Musik

Zwischen Christlichem und Bigband

Die Freude an der Musik war das, was am Abend beim Auftritt des Bläserchors am meisten auffiel, allerdings konnte das Laienensemble auch mit beeindruckender Qualität überraschen.

Foto: Felix Kriewald

Die Freude an der Musik war das, was am Abend beim Auftritt des Bläserchors am meisten auffiel, allerdings konnte das Laienensemble auch mit beeindruckender Qualität überraschen. Foto: Felix Kriewald

Iserlohn.  Konzert des Bläserchors aus Siegen-Geisweid im Barendorfer Bruch

„Sollten Sie irgendwelche Sorgen haben, so vergessen Sie sie und genießen Sie mit uns diesen Abend!“ – mit diesen Worten begrüßte jetzt Gemeindemitglied und Es-Hornist Friedhelm Leppert die über 100 Zuhörer zu einem sehr schönen Konzert des Bläserchors der Freien evangelischen Gemeinde Siegen-Geisweid im Gemeindezentrum im Barendorfer Bruch.

Das rund 30 Musiker starke Ensemble unter der Leitung von Helmut Schnell hatte ein Programm aus überwiegend christlichen Stücken vorbereitet, los ging es jedoch mit einem Klassiker der Bigband-Literatur: Der „St. Louis Blues March“ heizte dem Publikum gleich ordentlich ein, bevor es mit „I will follow him“ und „Prelude on Lavenham“ zwei sehr warme und eher ruhige Stücke zu hören gab.

Musiker strotzen nur so vor Spielfreude

Die folgende Nummer „They shall come from the east“ erzählt von der Wiederkunft Christi und strotzt nur so vor Spielfreude. Überhaupt war die Freude an der Musik das, was am Abend am meisten auffiel, allerdings konnte das Laienensemble auch mit beeindruckender Qualität überraschen, waren einige Stücke doch von großem Tonumfang und klanglich schwierig zu interpretieren. So auch die Bearbeitung für Brass Band der großen Toccata in d-Moll von Johann Sebastian Bach, bei der sich auch der 15-jährige Jonas Leppert, Enkel von Friedhelm Leppert, der die Bläser bei vielen Stücken am Schlagzeug unterstützte, auszeichnen konnte.

Ein weiteres Werk von Bach brachte Gemeindemitglied und Klavierlehrerin der Musikschule Lisa Richter zu Gehör: Mit einer äußerst gefühlvollen Interpretation ging die Pianistin ganz in der Toccata in e-Moll auf und beeindruckte die Zuhörer mit meisterhafter Fingerfertigkeit und Artikulation. Außerdem spielte sie zwei Arabesken von Claude Debussy, Stücke seines Frühwerks, die noch nicht die farbenfrohe Klangpalette des Impressionismus aufweisen, sondern klarer definiert sind und noch einen fast romantischen Anklang haben. Die eine mit langen, girlandenartigen Läufen, die andere mit losgelösten, sprudelnden Elementen, ließ Lisa Richter sehr inspiriert und tadellos erklingen.

Unterbrochen wurde das Konzert durch eine Andacht von Jugendreferent Benjamin Pipke, der über die Rolle der Musik in der Bibel sprach und die Entstehungsgeschichte des nächsten Stücks schilderte. Das Kirchenlied „It is well with my soul“, den meisten in deutscher Sprache geläufig als „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt“, wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom amerikanischen Anwalt Horatio Spafford nach einer Reihe traumatischer Ereignisse in seinem Leben geschrieben.

Reale Geschichte als Basis für emotionalen Höhepunkt

Zunächst fiel er in finanziellen Ruin, dann verlor er bei einem Schiffsunglück alle vier Töchter. Entgegen der Ansicht seiner Gemeinde, sein Schicksal sei eine Strafe Gottes, schrieb er ein Lied, in dem er Gott lobt und bedingungslos sein Vertrauen in ihn setzt.

Mit dem Hintergrund dieser realen Hiobsgeschichte im Kopf bildete die folgende Darbietung des Stücks durch den Bläserchor einen emotionalen Höhepunkt des Abends. Besonders viel Applaus gab es allerdings für „ABBA goes Brass“, ein Medley aus den bekanntesten Hits der schwedischen Popgruppe wie „Mamma Mia“, „The winner takes it all“, oder „Thank you for the music“.

Letzteres passte mit dem Titel an Gott gerichtet besonders gut zum Konzert, wie Dirigent Helmut Schnell zu bemerken wusste. Mit „Highland Cathedral“ durfte das Ensemble noch einmal alles an Lautstärke aufbieten, bevor das Konzert mit zwei ruhigen Nummern, „Eventide“ und einem irischen Segen, schloss und das Publikum beseelt und ohne Sorgen den Heimweg antrat.

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