„Charly“-Kipper-Film

Zu berichten, nahm ihm die Last

Ein Vier-Generationen-Publikum sah die Premiere am Sonntag im großen Saal 1 des „filmpalasts“.Foto:Michael

Ein Vier-Generationen-Publikum sah die Premiere am Sonntag im großen Saal 1 des „filmpalasts“.Foto:Michael

Foto: IKZ/Michael May

Iserlohn.   Beeindruckte und bewegte Zuschauer erlebten am Sonntag die Premiere des Films „Carl-Heinz Kipper -13 Jahre in Angst“, in dem der im Januar verstorbene Iserlohner jüdischer Herkunft seine Geschichte erzählt. Auch ein Stück Iserlohner Stadtgeschichte.

„Helft alle mit, dass so etwas nie wieder passiert!“ Der Appell von Carl-Heinz „Charly“ Kipper im Film „Carl-Heinz Kipper -13 Jahre in Angst“, der gestern vor rund 300 Zuschauern im „filmpalast“ Premiere hatte, geht unter die Haut. Kipper, der bis zu seinem plötzlichen Tod im Januar der einzige noch lebende Iserlohner Zeitzeuge jüdischer Herkunft der Nazi-Diktatur war, blickt in diesem Moment seine Zuschauer direkt an, wodurch diese Worte an Eindringlichkeit noch gewinnen.

Ein einfühlsames Porträt eines besonderen Menschen

Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens hatte vor der Vorführung des einfühlsam und professionell und von der Iserlohner „Camalot Media Werbeagentur“ produzierten Kipper-Porträts daran erinnert, dass der Sohn einer jüdischen Mutter seine Zeit und Energie in den vergangenen Jahren hauptsächlich in die Kooperation mit Schulen gesteckt hatte, um jungen Menschen zu erzählen, welche fürchterlichen Jahre er durchleben musste, als er selbst noch ein Kind war. Aus diesem Engagement heraus war im Sommer 2013 im Rathaus-Ressort Generationen und Bildung die Idee entstanden, diese Arbeit filmisch zu begleiten. „Diesen Wunsch hatte Charly Kipper in den Jahren zuvor immer abgelehnt - mit Hinweis auf seine jungen Jahre“, so Bürgermeister Ahrens. Für den 24. Februar dieses Jahres hätte man sich noch verabredet, um gemeinsam einen ersten Blick auf den Film zu werfen. Nur einen Monat vorher starb Carl-Heinz Kipper.

In seinem Film sagt Kipper, dass er dankbar sei, aus diesem dunklen Kapitel seines Lebens erzählen zu können, von diesen Ängsten, die man sich kaum vorstellen könne. Durch das Erzählen ginge es ihm besser: „Es kommt aus meinem Kopf heraus.“

So lässt Kipper den Zuschauer auf eindringliche Weise seine Geschichte erfahren und erzählt, wie er als Klassenbester erst beliebt bei seinen vielen Freunden gewesen sei. „Ich kam mir damals groß vor“, so Kipper. Was sich aber von einem Tag zum nächsten änderte. „Plötzlich war alles vorbei, niemand wollte mehr mit mir reden oder spielen, weil ich Jude war. Dabei wusste ich gar nicht, was Juden sind.“

Mit fester Stimme beschreibt er dann die schmerzlichen Momente, als seine jüdische Mutter abgeholt wurde und nach Theresienstadt ins KZ kam. Als er von seiner Schwester getrennt wurde und mit Tante Anne, eine fromme katholische Frau, eine zweite Mutter fand. Er erinnert sich an die Pogromnacht, als die Iserlohner Synagoge brannte, niemand löschte und Schaufenster jüdischer Geschäfte eingeworfen wurden. An die Zeit als Zwangsarbeiter in Fulda und schließlich an die Rückkehr seiner Mutter, die ihre Tochter nach der Trennung nie wiedergesehen hatte. „Margret war physisch und psychisch zugrunde gegangen“, so Kipper. Von den 64 jüdischen Familienangehörigen seiner Mutter haben nur sechs überlebt.

„13 Jahre meines Lebens waren grausam, und es muss in die Köpfe der Menschen, dass so etwas nie wieder passiert“, sagt Carl-Heinz Kipper am Ende des rund 15-minütigen Dokumentarfilms.

Die Arbeit, die er begonnen hat, so Bürgermeister Dr. Peter Paul Ahrens, solle weitergeführt werden: „Uns in Iserlohn liegt viel daran, den nachwachsenden Generationen ein umfassendes Bild auch über die dunkle Seite unserer Stadt zu vermitteln.“

Und der Film „Carl-Heinz Kipper - 13 Jahre in Angst“ werde hierzu ein wichtiger Beitrag sein.

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