Landesparteitag

AfD-Parteitag Kalkar: Gegner protestieren mit Trillerpfeifen

Bei der Demo gegen den AfD-Landesparteitag in Kalkar haben sich etwa 150 Teilnehmer aus verschiedenen Gruppen und Organisationen versammelt.

Bei der Demo gegen den AfD-Landesparteitag in Kalkar haben sich etwa 150 Teilnehmer aus verschiedenen Gruppen und Organisationen versammelt.

Foto: Andreas Daams / NRZ

Kalkar.  Etwa 150 Demonstranten protestieren vor dem Wunderland Kalkar gegen den AfD-Landesparteitag. Der soll Klarheit im Richtungsstreit bringen.

Nach einem großen Spaß sieht das alles nicht aus. Vor dem Wunderland Kalkar, dem nie in Betrieb gegangenen Atomkraftwerk und heutigen Familienpark, stehen Straßensperren. Die Polizei befragt jeden, der hinein will. Das sind um diese Uhrzeit, Samstagmorgen gegen 9 Uhr, vor allem Mitglieder der AfD. Zwischen 400 und 600 werden hier im Wunderland zum Landesparteitag erwartet. Der Landesverband ist tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern des thüringischen AfD-Chefs Björn Höcke und versucht in Kalkar eine Einigung.

Hinter den Absperrungen haben sich unterdessen zahlreiche Demonstranten versammelt. Die Fridays for Future Ortsgruppe Kreis Kleve hat die Demonstration organisiert. „Es kann nicht sein, dass wir unsere Zukunft rechtsradikal gestalten“, findet Tim Verfondern, einer der Organisatoren.

AfD-Landesparteitag: Verschiedene Gruppen bei Gegendemo in Kalkar

Mit Trillerpfeifen, Sirenen und lauten „Nazis raus“-Sprüchen machen die Demonstranten Stimmung gegen die ankommenden AfD-Mitglieder. Zahlreiche Gruppen wie „Aufstehen gegen Rassismus“, Kirchen, Arbeiterwohlfahrt, Pfadfinder, Gewerkschaften, SPD, Grüne, Linke sowie Initiativen gegen Rechts haben sich der Demonstration angeschlossen.

Doch statt der erwarteten 500 Demonstranten sind nur etwa 150 gekommen. Kein Vergleich also zu den Protesten gegen den Schnellen Brüter in den 70er Jahren. „Das Wunderland liegt weit abseits und es gibt keine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr“, erklärt einer der Demonstranten. Daniel Boßmann-van Husen von den „Fridays for Future“ ist dennoch zufrieden. „Die haben gedacht, sie können einen ruhigen Parteitag abhalten, aber sie haben nicht mit uns gerechnet“, sagt der Aktivist.

Demonstrantin: „Für ‚Wehret den Anfängen‘ ist es schon zu spät“

„Vielfältig statt Einfältig“, steht auf einem Plakat, das Veronika Michelis in die Höhe hält. Wenn sie es umdreht, ist zu lesen: „Gestern Hitler, heute Höcke“. „Ursprünglich wollte ich ‚Wehret den Anfängen‘ schreiben, aber dafür ist es ja schon zu spät“, sagt sie. Ihre Mutter habe unter dem Krieg sehr gelitten, darum will sie gemeinsam mit ihrem Mann ein Zeichen setzen.

Einige Demonstranten sind sogar von weiter her angereist. „Wir sind eine bundesweite Kampagne“, erklärt ein Essener Aktivist von „Aufstehen gegen Rassismus“. „Aber hier haben wir nur eine aktive Person, deshalb verstärken wir den Protest.“ Sie haben auch ein Quiz vorbereitet mit Sätzen von Hitler und Höcke. Wer hat welchen Satz gesagt?

Für Geschäftsführer des Wunderlands ist es ein Geschäft wie jedes andere

Kurz lässt sich auch Han Groot Obbink, Geschäftsführer des Wunderlands Kalkar, an der Einfahrt blicken. Für ihn ist die Vermietung der Messehalle an die AfD ein Geschäft wie jedes andere. „Hier darf jeder herein, solange es nicht verboten ist“, sagt er. „Als die Grünen aufkamen, hat auch jeder gesagt, das könne nicht wahr sein.“

Er findet es schade, dass so viel Polizeipräsenz nötig ist, um die AfD-Mitglieder und die Demonstranten voneinander zu trennen. „Aber es ist doch auch schön, dass sich die Demonstranten so laut erkennbar machen“, ergänzt er. „Das ist Demokratie.“

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