Eventlocation

Aus „ter Kelling“ wird in Goch das „Haus am See“

Vorfreude auf den Neubeginn (von links): Geschäftsführer Carlo Marks, Prokurist Jann-Philipp Thiele und Geschäftsführer Wolfgang Jansen von der Gocher Vermögensverwaltungsgesellschaft stehen im Garten des Hauses am See.

Vorfreude auf den Neubeginn (von links): Geschäftsführer Carlo Marks, Prokurist Jann-Philipp Thiele und Geschäftsführer Wolfgang Jansen von der Gocher Vermögensverwaltungsgesellschaft stehen im Garten des Hauses am See.

Foto: Niklas Preuten

Goch-Kessel.  Nach dem Kauf hat die Stadt Goch das Gelände saniert. Ein verändertes Konzept soll Hochzeitsgäste und andere Besucher nach Kessel bringen.

Neuer Name, neues Konzept, neue Hoffnungen: Ein halbes Jahr nach dem Kauf des 15.000 Quadratmeter großen Areals in Kessel durch die Vermögensverwaltungsgesellschaft der Stadt Goch wird aus „ter Kelling“ das „Haus am See“. Das Gelände in direkter Seenähe mit einem großen Veranstaltungsbereich und Hotelzimmern soll sich nach den Vorstellungen der städtischen Verantwortlichen zu einer angesagten Feier-Location für Hochzeiten und andere Gesellschaften wandeln – und so ein Anker der geplanten weiteren touristischen Entwicklung am Baggersee werden.

Mit einem einstimmigen Beschluss des Rats im Rücken hatte das städtische Tochterunternehmen im Februar die Liegenschaft übernommen. „Es hatten sich die Hinweise verdichtet, dass ein Unternehmer in der Immobilie zahlreiche Arbeitskräfte unterbringen wollte, die in Großschlachtereien in den Niederlanden beschäftigt werden“, sagte Geschäftsführer Carlo Marks im Rückblick. Weil die Stadt schlechte Erfahrungen mit einer ähnlichen Situation in Hülm gemacht habe, sei die Entscheidung gefallen, „ter Kelling“ zu erwerben.

Trauungen direkt am Wasser

Seitdem hat sich, den Vorschlägen eines Fachbüros folgend, auf dem Gelände am Klosterweg vieles verändert. „Wir haben die Außenfläche saniert, die in einem katastrophalen Zustand war“, erklärte Marks. Der stark wellige Rasen wurde geebnet, Unrat beseitigt, Bäume und Sträucher in Form gebracht und neue Wege angelegt. Zudem besteht nun ein direkter Zugang zum See, wo demnächst auch ein Pavillon gebaut wird. „Das ist eine deutliche Aufwertung“, sagte Carlo Marks überzeugt. Standesamtliche, kirchliche und freie Trauungen sowie Empfänge sind nun direkt am Wasser möglich.

Vor allem im Sommer sollen Hochzeiten ein wichtiges Standbein für das Haus am See werden. „Wir haben eine Marktanalyse in Auftrag gegeben und darin gesehen, dass es am Niederrhein viel zu wenige Hochzeitslocations für die Nachfrage in den Sommermonaten gibt“, so Marks. In diese Lücke möchte die Stadt Goch mit ihrem veränderten Angebot in Kessel stoßen.

170.000 Euro bislang investiert

Dafür investierte sie bislang nach eigenen Angaben 170.000 Euro in das Areal. Neben der Sanierung des Gartens, zu der auch die Überholung des Spielplatzes gehörte, wurde der Parkplatz befestigt und beleuchtet. In den Veranstaltungsräumen für bis zu 800 Personen schliffen Handwerker den gesamten Holzboden ab und versiegelten ihn neu. Die Wände bekamen einen neuen Anstrich und die Küche eine neue Technik. Auch das Lichtkonzept ist jetzt auf modernem Stand. Die Umbauten gingen bei laufendem Betrieb vonstatten.

Noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen. In den 15 Hotelzimmern kommt der alte Teppichboden raus, und die Fassade des Gebäudes mit Frühstücks- und komplett neu gestaltetem Tagungsraum muss gestrichen werden. Demnächst soll zudem ein Kosmetikstudio in einem derzeit leerstehenden Trakt eingerichtet werden. Das benachbarte „GochNess“, das laut Marks pro Jahr mehr als 5600 Kosmetik- und Wellnessbehandlungen verzeichnet, soll so entlastet werden.

Carlo Marks: „Dorfhaus für Kessel

Die Gäste können für ihre Feiern mit einem Baukastensystem pauschal Getränke, Geschirr, eine Fotobox und Anderes buchen. „Wir sind allerdings keine Raumvermietung, sondern ein Gastronomiebetrieb“, betonte Carlo Marks. Auf eine eigene Küche mit Tagesgastronomie verzichtet das Haus am See jedoch. Der Hauscaterer ist das Klever Unternehmen Quartier.

„Wir wollen auch zum Dorfhaus für Kessel werden und den Vereinen die Räume für ihre Veranstaltungen zur Verfügung stellen“, kündigte der Geschäftsführer der Gocher Vermögensverwaltungsgesellschaft an. Einige Vereine seien in Ermangelung an passenden Räumen bereits in die Niederlande abgewandert, so Marks. „Sie möchten wir zurückholen.“ Außerdem wird das Haus am See auch eigene Veranstaltungen organisieren (siehe Box).

Alle Bemühungen sollen einer Prämisse folgen: „Qualität und Verlässlichkeit stehen an erster Stelle, denn das fehlte dem Haus in den vergangenen Jahren“, sagte Carlo Marks deutlich. Der neue Name soll den ramponierten Ruf abstreifen. Den städtischen Einstieg in die Gastronomiebranche bezeichnete er als „Herausforderung“. Gleichwohl sei die Stadt auch wegen der jährlich 40.000 Vollessen im „GochNess“ nicht gänzlich unerfahren. Marks: „Wir glauben, dass wir es können.“

Ziel bleibt ein Pachtbetrieb

Wie lange die Stadt Goch das Haus am See führen wird, bleibt allerdings abzuwarten. „Wir wollen es zum Anziehungspunkt machen, in finanziell stabiles Fahrwasser bringen und dann in einen Pachtbetrieb überführen“, kündigte Marks an. „Unser Engagement ist eine Stadtentwicklungsmaßnahme.“

Die sich einfügt in größere Pläne zur Tourismus-Weiterentwicklung am See, wo in den nächsten zwei Jahren die Auskiesung komplett aufgegeben wird. Nach dem Aus für die Planungen zum Kwak-Haus (die NRZ berichtete) steht am See schließlich eine 32.000 Quadratmeter große Fläche bereit für neue Ideen.

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