Deutsche Bahn

Zugführer krank, Bahnsteig bleibt blank

Auf dieser Laufband-Anzeige wird auf die Zugausfälle aufmerksam gemacht.

Foto: Stefan Drees

Auf dieser Laufband-Anzeige wird auf die Zugausfälle aufmerksam gemacht. Foto: Stefan Drees

Iserlohn.  Auf der Strecke nach Dortmund gibt es bis zum 7. Januar zwischen Iserlohn und Schwerte nur „Schienenersatzverkehr“.

Wer dieser Tage vom Iserlohner Stadtbahnhof mit dem Zug nach Dortmund fahren möchte, staunt nicht schlecht. Denn bis einschließlich 7. Januar fahren zwischen Iserlohn und Schwerte keine Züge der Regionalbahn 53. Auf diesem Streckenabschnitt ist ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet, erst ab Schwerte geht es dann wieder weiter mit dem gewohnten Zug Richtung Dortmund. Schienenersatzverkehr ist ja grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, die Begründung der Deutschen Bahn im aktuellen Fall aber schon: ein außergewöhnlich hoher Krankenstand bei den Triebwagenführern im Sauerlandnetz!

Von Iserlohn nachLos Angeles

Gestern Vormittag am Stadtbahnhof. Fahrgäste, die wir auf Situation ansprechen, berichten, dass sie erst am Bahnsteig davon erfahren hätten, dass die Züge nicht fahren. Durchaus mit Folgen. So für Joachim Genrich aus Los Angeles. Er hatte über Weihnachten seine Mutter in Iserlohn besucht. Den ersten Ersatzbus nach Schwerte hatte er verpasst, weil auf dem Monitor am Haupteingang des Stadtbahnhofes noch der Eindruck erweckt wurde, dass die Züge planmäßig verkehren. Die Folge: Genrich war in großer Sorge, dass er den Bus von Dortmund zum Flughafen Köln-Bonn, den er gebucht hatte, verpassen würde. Von Köln aus sollte es mit dem Flieger nach München gehen, von da aus dann weiter Richtung Los Angeles. Auch Brigitte und Andreas Kustemann aus Dresden fiel es schwer, der Sache mit Humor zu begegnen. Das Ehepaar hatte Verwandte in Iserlohn besucht. Weil der Ersatzbus bis Schwerte deutlich länger unterwegs ist, als der Zug, drohte ihnen die Perspektive, in Dortmund den Anschlusszug nach Dresden zu verpassen. „Wir haben erst vor einer Minute von den Änderungen erfahren“, sagten die Dresdner. Sie berichteten, dass sie mittlerweile häufiger Probleme im Bahnverkehr erleben würden.

Zahlreiche Beschwerdenin der DB-Agentur

Immerhin: Auf dem Bahnsteig weist eine elektronische Anzeige auf den Schienenersatzverkehr hin. Und wer sich ganz umschaut, findet in einer Aushangvitrine auch den Fahrplan für die Ersatzbusse, die am Buskap 1D des Busbahnhofs abfahren. Insgesamt vier Gelenkbusse sind zwischen Iserlohn und Schwerte unterwegs. Auch die Linie R30 kann genutzt werden, sie ist aber noch länger unterwegs, weil sie mehr Haltestellen ansteuert. In der DB-Agentur im Stadtbahnhof berichtet eine Mitarbeiterin von zahlreichen Beschwerden der Bahnkunden. Insbesondere vermissen sie deutlichere Aushänge mit den genauen Informationen.

Der komplette Wegfall einer Zugverbindung über mehrere Tage wegen hohen Krankenstandes – auch für Lothar Ebbers, Pressesprecher des NRW-Landesverbandes des Fahrgastverbandes Pro Bahn ist das ein Novum im Bereich des DB-Netzes in Nordrhein-Westfalen. Erinnern kann er sich im Wesentlichen nur an einen ähnlichen Fall bei der Eurobahn vor einem Jahr. Eine allgemein angespannte Personalsituation bei den Zugführern der DB-Regio macht Ebbers für die Ausfälle mitverantwortlich. Häufig müssten Engpässe durch Überstunden abgefangen werden, was auf Dauer auch zu höheren Krankenständen führe. Die dünne Besetzung mit Zugführern bei der DB-Regio hänge auch damit zusammen, dass Zugführer in Richtung Güterverkehr abgeworben würden. Der Güterverkehr, so Ebbers, brumme wegen der seit längerem guten Konjunktur. Und generell sei es schwierig, per Ausbildung Zugführer-Nachwuchs zu gewinnen.

Fahrgastverband Pro Bahn übt Kritik an Kurzfristigkeit

Das im Iserlohner Fall gewählte Verfahren, eine Zugverbindung über mehrere Tage ausfallen zu lassen und stattdessen die Strecke mit Schienenersatzverkehr zu bedienen, hält Lothar Ebbers grundsätzlich nicht für falsch. Die Situation sei für Fahrgäste kalkulierbarer, als wenn es immer wieder zu kurzfristigen Ausfällen komme. Für kritikwürdig hält der Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn allerdings die Kurzfristigkeit der Ankündigung und die unzureichende Information.

Die Busse fahren am Stadtbahnhof Iserlohn täglich von 7.24 an bis 17.24 Uhr im Halbstundentakt nach Schwerte, ab 17.24 bis 23.24 Uhr gibt es einen Stundentakt. Von Montags bis Freitags gibt es auch Fahrten ab 4.54 Uhr. Am 30. und 31. Dezember sowie am 6. und 7. Januar gibt es zusätzlich auch eine Fahrt um 0.24 Uhr.

Von Schwerte nach Iserlohn fahren Busse werktags ab 5.50 Uhr und täglich ab 7.50 Uhr, der Takt ist vergleichbar.

Die Fahrzeit beträgt knapp 50 Minuten, unterwegs hält der Bus an den Haltestellen Baarstraße/TÜV, Kalthof Schule, Hennen Bahnhof und Ergste Bahnhof.

Der Fahrplan kann unter www.bahn.de/aktuell abgerufen werden. Informationen gibt es auch unter www.bahn.de/liveauskunft, in den DB-Agenturen, auf den Schaltflächen der Fahrscheinautomaten oder unter der kostenpflichtigen Hotline 01806/705030.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik