Historie

Louisendorf wird 200 Jahre alt und bekommt zwei Denkmäler

Flüchtlinge machten vor 200 Jahren den Waldstrich urbar und gründeten Luisendorf, benannt nach der verstorbenen preußischen Königin.

Flüchtlinge machten vor 200 Jahren den Waldstrich urbar und gründeten Luisendorf, benannt nach der verstorbenen preußischen Königin.

Foto: NRZ

Louisendorf.  Auf Antrag der Vereinsgemeinschaft Louisendorf werden zwei Denkmäler an die Besiedlung der „Ackerer“ und Heimatforscher Jakob Imig erinnern

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Die Geburtsstunde Louisendorfs jährt sich im nächsten Jahr zum 200. Mal. Das nimmt die Vereinsgemeinschaft Louisendorf e. V. zum Anlass mit zwei noch zu errichtenden Denkmälern an dieses Ereignis zu erinnern. Mit einem Förderantrag an den Kreis Kleve bitten die engagierten Bürger um finanzielle Unterstützung für ihr Projekt. Der Schul- und Kulturausschuss des Kreises gewährte diese Unterstützung am Donnerstag.

Im Jahre 1741 machten sich nachweislich 20 Familien aus dem Hunsrück per Schiff über den Rhein auf den Weg ins „gelobte Land“ nach Amerika. Religiöse Unterdrückung und kriegsbedingt wirtschaftliche Probleme waren die Gründe für den Auswanderungswunsch. Wegen fehlender Transportschiffe nach Amerika (diese wurden in einem Seekrieg zwischen England und Spanien eingesetzt) und somit einer fehlenden gültigen Passage von Rotterdam nach Amerika wurden die Siedler bei Schenkenschanz an der damals preußisch- niederländischen Grenze angehalten. Die Weiterfahrt wurde verweigert und so siedelten sie in dem heutigen Pfalzdorf auf der Gocher Heide.

Dem verödeten Calcarer Waldstrich ehrenvolle und ersprießliche Gestalt abgewinnen

Das dort zur Verfügung gestellte Areal reichte nicht mehr aus, so dass die Siedler sich an den preußischen König wandten, um den damaligen Kalkarer Wald urbar zu machen. Die Idee des Forstrates Zimmermann war es, „zur Ehrung der im Jahre 1810 heimgegangenen Königin Luise von Preußen dem verödeten Calcarer Waldstrich eine ehrenvolle und ersprießliche Gestalt abzugewinnen und ihr dadurch ein bleibendes Denkmal zu setzen“.

Die Antwort auf den Antrag des Forstrates gilt als die „Geburtsurkunde“ Louisendorfs. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. erließ am 30. September 1820 eine Kabinettsorder zur Gründung und Anlage des Dorfes Louisendorf.

Die Louisendorfer möchten als Denkmale zur 200-Jahrfeier einen Pferdepflug und eine Büste des Heimatforschers Jakob Imig sowie eine Infotafel dazu an der ehemaligen Schule / am Jakob-lmig-Archiv an der Hauptstraße 47 aufstellen. Die Kosten, so die Vereinsgemeinschaft, lägen bei rund 12.200 Euro.

Im Jahr 1821 wurden 200 Grundstücke in Louisendorf verlost

Zum Hintergrund schreiben Ortsvorsteher Jürgen Graven und Vereinsmitglied Heinz Minor: Im Jahr 1821 wurden 200 Grundstücke in Louisendorf verlost, sie gingen fast 100 Prozent an Landwirte, damals Ackerer genannt. Louisendorf war also von Anfang ländlich und landwirtschaftlich geprägt.

Mit der Aufstellung eines Pfluges soll an die Anfänge Louisendorfs, die schwere Arbeit der Landwirte und die Geschichte des Dorfes erinnert werden. Gleichzeitig lehnt sich dieses Denkmal mit seinem Thema auch an den Gedenkstein in Pfalzdorf an, der dort anlässlich der 250-jährigen Besiedelung der Gocher Heide aufgestellt wurde. Der Gedenkstein zeigt einen Ackerer mit Pferd und Pflug. Die Inschrift tautet: „Die Wüste wird zum Acker werden“. Die Louisendorfer verweisen durch die Aufstellung eines Pfluges auf ihre pfälzischen Wurzeln.

Jakob Imig war eigentlich Bauer aus echtem Schrot und Korn, der seinen Acker bestellte. Aber er lernte früh Harmonium spielen und war lange Zeit Organist in Louisendorf. Als erster nahm er sich systematisch der Ahnen- und Geschichtsforschung der Pfälzer am Niederrhein an. Vor dem zweiten Weltkrieg schrieb er die Kirchenbücher der umliegenden Gemeinden ab, so blieben diese für die Nachwelt erhalten. In den Kriegswirren sind die Original Kirchenbücher verschollen.

Auch das Heimatlied stammt aus der Feder von Jakob Imig

Außerdem schrieb er Bücher zu diesen Themen und verfasste Gedichte. Das Louisendorfer Heimatlied stammt aus der Feder Jakob Imigs. Er hielt Vorträge und seine Arbeiten wurden in vielen Publikationen veröffentlicht. 1955 war er Mitbegründer des Pfälzerbundes am Niederrhein, übernahm die Schriftleitung des Jahresheftes „Pfälzer am Niederrhein“. Er wirkte über den Niederrhein hinaus. 1976 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz und 1977 mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. Als er 1994 verstarb, vermachte er seine Unterlagen der Gemeinde Bedburg-Hau mit der Auflage, dieser der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2005 wurde das Jakob-lmig-Archiv in den ehemaligen Lehrerwohnungen Louisendorf eröffnet.

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