Osterfeuer

Bedburg-Hau will Osterfeuer deutlich einschränken

An den Ostertagen wird gerne der Gartenschnitt verbrannt. Nachbarschaften, Vereine und Religionsgemeinschaften treffen sich. Doch der Brauchtumscharakter geht immer häufiger verloren.

An den Ostertagen wird gerne der Gartenschnitt verbrannt. Nachbarschaften, Vereine und Religionsgemeinschaften treffen sich. Doch der Brauchtumscharakter geht immer häufiger verloren.

Foto: NRZ-Archiv

Kreis Kleve.   Was einst Brauchtumsfeuer waren, grenzt heute eher an private Müllentsorgung. Bürgermeister Driessen will neue Regeln. 252 Feuer sind zu viel.

Peter Driessen sieht dringenden Handlungsbedarf. Der Bürgermeister der Gemeinde Bedburg-Hau möchte im kommenden Jahr die Zahl der Osterfeuer in seiner Gemeinde deutlich reduzieren. 252 Osterfeuer wurde in seiner Gemeinde angemeldet – für Bedburg-Hauer Verhältnisse ist das ein bisschen viel: „Das sind auch keine Traditionsfeuer mehr“, sagt Peter Driessen. Es gehe nur noch darum, die angefallenen Gartenabfälle kostengünstig zu entsorgen.

Seine Verwaltung wird daher in Kürze eine Vorlage für den Gemeinderat entwickeln, um über dieses Thema zu debattieren. „Wir werden reagieren müssen“, sagt Driessen. Denn durch die Vielzahl der Feuer sei auch eine Kontrolle nicht mehr möglich. Nach Driessens Auffassung reichen zwei Osterfeuer pro Ortsteil, die von den Heimatvereinen organisiert werden sollen: „Meiner Meinung nach sollten wir dies drastisch eindämmen.“

Hier wird alles verbrannt: Paletten, Plastik, Balken

Das sieht auch die Feuerwehr so. Sprecher Michael Hendricks: „Es geht ja gar nicht darum, Osterfeuer grundsätzlich zu verbieten. Osterfeuer haben Tradition und sind wichtig. Aber in unserer Gemeinde hat sich ein Wandel vollzogen. Es gibt kaum noch Vereine, die Feuer anmelden, sondern vor allem Privatpersonen, die ihre Abfälle entsorgen wollen.“ Und so wird nicht nur Gartenschnitt verbrannt, sondern auch Euro-Paletten, getränkte Balken und nicht selten nimmt der Beobachter auch Plastik- oder Gummigeruch von verbrannten Autoreifen wahr. Denn zu Ostern dürfen sich alle sicher sein: Kontrolliert wird nicht.

Auch in Kranenburg erwartet Ordnungsamtsleiter Willi Fleskes eine politische Diskussion. In seiner Gemeinde wurden in diesem Jahr 190 Feuer angemeldet. „Das ist arg viel“, sagt Fleskes. Wegen Waldbrandgefahr hatte er auch einige Feuer in Waldnähe – in Grafwegen und Nütterden – untersagt: „Die Gefahr ist nicht zu unterschätzen, insbesondere durch die anhaltende Trockenheit. Ich gehe selbst auch gerne zu einem Osterfeuer in der Nachbarschaft. Aber 190 anmeldete Feuer sind zu viel.“

Entsorgung über die braune Tonne ist möglich

Grundsätzlich können Gartenabfälle über die braune Tonne entsorgt werden. Auch gibt es die Möglichkeit, zwei Mal im Jahr am Bauhof größere Mengen abzugeben: „Oder man fährt zum Klever Wertstoffhof“, so Fleskes. Hier muss die Entsorgung der Grünabfälle allerdings bezahlt werden – zu kleinen Preisen.

Brauchtum – nicht Abfallentsorgung

Mit einem eng beschriebenen Merkblatt weist die Stadt Goch die Anmelder von Brauchtumsfeuern auf die aktuell gültige ordnungsbehördliche Verordnung hin. Diese regelt unter anderem die Mindestabstände zu Gebäuden und Wegen, das erlaubte Brennmaterial und die vorgeschriebene Aufsicht.

„Osterfeuer sollen dem Brauchtum dienen und sind keine Abfallentsorgung“, stellt Torsten Matenaers klar. Der Sprecher von Stadt und Feuerwehr appelliert an die „Vernunft der Leute“, bei starkem Wind und großer Trockenheit das Risiko richtig einzuschätzen. Am Osterwochenende wies der Waldbrand-Gefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes für die Region die zweithöchste Stufe auf. „Das Feuer kann extrem gefährlich werden und sich zu einem Großbrand entwickeln“, warnt Matenaers.

Dieses Jahr lagen der Stadt mehr als 200 Anmeldungen für Osterfeuer vor, die derzeit nicht genehmigungspflichtig sind. Während es in den vergangenen Jahren keine größeren Beanstandungen gegeben habe, sei diesmal eine „sehr nachdrücklich formulierte und mit Fotos dokumentierte Beschwerde“ über ein Feuer aus Pfalzdorf eingegangen, das den „Rahmen offensichtlich gesprengt hat“, wie Matenaers sagt. Ordnungsamt und Feuerwehr nehmen diesen Fall zum Anlass, gemeinsam zu besprechen, „ob eine generelle Regelung notwendig ist“.

„95 Prozent halten die Regeln ein“

Rund 120 Osterfeuer loderten auf dem Gebiet der Gemeinde Uedem. „Es sollte möglich sein, das Brauchtum zu unterstützen und sich gleichzeitig an die Spielregeln zu halten“, sagt Alexander Janßen, der von zwei Seiten auf die Problematik schaut: als Ausrichter eines Osterfeuers mit Freunden und als Chef der Uedemer Feuerwehr. „Oft werden die Feuer zu nah am Busch- und Baumwerk entzündet. Viele unterschätzen zudem am Anfang die Hitze.“ Eines betont Janßen aber auch: „95 Prozent halten die Regeln ein.“

Auch in Kleve scheinen sich der Großteil der Organisatoren ihrer Verantwortung bewusst gewesen zu sein. Hier gab es 120 angemeldete Osterfeuer. Die Stadt hat nichts untersagen müssen und schritt auch nicht wegen der Trockenheit ein.

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