Museum Kurhaus

Fulminanter Katalog zur Hofer-Ausstellung in Kleve

Das „Riker’s“ in New York fotografierte Evelyn Hofer 1953.

Das „Riker’s“ in New York fotografierte Evelyn Hofer 1953.

Foto: Katalog

Kleve.   Zur Ausstellung der Fotografie von Evelyn Hofer, Begegnungen, im Museum Kurhaus Kleve ist jetzt ein prachtvoller Katalog erschienen.

„Es ist wirklich eine Schande, dass die Fotografie erfunden wurde.“ Diesen Satz sagte nicht etwa eine berühmte Malerin oder Zeichnerin, es war die Fotografin Evelyn Hofer, die diese für ihren Berufsstand eher ungewöhnliche Ansicht vertrat. Und im Grunde deutlich machte, was sie während ihres künstlerischen Schaffens machte: Sie lotete mit Kamera und Objektiv die Grenzen ihres Genres aus, nicht selten schien sie sie zu überschreiten.

Zur aktuellen Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve (bis 23. Juni) ist jetzt ein fulminanter Katalog erschienen, der das Werk der 2009 gestorbenen Künstlerin gewissermaßen ins rechte Licht rückt.

Für große Magazine fotografiert

Evelyn Hofer fotografierte für die großen Magazine, sie porträtierte Künstler wie Andy Warhol oder Georg Baselitz auf unnachahmliche Weise, sie machte Reisereportagen. Die 1922 geborene Deutsch-Amerikanerin besetzt mit ihrer so vielfältigen Arbeit eine der wichtigsten Positionen in der jüngeren Geschichte der Fotografie.

Die „berühmteste unbekannte Fotografin Amerikas“ – so zitiert das Vorwort des Kataloges die Journalistin Hilton Kramer aus der New York Times – porträtierte über einen Zeitraum von fast einem halben Jahrhundert ihr jeweiliges Gegenüber fast wie für eine soziologische Studie. Dabei haben ihre Bilder niemals Schnappschuss-Charakter, sondern sind sorgfältig komponierte Ansichten von Städten wie New York oder Dublin, sie sind respektvolle Porträts von Menschen in ihrer jeweiligen Lebenssituation. Evelyn Hofer hat den Menschen, die sie fotografierte, ins Gesicht geschaut.

Hofer war in den Jahren zwischen 1960 und 2000 eine gefragte Fotografin. „Aber“, so schreibt Museumsleiter Prof. Harald Kunde im Katalog, „sie legte sich nicht auf ein Sujet fest.“ Vielleicht ein Grund, warum man sie heute nicht gleich zuzuordnen vermag. Dabei sind die Fotografien Evelyn Hofers geradezu zeitlose Dokumente. Beeindruckend ihre Aufnahmen der zurückhaltenden französischen Basken, der latenten Armut der Dubliner der 1960er Jahre oder der Menschen im Libanon zu Beginn der 1950er Jahre. Faszinierend sind ihre Künstlerporträts, die die Persönlichkeiten vor ihrer Kamera in ein oft genug überraschendes Licht setzen.

Ganz nah an die Malerei heran kommt Hofer mit ihren Stillleben, die Ende der 1990er Jahre entstanden. Mit dem prachtvollen Katalog, der das Werk von Evelyn Hofer mit fast 200 schwarz-weißen und Farbfotografien bebildert, setzen der Steidl Verlag und die Autoren Harald Kunde, Julia Sonnenfeld und Marion Bornscheuer eine Art Ausrufezeichen hinter das Werk der Fotografin. Und irgendwie hat die Künstlerin mit ihrer Kamera letztlich ihre ganz eigene Malerei geschaffen.

  • Der Katalog „Evelyn Hofer, Begegnungen“ ist in englischer und deutscher Sprache im Steidl Verlag erschienen. Im Buchhandel kostet das 290 Seiten starke Buch 48 Euro, im Museum Kurhaus 39 Euro.
  • Die Ausstellung im Museum Kurhaus Kleve kann noch bis 23. Juni besichtigt werden. Anschließend ist sie noch im Museum Moderner Kunst Wörlen Passau zu sehen (20. Juli bis 27. Oktober), bis sie schließlich in der Schweiz in der Fotostiftung Schweiz, Winterthur, gezeigt wird (ab 27. Februar 2020).

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