Stadtplanung Kleve

Langstreckenläufer plant jetzt den Verkehr für Kleve

Gerald Klemenz erstellt für Kleve jetzt Verkehrskonzepte.

Gerald Klemenz erstellt für Kleve jetzt Verkehrskonzepte.

Foto: Anke Gellert-Helpenstein / NRZ

Kleve.  Gerald Klemenz ist seit April in Kleve. Der sportliche Literaturliebhaber freut sich auf Herausforderungen. Autoverkehr sei kein großes Problem.

Der Verkehrsplaner ist in vielen Städten und Gemeinden nicht mehr wegzudenken. In Kleve gab’s ihn bislang nicht – erst seit April leistet sich die Stadt einen eigenen Mann für den Verkehr: Gerald Klemenz, 43. Der gebürtige Hofheimer (am Taunus) hat sich nun zwei Monate in „seiner“ Stadt umgesehen und erste Einblicke in die Verkehrssituation seiner neuen beruflichen Wahlheimat bekommen.

Das gehört schließlich zu seinem Beruf – da liegt es in der Natur der Sache, dass er sich mit Bemessungen, Entwürfen und Planungen von multimodalen Verkehrswegen – Schiene, Straße, Rad- und Fußwege, Wasser- und anderen Verkehrsanlagen – befasst. Und diese in seinem Wirkungsfeld auch genau kennen muss.

Noch besitzt der Planer kein Auto und ist oft zu Fuß unterwegs

Das tat und tut Klemenz übrigens oft per pedes, denn der sportliche Mann ist begeisterter Langstreckenläufer und hat auch gegen Spaziergänge nichts einzuwenden. Vielmehr ist Klemenz eher selten mit dem Auto unterwegs, „ich habe nämlich keins“ verrät er.

Deswegen kennt er eines schon recht genau in der für ihn neuen Stadt: den Öffentlichen Personennahverkehr. Da Klemenz zur Zeit noch in Goch wohnt, ist er viel mit Bus und Bahn unterwegs. Und da fällt sein Urteil entsprechend ernüchternd aus.

„Der ÖPNV ist ausgesprochen schlecht und unzuverlässig“

„Der ÖPNV ist ausgesprochen schlecht. Sehr schlecht und unzuverlässig. So gibt’s kaum einen Zug, der nicht verspätet ist. Diese Verspätung müssen Fahrgäste hier zwingend mit einplanen, wenn sie von A nach B gelangen wollen.“ Im defizitären ÖPNV sieht der Verkehrsplaner dringenden Handlungsbedarf. „Der kann so keine Alternative zum Auto sein.“ Der Busverkehr sei allerdings wesentlich besser aufgestellt, als der Schienenverkehr.

Er selbst wird in Kürze nach Kleve umziehen. Die Stadt und das Umland gefallen ihm. Klemenz mag die Landschaft, die Natur, das „Draußen-Sein“. Hier kann der allein lebende Klemenz nicht nur arbeiten, sondern auch sein Leben führen – mit viel Sport. Schwimmen und Laufen sind seine Passion. Zahlreiche Halbmarathonläufe hat er bereits bestritten und sechs Marathonläufe stecken auch schon in seinen Knochen. Auch beim Training verliert der 43-Jährige seinen Beruf nicht aus den Augen. Hört und sieht vieles. So lobt er die Radfahrwege und angelegte Fahrradgaragen.

Auch Wegführung für Fußgänger an manchen Stellen schlecht

„Hier tut sich einiges“, lobt er. „Auch wenn man nicht von erstklassig reden kann.“ Luft nach oben ist also da. Gleiches gilt für die Fußgängerüberwege an den Straßen. „Besucher der Stadt haben mehrfach darauf hin gewiesen, dass die Wegführung an manchen Stellen für sie sehr schlecht sei, Wartezeiten an Fußgängerampeln viel zu lange.“ Auch da gilt: Lösungen müssen gefunden werden. Im Autoverkehr sieht der Verkehrsplaner in Kleve nicht die größten Hemmnisse. „Verglichen mit den Großstädten sind die Probleme hier eher klein.“ Klemenz weiß, wovon er spricht.

Denn nach seinem Studium „Stadt- und Regionalplanung“ an der Uni Kassel hat er als Verkehrsplaner für private Beratungsunternehmen viel Erfahrung in Deutschland und der Welt sammeln können.

Seine Sprachbegabung ist ihm immer von Nutzen

So war er auch schon beruflich in den Niederlanden, Südafrika, Chile unterwegs. Seine Sprachbegabung ist ihm immer von Nutzen gewesen. Er spricht Spanisch, Portugiesisch, Englisch. Niederländisch lernt er gerade. Und um die Sprachen auch sicher zu beherrschen, ist für Klemenz die Lektüre fremdsprachiger Bücher ein Muss. „Sonst lernt man die Sprachen nicht wirklich“, betont er.

Seine Arbeit als Verkehrsplaner schätzt Gerald Klemenz übrigens deshalb so sehr, weil sie so vielseitig ist. Das Mobilitätsverhalten der Menschen sei immer eine technische, soziale und auch politische Angelegenheit. Und befinde sich stets im Wandel. Ob das Fahrverhalten der Menschen, Bahnverbindungen, Klimawandel, Co2-Belastung, autonomes Fahren oder E-Mobilität – die Herausforderungen sind groß. Auch in Kleve.

Großzügiger Platz fürs Parken besser ausnutzen

So steht die Verkehrsführung in der Innenstadt ebenso auf der Agenda des Verkehrsplaners, wie ein besseres Konzept in Sachen Parkraumbewirtschaftung. „Da kann der wirklich großzügige Platz in der Klever Innenstadt besser genutzt werden“.

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