El Salvador

Eine sehr nachhaltige Studienreise der Hochschule Rhein-Waal

Zur großen Müllsammelaktion trafen sich die Studierenden aus Kleve mit Einheimischen am Ufer des Rio Lempa.Jede Menge Plastikabfall wurde zusammengetragen, auch auffallend viele einzelne Plastikschuhe.

Zur großen Müllsammelaktion trafen sich die Studierenden aus Kleve mit Einheimischen am Ufer des Rio Lempa.Jede Menge Plastikabfall wurde zusammengetragen, auch auffallend viele einzelne Plastikschuhe.

Foto: Privat

Kleve.   Studierende der Hochschule Rhein-Waal aus Kleve hatten in El Salvador tiefe Einblicke in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Lage.

Voll Überschwang ist Prof. Dr. Dirk Reiser, Aufgabengebiet „Nachhaltiges Tourismusmanagement“ der Fakultät Gesellschaft und Ökonomie der Hochschule Rhein-Waal. Er kehrte gerade zurück aus El Salvador. Drei Wochen lang war er mit 25 Studierenden der Klever Hochschule – Kurs „Ökonomie, Ökologie und Ethik“ – im zentralamerikanischen Land unterwegs, plus vier Studierenden, die dort Projekte für ihr Praxissemester fanden. Von sich aus wären die meisten wohl nie dorthin gefahren, weiß der Professor. „Es geht um die Sensibilisierung der Studenten“, auf dass sie das „Glück der geografischen Geburt“ erkennen, sagt er.

Volles Programm, da war wirklich keine Zeit für Urlaub

Die Tage waren voll gefüllt. Da war wirklich keine Zeit für Urlaub, und doch: „Wir können uns wirklich glücklich schätzen, ein solch privilegiertes Leben führen zu können“, urteilt Studentin Jule Weidner nach der Rückkehr.

Die jungen Deutschen – von denen die Hälfte Spanisch spricht – trafen sich mit Indigenen (Ureinwohnern), mit dem Tourismusminister und der Koordinatorin des Öko-Tourismus’, sie besuchten Museen, eine Behindertenschule (mit erschreckend kleinem Jahres-Budget). Sie setzten mit einer aufsehenerregenden Müll-Sammelaktionen mit 150 Einheimischen in der Küstenregion des Rio Lempa ein Zeichen gegen Plastikmüll und Umweltverschmutzung.

Von „tiefgreifenden Einblicken in die gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Situation des Landes“ berichtet Imke Hans, die als weibliche Begleitung mit auf der Informationstour war. Die Studierenden sprachen bei einem sehr emotionalen Treffen, so Reiser, mit einem ehemaligen Guerillakämpfer, mit Helfern einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die weltweit nach Kindern suchen, die während der Kriegszeit aus El Salvador verschleppt, teils verkauft wurden. Sie besuchten ein Gefängnis und zwei Nationalparks Montechristo und Metapán.

Soll man schöne Orte privatisieren?

Mit indigenen Bewohnern einer „EcoLodge“ überlegten die Reisenden, wie sich in dem als gefährlich geltenden Land Tourismus entwickeln ließe, wie kleine Unternehmen auf Nachhaltigkeit umstellen könnten. Allerdings erhofften die Gesprächspartner von den deutschen Gästen gleich fertige Konzepte dafür, erzählt Reiser. Bei einer Wanderung auf den Vulkan Conchagua zeltete der Besuch aus Kleve mit einer tollen Aussicht unter dem Sternenhimmel El Salvadors. „Die Frage hierbei war, ob der Tourismus ausgeweitet werden sollte oder ob man grundsätzlich solch wunderschöne Orte privatisieren sollte oder nicht“, erzählt Studentin Jule Weidner.

Ökonomie-Studenten aus dem Bereich International Management fragten den deutschen Botschafter aus, wie man beruflich in den Diplomatischen Dienst oder NGO gelangt.

Zu Hause hatten die Studierenden durch einen eigenen Flohmarkt Geld eingenommen, mit dem sie sich vor Ort eine Whale-Watching-Bootsfahrt leisteten. Sie bekamen allerdings keinen Wal, aber wenigstens Delfine zu sehen, erzählt Prof. Reiser.

Sponsoren und die Flüchtlingshilfe Mittelamerika e.V. hatten die Reise mit ermöglicht. Klever Geschäfte spendeten auch Rollstühle und Koffer, die die Studierenden mitgenommen hatten. Die Hochschule hatte Unterkunft, Frühstück und Eintrittsgelder finanziert, die Flugreise zahlte jeder Student selbst.

„Ich kann mit sehr gutem Gewissen sagen, dass ich El Salvador kennen lernen durfte, weil ich nicht nur wie ein ganz normaler Tourist unterwegs war, sondern wirklich die Chance hatte, Land und Leute aus unterschiedlichen Klassen mit anderen Hintergründen kennen zu lernen“, sagt Johannes Deregowski.

Ein Gemeinsames entwickeln

„Für mich war es wie ein Gefühlschaos. Wir erlebten viele traurige und belastende, aber gleichzeitig auch viele schöne Erlebnisse“, klingt es bei Katinka Müller nach. „Lasst uns alle anfangen, ein Gemeinsames zu entwickeln, es würde uns allen nur helfen“, fordert Jule Weidner auf.

Prof. Dr. Dirk Reiser erinnert, dass „wir unseren Wohlstand darauf aufgebaut haben, 150 Jahre lang Länder wie dieses auszubeuten“. Versucht wird, eine Partnerschaft zwischen der Universität San Salvador und der Hochschule Rhein-Waal entstehen zu lassen.

  • Daten und Fakten
  • El Salvador in Zentralamerika ist ungefähr so groß wie das deutsche Hessen.
  • El Savador hat 7.332.000 Einwohner auf 21.041 Quadratkilometern.

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