denn in Iserlohn gebe es ja nur noch ganz wenige Traditionsgaststätten wie Friesendorf oder das Klöneck. Wriedt hofft, dass die typisch „altdeutsche Gastronomie“, wie sie bei Wolters über Jahrzehnte gepflegt worden sei, noch weiter lebt. Schnitzel und Frikadellen gehören mit zu den Wolters-Klassikern. „Frikadellen haben sich die Leute sogar für zuhause abgeholt“. Bis zuletzt hat ihr Koch Josef Hellfeier in der Küche geholfen.

Stammpublikum - darunter viele Ältere – hat Anne Wriedt aus ganz Iserlohn, viele kommen auch zum Knobeln. Wenn sie die Gaststätte aufschließt, stehen die schon vor der Tür. Und die Wirtin musste nicht selten mit knobeln. Beliebt war es auch, bei „Wolters“ sportliche Ereignisse im Fernsehen zu verfolgen. Und neben der Gaststube gibt es auch noch einen geräumigen Raum mit eigenem Tresen. Feiern, Vereinsstammtische und Versammlungen haben da immer einen Platz gefunden. Auch das soll fortgeführt werden.

Wenn Anne Wriedt am Montag die bis zuletzt gut besuchte Gaststätte übergibt, wird sie aber noch nicht endgültig gehen. Bis Ostern möchte sie den Pächter bei der Arbeit unterstützen, um einen reibungslosen Übergang zu erreichen. Und im Sommer wird sie vermutlich auch Iserlohn verlassen, Anne Wriedt hat eine Wohnung in Hohenlimburg unterhalb des Schlosses. Das Haus an der Iserlohner Friedrichstraße soll aber vorerst in ihrem Eigentum bleiben.

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