NRZ Klima-Serie

Der Klimawandel ist auch in Kleve messbar

Hubert Reyers misst seit 1977 das Wetter.

Hubert Reyers misst seit 1977 das Wetter.

Foto: GLISSON, Roy / WAZ FotoPool

Kleve-Kellen.  Seit 1977 gibt’s das „Wetter am Niederrhein“ des Meteorologen und Landwirts Hubert Reyers. Viele Bauern verlassen sich auf seine Vorhersagen.

Er zeichnet seit Jahrzehnten Wetterdaten auf und viele Bürger im Kreis Klever verlassen sich auf die Vorhersagen von Hubert Reyers (52). Wer, wenn nicht er, kann eine Analyse zu den Wetterphänomenen der vergangenen Jahre in Kleve geben? Bis ins Jahr 1977 reichen seine Daten zurück. Für die NRZ schaute Hubert Reyers in seine Datenbestände und kann für den Kreis Kleve sagen, dass die Jahresdurchschnittstemperatur seit 1977 im Mittel um ein Grad wärmer geworden ist. Für einen solch kurzen Zeitraum ist dies bereits ein enormer Anstieg. Die Erderwärmung lässt sich auch in Kleve messen.

Hubert Reyers betont, dass er keine Aussagen übers Klima treffen kann. Und dennoch scheinen seine Wetterdaten eine klare Sprache zu sprechen. Im Mittel ist es wärmer geworden. Es gibt weniger Dauerfrost- und Eistage im Winter. Dafür mehr Starkregen im Jahr: „Die Niederschlagsmengen haben sich nicht wesentlich verändert, aber die Niederschlagsverteilung im Jahr ist ungünstiger geworden“, sagt Reyers.

Zahlreiche Messdaten liegen vor

Wetterextreme habe es schon immer gegeben. So sei beispielsweise das 1996 sehr kalt gewesen, das Jahr 1998 hingegen extrem nass. Es fielen über 1000 Millimeter je Quadratmeter übers Jahr. Normal sind durchschnittlich 750 Millimeter. Im vergangenen Jahr, mit seinem extrem trockenen Sommer, gab es nur 520 Millimeter Regen, so Reyers.

Und eine weitere Aussage kann er aus seinen Aufzeichnungen ableiten: „Es ist noch niemals vorgekommen, dass nach einem so trockenen Sommer wie 2018 ein weiterer trockener Sommer folgt.“ Sich festlegen möchte Reyers sich für 2019 dennoch nicht. In der Wetteraufstatistik gibt: „Ein Jahr ist kein Jahr!“

Neue Wetterstation auf dem Dach

Hubert Reyers misst, was möglich ist: Windgeschwindigkeiten, Regenmengen, Luftdruck, Luftfeuchte und Temperaturen. Vor eineinhalb Jahren hat er in eine neue Dachwetterstation investiert, die nicht nur die üblichen Parameter mit hoch sensiblen Sensoren misst, sondern auch die Globalstrahlung. Letztere gibt wichtige Aussagen für Besitzer von Solaranlagen. Aber den meisten Besuchern auf www.wetter-niederrhein.de reichen die „normalen“ Werte.

Angesichts des zweiten regenarmen Sommers in Folge macht Reyers sich Gedanken: „Es werfen in alten Buchenwäldern die Bäume ihre Blätter ab. Das macht schon nachdenklich“, sagt er. „Aber noch ist dieser Sommer nicht vorüber. Ein paar Tiefdruckgebiete, die nun vielleicht noch kommen (vielleicht aber auch nicht), können den vergangenen Dürresommer nicht wieder wett machen. Und der Grundwasserspiegel sinkt eh schon seit Jahren.“ Dennoch, so gibt der Landwirt Reyers zu, „wenn die zweite Sommerhälfte Regen bringt, dann kommen wir Landwirte klar.“ Wenn. Denn das Wetter ist ein Chaossystem, sagt er. Und damit meint er, dass „meine Vorhersage vom Morgen sich abends schon wieder relativiert haben kann.“

Das macht seine Leidenschaft, die er als Landwirt ehrenamtlich und nebenberuflich ausübt, auch so interessant. „Es ist unheimlich spannend. Ein ,Job’, der sehr viel Spaß macht“, betont er. Aber vom „Wettergott“ ist er weit entfernt, versichert er. „Ich kann nicht sagen, ob der Sommer so trocken bleibt, oder nicht. Auch eine Vorhersage von mehr als sieben Tagen ist nicht seriös“, betont Reyers. Auch wenn viele anderes behaupten, so ist seine Maxime: „Es gibt keine verlässliche Vorhersage für das Wetter des nächsten Monats. Ich wäre der Herrgott, wenn ich wüsste, wie’s im August wird.“

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