Gesundheit

Harninkontinenz: Klever Hospital bietet eine neue Hotline

Das St. Antonius-Hospital in Kleve.

Das St. Antonius-Hospital in Kleve.

Foto: AG / NRZ

Kleve.  Das Klever Antonius-Hospital bietet ein neues Hilfsangebot bei Harninkontinenz. Betroffen können sich jetzt ausführlich beraten lassen.

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In Deutschland leiden sechs bis acht Millionen Frauen unter Harninkontinenz. „Blasenschwäche“ sagt der Volksmund. Für eine individuelle Therapie der schambehafteten Beschwerden braucht es neben viel Erfahrung eine sorgfältige Diagnostik. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des St.-Antonius-Hospitals bietet Betroffenen darüber hinaus eine neue Hotline an.

Die Diagnostik beginnt mit einem ausführlichen Gespräch. „Mit Zuhören“, sagt Frank Marcus Czeckay, Oberarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St.-Antonius-Hospital Kleve. Der erfahrene Facharzt fragt nach genauen Beschwerden und Krankengeschichten: Wann und wie häufig muss die Patientin Wasser lassen? In welchen Situationen geht etwas „daneben“? Wie groß sind die Urinmengen? Hat sie Schmerzen? Ein Trink- und Blasentagebuch kann eine sinnvolle Vorbereitung sein.

Inkontinenz ist nicht gleich Inkontinenz

Ebenso wichtig wie die Anamnese ist eine sorgfältige körperliche Untersuchung. „Vor allem die urodynamische Untersuchung kann aufschlussreich sein“, so Czeckay. Bei der schmerzfreien Diagnostik kann der Arzt überprüfen, ob eine Fehlfunktion der Blase vorliegt.

Mediziner unterscheiden die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz, oft treten Mischformen auf. Bei der Belastungsinkontinenz kommt es zu einem unwillkürlichen Urinverlust, wenn sich der Druck im Bauchraum erhöht – etwa bei körperlicher Belastung, beim Husten, Niesen oder Lachen. Bei der Dranginkontinenz spüren Betroffen einen plötzlichen, übermäßig starken Harndrang und schaffen es nicht rechtzeitig zur Toilette.

Operationen bei größeren Beschwerden

Ursache für eine Belastungsinkontinenz ist oft eine Schwächung des Beckenbodens. Durch eine Senkung der Scheide und der Organe im kleinen Becken kommt es zu Senkungsbeschwerden. Bei einer leichten Beckenbodenschwäche kann ein Beckenbodentraining helfen. „Aber die Senkung entspricht einem Bruch“, sagt Czeckay. Und eine Operation ist eine mögliche Therapie.

Die Varianten der Operation sind dabei so verschieden wie die Beschwerden. Die Gebärmutter kann entfernt werden oder – wie die Scheide auch – am Kreuzbein, an der Beckenwand oder seitlich aufgehängt werden. Auch Kunststoffnetze oder Schlingen können die Rekonstruktion unterstützen. „Man sollte eine Senkung aber nur operieren, wenn sie große Beschwerden und Leidensdruck verursacht“, betont Czeckay, der in der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe das Department für Urogynäkologie leitet. „Wenn eine Frau mit der Situation klarkommt, bedarf es nicht unbedingt einer Therapie.“ Es gibt auch Alternativen zur Operation: Ein Pessar aus Silikon oder Kunststoff stützt Scheide oder Gebärmutter und verhindert, dass sich diese zu weit absenken. Angepasst und eingesetzt wird das Pessar beim Frauenarzt. „Es muss alle sechs bis acht Wochen gesäubert werden“, so Czeckay.

Dranginkontinenz: Vielfältige Ursachen

Bei der Dranginkontinenz kann die Blase den Urin nicht mehr ausreichend speichern. Schon bei geringer Blasenfüllung wird das Signal „Blase voll“ gegeben. Die Ursachen sind vielfältig: Nervenschäden oder -reizungen, neurologische Erkrankungen oder ständige Reizungen der Blase – zum Beispiel durch Blasensteine oder Harnwegsinfekte. Psychosomatische Faktoren können ebenfalls eine Rolle zu spielen. „In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache unklar“, so Czeckay. Was nicht bedeutet, dass eine Therapie unmöglich ist. In manchen Fällen bewährt sich ein Blasentraining mit sinnvoll angepassten Trinkmengen, einer geeigneten Getränkeauswahl und festen „Toilettenzeiten“. Medikamente können die Aktivität der Blasenmuskulatur dämpfen. Bei der Ernährung können blasenreizende Stoffe vermieden werden. Hat eine Dranginkontinenz seelische Auslöser, können Entspannungsverfahren wie autogenes Training helfen.

Großer Leidensdruck

„Harninkontinenz ist immer noch ein schambehaftetes Thema“, weiß Czeckay. Meist wenden sich Patientinnen – alle Altersgruppen sind betroffen – erst spät an einen Arzt. Wenn der Leidensdruck im Alltag schier unerträglich wird, wenn die Harninkontinenz den Alltag bestimmt. „Mit der individuell passenden Behandlungsmethode können wir die Lebensqualität unserer Patientinnen dramatisch verbessern“, weiß Frank Marcus Czeckay. Der medizinische Fortschritt ist rasant, die Vielfalt der Behandlungsmethoden groß. Dabei hilft Erfahrung. Und eine enge Zusammenarbeit mit Haus- und Fachärzten. „Denn eine sorgfältige Nachsorge ist ebenso wichtig wie die eigentliche Therapie“, so Czeckay.

Neue Hotline

Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe hat eine neue Hotline zur weiblichen Harninkontinenz eingerichtet, erreichbar mittwochs von 10 bis 11 Uhr (02821 490-7356). Betroffene können sich einen ersten Rat holen und sich zu Behandlungsmöglichkeiten informieren. Persönliche Gesprächstermine können auch über das Sekretariat der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe vereinbart werden, dafür ist die Überweisung eines Haus- oder Facharztes erforderlich.

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