Kultur

Zum Spielzeitauftakt kullern Freudentränen

Moritz Lindbergh (li.) hat Thomas Reunert im Rahmen von „Nah dran“ verraten, warum er Schauspieler und nicht Jurist geworden ist, dass er wieder für „In aller Freundschaft“ dreht und was sein größter Zukunftswunsch ist.

Foto: Michael May

Moritz Lindbergh (li.) hat Thomas Reunert im Rahmen von „Nah dran“ verraten, warum er Schauspieler und nicht Jurist geworden ist, dass er wieder für „In aller Freundschaft“ dreht und was sein größter Zukunftswunsch ist. Foto: Michael May

Iserlohn.   Das Parktheater-Publikum hat sich köstlich bei der Komödie „Dinner für Spinner“ und dem anschließenden „Nah dran“ amüsiert.

Zum Spielzeitauftakt konnte Theaterdirektor und Kulturbürochef Johannes Josef Jostmann am Freitag eine Tourneepremiere anmoderieren. IKZ-Chefredakteur Thomas Reunert versprach mit dem „Dinner für Spinner“ gleich einen Kracher zum Start der Boulevardreihe und gestand ein, dass in der Vergangenheit die Qualität der Stücke nicht immer so hoch war.

Die Komödie von Francis Verber unter der Regie von René Heinersdorff war mit bekannten Schauspielern besetzt. Moritz Lindbergh, der den egoistisch-arroganten Verleger Peter Küsenberg verkörpert, kennen viele Fernsehzuschauer aus Arztserien wie „In aller Freundschaft“ oder „Alpha-Team“. Der herzensgute, aber mächtig trottelige Finanzbeamte Matthias Bommes wird von Tom Gerhardt, der viele Jahre als „Hausmeister Krause“ unterwegs war, gespielt. Steffen Laube stellt den Schriftsteller Steffen Weisflog dar und dürfte aus „Tatort“, „Wilsberg“ und „Lindenstraße“ ein Begriff sein. In die Rollen der genervten Frau und der durchgeknallten Geliebten des Verlegers Küsenberg schlüpft Tina Seydel, Stefan Preiss gibt den Finanzkon­trolleur Ludwig Busch.

Streichholz-Modellbauerist der perfekte Spinner

Küsenberg nimmt Bommes mit zu einer Essenseinladung. Was der gutgläubige Finanzbeamte nicht weiß: Der Verleger und seine Freunde veranstalten „Dinner für Spinner“, zu denen immer einer von ihnen einen „Freak“ mitbringen darf, der vorgeführt wird. Und mit Bommes, der aus Abertausenden Streichhölzern Modelle, beispielsweise von der Golden Gate Bridge baut, scheint ein absoluter Vorzeige-Trottel gefunden zu sein.

Die Zuschauer im fast ausverkauften Haus haben sich königlich amüsiert, nicht nur über Tom Gerhardt, sondern über das gesamte Ensemble. „Man hat immer drauf gewartet, was dem Mann vom Finanzamt als Nächstes einfällt“, erklärte eine Dame nach dem Schlussvorhang.

Doch damit war der Abend noch längs nicht beendet, denn beim „Nah dran“, moderiert von Thomas Reunert, ging es mindestens ebenso unterhaltsam zu wie im Stück. „Es ist übrigens keine Selbstverständlichkeit, sondern eine große Geste des Ensembles, das ja eigentlich jetzt Feierabend hätte. Ich bin sehr stolz, dass das in Iserlohn funktioniert“, bedankte sich Reunert. Er bat zuerst Moritz Lindbergh auf die Bühne in der Theater-Galerie. Der erklärte, dass seine Familie zunächst nicht begeistert gewesen sei von seiner Idee, Schauspieler zu werden. Der Start des Jura-Studiums in Heidelberg sei mit dem Weihnachtsmarkt-Aufbau zusammengefallen, und so habe er mehr Zeit an Glühweinbuden als in Hörsälen verbracht. „Außerdem ging es im Studium gleich mit Strafrecht los, mein Rechtsempfinden ist aber ein ganz anderes“, begründete Lindbergh seine Entscheidung für den Beruf des Schauspielers. Der führt ihn jetzt wieder nach Leipzig, wo er erneut für „In aller Freundschaft“ vor der Kamera steht.

Tom Gerhardt war anfangsals Krause sehr unsicher

In seine Rolle als „Hausmeister Krause“ schlüpfte Tom Gerhardt während des Gesprächs mitunter stimmlich. Er erzählte von seiner anfänglichen Unsicherheit, als das Publikum mit dem von ihm verkörperten „Proll“ überhaupt nichts anfangen konnte. Und Gerhardt erklärte, selbst noch nie einen Dackel besessen zu haben. Als Kind sei er jedoch regelmäßig auf dem Schulweg von einem attackiert worden. Außerdem erfuhr das Publikum, dass Gerhardt keinen Wert darauf legt, sich abseits der Bühne in den Mittelpunkt zu drängen. Und er erklärte: „Gute Comedy zu machen, ist mindestens so schwer wie ein gutes Drama. Nur weil es ein schweres Gemüt macht, ist Drama kein schwereres Genre.“

Dritter in der „Nah-dran“-Runde war Steffen Laube, der nach eigenen Angaben selbst riesigen Spaß beim „Dinner für Spinner“ hat.

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