Karnevalsserie

Poorte Jäntje: Das Zuhause des Gocher Kneipenkarnevals

Mit jeder Menge Karnevalsorden dekoriert und seit 1993 Chefs im Zentrum des Gocher Kneipenkarnevals: André Lang und Beate Janssen betreiben gemeinsam das Poorte Jäntje an der Voßstraße.

Mit jeder Menge Karnevalsorden dekoriert und seit 1993 Chefs im Zentrum des Gocher Kneipenkarnevals: André Lang und Beate Janssen betreiben gemeinsam das Poorte Jäntje an der Voßstraße.

Foto: Niklas Preuten

Goch.  André Lang und Beate Janssen betreiben seit 1993 das Poorte Jäntje an der Voßstraße in Goch. Das Paar spürt den Wandel beim närrischen Feiern.

Die aktuelle Karnevalssession verläuft für André Lang und Beate Janssen fast schon entspannt, weil die Narrenburg diesmal nicht in ihrem Poorte Jäntje steht. Der Kneipier wird am Karnevalssamstag wahrscheinlich sogar Zeit finden, seine Fohlen-Elf im Mönchengladbacher Borussia-Park gegen Hoffenheim anzufeuern. Wenn jedoch die 1. Große Gocher Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß, der Karnevals-Club-Concordia Goch oder die Pumpengemeinschaft Vrouwenpoort, die alle das Poorte Jäntje zu ihrem Vereinslokal auserkoren haben, das Prinzenpaar stellt, dann wird die Kneipe an der Voßstraße 94 zum Epizentrum des Gocher Kneipenkarnevals.

„In den zwei Wochen vor Rosenmontag beginnen die Tage dann oft um 7.30 Uhr und enden am Wochenende auch mal um 5 Uhr morgens“, sagt André Lang. Die Prinzengarde trifft sich im Poorte Jäntje, kommt zwischen den zahlreichen Terminen dorthin zurück und feiert freitags und samstags nach dem letzten Auftritt ausgelassene Partys in der Narrenburg. Den Stress, den diese intensive fünfte Jahreszeit fraglos mit sich bringt, spüren die Gastronomen nach eigenem Bekunden gar nicht. André Lang und Beate Janssen kennen es ja auch kaum anders, betreiben sie doch bereits seit 1993 das Poorte Jäntje zusammen. „Wenn der Laden voll ist, macht es immer Spaß“, meint Lang.

Ausverkaufte Flüstersitzungen

Selbst wenn der karnevalistische Ausnahmezustand in diesem Jahr etwas seltener in der Bar mit Restaurant und Biergarten herrscht, so hat der Gocher Kneipenkarneval doch auch in dieser Session hier seinen Platz. Die Pumpengemeinschaft Vrouwenpoort feierte ihre beiden ausverkauften Flüstersitzungen „in muckeliger Atmosphäre“, wie André Lang über das ursprüngliche Konzept ohne Verstärker sagt. Die drei im Poorte Jäntje beheimateten Karnevalsvereine kamen zur KCC-VP-RW-Night zusammen, und auch am kommenden Sonntag bewirten André Lang und Beate Janssen die Jecken – im Poorte Jäntje beim Rot-Weiß-Frühschoppen und parallel bei der KCC-Herrensitzung im Gocher Kastell. Dort übernimmt das Betreiberpaar das Catering für die Veranstaltungen „seiner“ Karnevalsvereine.

Nach Langeweile hört sich dieser Terminplan nicht an, doch die beiden 53-Jährigen sind bereits so lange im Geschäft, dass sie den Wandel beim närrischen Feiern deutlich feststellen. „Früher gab’s in Goch mehr Saalkarneval“, sagt Beate Janssen. Damals bauten die Gastronomen auch noch ein Zelt im eigenen Biergarten auf.

Heute lockt das große Festzelt zwischen Altweiber und Rosenmontag Tausende auf den Klosterplatz. Die Poorte-Jäntje-Betreiber, die selbst drei Jahre in Goch und sogar sechs Jahre in Kleve das Catering in den Festzelten organisierten, ziehen daraus in diesem Jahr Konsequenzen: freitags, samstags und sonntags ist geschlossen. Zum Möhneball haben jedoch einige Firmen bereits Tische reserviert, und Rosenmontag ist die Kneipe ebenfalls ein Anlaufpunkt für viele Narren: Der Zug löst sich gleich vor der Tür auf. „Dann ist es mit einem Schlag rappelvoll“, sagt André Lang.

Küchenchef hat über Karneval frei

Nach dem Fischessen am Aschermittwoch ist auch im Poorte Jäntje alles vorbei – nur aus karnevalistischer Perspektive wohlgemerkt. Denn anschließend kommt Küchenchef Frank Mittelhammer aus seinem Urlaub zurück und bereitet ab dem 19. März wieder das beliebte Tapas-Buffet zu, ehe ab Ostern auch der Biergarten wieder öffnet.

So gibt das Poorte Jäntje Karnevalisten, Stammgästen und Ausflüglern einen gemütlichen Treffpunkt, der in Zeiten des deutlich sichtbaren Kneipensterbens in Goch selten geworden ist. „Es ist unheimlich schwierig, einen Nachfolger zu finden“, stellt André Lang fest. Das ist aber nicht der einzige Grund, warum er und Beate Janssen nicht ans Aufhören denken. Das Geschäft an der Theke macht ihnen einfach noch zu viel Spaß.

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