Mittelaltermarkt

Das Mittelalter in Goch-Asperden spielend entdecken

Ritterspiele und mittelalterliches Treiben

Ritterspiele und mittelalterliches Treiben

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Goch-Asperden.   Auf Graefenthal trafen sich über Ostern viele Mittelalterfans, die das Jahr 1286 nachspielten. Die Zuschauer trugen Bermudas und Sonnenbrille.

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Es gehe nur um die Liebe, erklärt Erik van de Wind. „Um die große Liebe“ korrigiert er. Dass das so ist, wird nicht jedem Besucher gleich deutlich, der sich in die Arme des Niederländers verirrt. Er nämlich fixiert seine vorzugsweise männlichen Gäste in einem mittelalterlichen Galgen. „Die Frau darf den Mann dann mit Sandsäcken bewerfen. Pro Sünde ein Sack. Das stärkt die Liebe“, sagt van de Wind.

Er war einer von 500 Ausstellern, die am Osterwochenende auf dem Kloster Graefenthal zeigten, wie der Alltag im Mittelalter aussah. „Wir blicken auf eine großartige Veranstaltung zurück. Die Gemeinschaft sorgt bei mir für Gänsehaut“, sagt Organisatorin Emma Hogendoorn.

Stoffröcke und Bermudas

Wer das dreitägige Festival besuchte, traf auf zwei Sorten Mensch: Die einen ließen die längst vergangenen Zeiten optisch aufleben und zeigten sich in mittelaltertypischer Kleidung: Stoffröcke, Kettenhemden und Kopftücher. Umgeben wurden sie von einem intensiven Weihrauchduft. Die Mehrheit der Besucher aber repräsentierte die Gegenwart: Die Smartphones zum Selfie gezückt, Bermudas, die Sonnenbrille auf der Nase. Zumindest das Letztere erfreute auch Hogendoorn: „Das Wetter war viel besser als in den vergangenen Jahren. Das Osterfest war in diesem Jahr auf unserer Seite.“

Doch es sind die Details, die einem Mittelalterfest die Klasse verleihen. Christian Preuß sitzt etwas versteckt in seinem wenige Meter großen Stand. Er trägt Priesterkleidung, hält die Bibel vor sich und braucht für sein Wirken vor allem eines: den Füllstift. „Ich habe eine ganz besondere Fraktur entwickelt, mit der ich alles schreibe, was andere lesen wollen“, sagt der Niedersachse.

Mit einem mobilen Kloster übers Land

An beinahe jedem Wochenende repräsentiere er irgendwo im Land seine Schreibkunst. Mit der verheiratet er gar Verliebte: „Aber nur für 24 Stunden. Sie erhalten dann von mir eine Beglaubigung für diesen Zeitraum. Sogar kleine zeremonielle Trauungen führen wir hier durch“, sagt Preuß. Auch er weiß: Ein Mittelalterfest steht für Liebe. Noch wichtiger aber sei es, im Takt des Mittelalters zu predigen. Vor Ort nämlich hält er auch „Messen“ und „Gottesdienste“. „Mein großes Ziel ist es, bald mit einem mobilen Kloster durchs Land zu fahren“, sagt der gläubige Christ.

Der Höhepunkt für Preuß aber war die täglich stattfindende Schlacht. Egal, wen man sprach: Die Schar teilte sich in Goch in Verlierer und Sieger. Nach anfänglichen Wortgefechten stürmten Hunderte auf einander zu, Pfeile und Ballistageschosse wechselten die Seiten, Ritter schlugen aufeinander ein. Schwerter prallten krächzend auf Kettenhemden. „Man muss natürlich vorsichtig sein, aber normalerweise wird niemand verletzt“, sagt Hogendoorn.

„Das Gefühl des Mittelalters bleibt im Kloster“

Doch nicht alle verfolgen an einem solchen Wochenende große Ziele. „Ich nutze den ganzen Tag, um wach zu werden. Das sind faule Stunden hier. Erst abends sind wir auf Betriebstemperatur“, sagt Anne Völcking, die gemeinsam mit ihren Zwillingen auf dem Areal des Klosters übernachtete. Man lebe tagsüber von Mahlzeit zu Mahlzeit und beobachte, wie andere sich das Mittelalter vorstellen. „Wir machen nur, was uns gefällt“, sagt sie. Dazu gehöre das abendliche Beisammensein am Feuer, selbstgebackenes Stockbrot und eine ganz besondere Dusche.

„Wir könnten auch zum mittelalterlichen Bader gehen, der hält Duschen bereit. Aber wir gehen in den Wisseler See: Das ist unser Höhepunkt“, sagt die 32-Jährige. Dabei war die Programmauswahl der Mittelalterfreunde beeindruckend: Gaukeleien vom Narren, Musik historischer Instrumente und kreative Tanzaufführen zeigten, mit wieviel Leidenschaft die Veranstalter zu Werke gingen. Vorerst ziehen die Mittelalterfreunde wieder von Dannen. „Das Gefühl des Mittelalters aber bleibt im Kloster“, sagt Hogendoorn.

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