Hochschule Rhein-Waal

DenkWerkStadt in Kleve sprach über Plastikvermeidung

Christoph Heß und Annette Klinkert von der Hochschule Rhein-Waal.

Christoph Heß und Annette Klinkert von der Hochschule Rhein-Waal.

Foto: Andreas Daams

Kleve.  Im Rahmen der DenkWerkStadt ging es bei Bar & Brot um Plastik. Prof. Dr. Christoph Heß diskutierte über ein kompliziertes Thema.

Eine Sache ist ganz sicher: Es gibt jede Menge Missverständnisse. Das zeigte sich ganz wunderbar bei der letzten DenkWerkStadt der Hochschule Rhein-Waal. Hierbei kommen Lehrkräfte in die Stadt, um mit Bürgerinnen und Bürger über ausgewählte Themen zu diskutieren. Diesmal ging es im Lokal Bar & Brot in der Schlossstraße um Plastik.

Der größte Teil der Verpackungen wird verbrannt

„Hier ist man beim Thema Plastikvermeidung schon ganz weit vorne“, stellte Annette Klinkert von der Hochschule Rhein-Waal fest. Strohhalme aus Glas, Käse vom Biohof, Wurst vom Metzger nebenan. Ja, das könnte alles so einfach sein. Ist es aber nicht. Christoph Heß, Professor für Non-Metallic Materials an der Hochschule Rhein-Waal, klärte über zahlreiche Irrtümer auf. 40 Prozent des Materials stammen von Verpackungen. Die in Rohstoffe zurückzuverwandeln, ist schwierig. Bestehen doch viele aus zahlreichen unterschiedlichen Schichten. Daher wird der größte Teil verbrannt.

Biokunststoffe herzustellen wäre eine gute Idee

„Thermisches Recycling“ heißt das in hübscher Formulierung. „Verpackungen werden immer aufwendiger, um Lebensmittel länger frisch zu halten, aber dadurch hat man keine Materialien, die man für echtes Recycling nutzen kann.“Da wäre es doch eine gute Idee, Biokunststoffe herzustellen. Nur fängt hier die Sprachverwirrung schon wieder an. „Biokunststoffe können Kunststoffe sein, die biologisch abbaubar sind“, so Heß, „aber auch Kunststoffe, die aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrohr gewonnen werden, aber nicht biologisch abbaubar sind.“

Als Kunde muss man darauf achten, was man kauft

Man muss als Kunde also sehr genau darauf achten, was man da eigentlich kauft. Wobei auch biologisch abbaubare Kunststoffe bis auf ganz dünne Folien nicht in die braune Tonne gehören – denn sie brauchen für den Abbau länger als etwa Bananenschalen. Weitere Gefahr: „Wenn die Leute denken, etwas sei biologisch abbaubar, geben sie sich keine Mühe bei der fachgerechten Entsorgung“, fürchtet Heß. Sie werfen die Verpackung dann einfach irgendwohin, auch wenn dort überhaupt nicht die notwendigen Bedingungen für die Zersetzung herrschen. Was nun? Den Salatkopf einfach wieder in Zeitungspapier einwickeln wie früher? „Um Gottes Willen, da kriegt jeder Toxikologe zu viel.“

Mikroplastik ist idealer Siedlungsplatz für giftige Stoffe

Bleibt noch das leidige Mikroplastik, von dem überall die Rede ist. Gesundheitsschädlich sei es nicht, sagt Heß. „Allerdings ist es ein idealer Siedlungsplatz für giftige Stoffe.“ Und woher stammt das meiste Mikroplastik? Vom Reifenabrieb. Ein bis zwei Kilo Mikroplastik verliert ein Reifen während seiner Lebensdauer. Da ist es doch erfreulich, dass man wenigstens beim Papier keine Probleme hat, es zu recyceln. Stimmt. Nur, dass man es dann bräunlich einfärbt, damit die Verbraucher ein gutes Gefühl beim Kauf haben. Vielleicht war das die bitterste Erkenntnis des spannenden Nachmittags: Egal was man anpackt – die Marketingabteilungen haben immer schon vorher ihre Finger im Spiel.

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