Stadtleben

Zwei Gesichter der Friedrichstraße

Keine Augenweide sind die leer stehenden Ladenlokale im oberen Teil der Friedrichstraße. Insgesamt sind hier fünf Geschäfte verwaist.

Foto: Stefan Janke

Keine Augenweide sind die leer stehenden Ladenlokale im oberen Teil der Friedrichstraße. Insgesamt sind hier fünf Geschäfte verwaist. Foto: Stefan Janke

Iserlohn.   Auf der Südseite verkommen die Geschäfte, auf der Nordseite läuft das Waffel-Café – die zwei Gesichter der Friedrichstraße.

„Ich habe mich an den Anblick in den vergangenen 20 Jahren gewöhnt“, sagt Martina Rose. Sie betreibt an der Friedrichstraße einen schicken Blumenladen, der sich optisch wohltuend von den leer stehenden und heruntergekommenen Geschäftshäusern abhebt. Zwischen der Langen Hecke und der Karlstraße sind es derzeit neun Ladenlokale, die nicht vermietet sind, als letztes schloss das Feinkostgeschäft Klingel. Zählt man weiter bis hinunter zur Laarstraße, dann sind es sogar zwölf Leerstände. Und nur bei wenigen Objekten ist ein Hinweis zu finden, wo sich Interessenten melden können. Und in einem Fall, Hausnummer 56, ist eine Telefonnummer angegeben, unter der es aber keine Verbindung gibt.

Junge Unternehmerin ist glücklich mit dem Standort

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite hat erst vor einigen Monaten das kleine Café „Waffelliebe“ eröffnet. Inhaberin Derya Dilan Tas ist mit dem Standort zufrieden. „Wir hatten zunächst ein Ladenlokal an der Wermingser Straße gesucht, doch die Miete hier an der Friedrichstraße ist deutlich günstiger“, sagt sie. Ein weiterer Vorteil: „Hier fahren ständig Leute vorbei, denen unsere bunte Fassade ins Auge fällt, die neugierig werden und dann bei uns reinschauen“, sagt die junge Unternehmerin. Sie habe auch schon daran gedacht, eines der leer stehenden Geschäfte gegenüber als Lager anzumieten. Der schlechte Zustand der Immobilie habe sie schließlich aber von dem Vorhaben abgehalten.

Insgesamt machen die Häuser auf der Südseite der Friedrichstraße in diesem Bereich tatsächlich einen schlimmen Eindruck, die Gebäude müssten dringend instand gesetzt werden. Vielleicht ist auch das ein Grund für die aktuellen und langfristigen Leerstände.

Einer, der im vergangenen Jahr fünf leerstehende Geschäftsräume in der Innenstadt wieder mit Leben füllen konnte, und unter anderem „Hunkemöller“, „Snipes“ und „Niehaves“ für die City gewinnen konnte, ist Markus Kaiser, Geschäftsführer von Krist Immobilien. Er bestätigt den Eindruck, dass die Laarstraße den „Scheidepunkt“ auf der Wermingser bildet. Vor allem Filialisten wissen durch Erhebungen, dass von dort aus Richtung Friedrichstraße rund 30 bis 40 Prozent weniger Passanten durch die Einkaufsstraße flanieren als im unteren Teil. Und: „Für viele Filialisten steht Iserlohn bei ihrem Interesse frühestens auf Platz zehn hinter Großstädten mit über 100 000 Einwohnern, und sie entscheiden nach ,Kennzahlen’ wie Kaufkraft und Arbeitslosenzahlen.“ Am Beispiel „Hunkemöller“ habe sich aber gezeigt, dass sich Konzerne durchaus für die Waldstadt entscheiden, wenn sie sich vor Ort ein Bild von der Stadt, vor allem von der Fußgängerzone, gemacht haben. „In diesem Fall haben sich die Verhandlungen vier Monate hingezogen, waren am Ende aber von Erfolg gekrönt. ,Hunkemöller’ hat für zehn Jahre unterschrieben“, so Markus Kaiser.

Das Engagement der Eigentümer ist gefragt

Zum Thema Friedrichstraße glaubt Kaiser, dass es bei den Leerständen vor allem die schlechte Substanz der Immobilien sei. „Hier sind die Eigentümer gefragt, den Mietern entgegen zu kommen“, erklärt der Iserlohner und nennt dafür das Stadtquartier um die Wasserstraße als bestes Beispiel. „Individualität verbunden mit einem Geben und Nehmen zwischen Mieter und Vermieter bringt Erfolg.“

Und da sieht auch Thomas Junge, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung das Problem an der Friedrichstraße. Das Quartier hier sei in der Vergangenheit heruntergekommen, und es könne nur eine Veränderung stattfinden, wenn bei den Eigentümern das Bewusstsein geschaffen werden könne, auch mit kleinen Schritten den aktuellen Zustand zu verbessern. Ansonsten würde es so bleiben.

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