Prozess

Sozialpädagoge aus Kevelaer gesteht Missbrauch an Kindern

Der Sozialpädagoge aus Kevelaer hatte sich im Juli 2019 über einen Anwalt selbst angezeigt.

Der Sozialpädagoge aus Kevelaer hatte sich im Juli 2019 über einen Anwalt selbst angezeigt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Kevelaer/Kleve.  Ein Sozialpädagoge aus Kevelaer hat vor dem Landgericht Kleve den Missbrauch von Kindern in über 50 Fällen gestanden. Er zeigte sich selbst an.

Im Verfahren wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs an Kindern gegen einen Sozialpädagogen aus Kevelaer vor dem Landgericht Kleve hat der Angeklagte die Vorwürfe weitgehend eingeräumt. „Es ist größtenteils so gewesen“, sagte der 50-Jährige am Freitag vor der 7. großen Strafkammer. Er habe nicht mehr die Kontrolle gehabt, so der Mann. „Ich habe es nicht geschafft, die Kinder vor mir zu schützen.“ Lediglich in einem angeklagten Fall habe es keine Berührung gegeben, sagte der Mann aus.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 50-Jährigen sexuellen Missbrauch von Kindern in 52 Fällen zwischen 1998 und 2019 vor. In einem Großteil der Fälle ist ein minderjähriges Kind aus der Familie des Mannes das Opfer gewesen. 42 Mal soll der Angeklagte das Kind zwischen 1998 und 2002 missbraucht haben. Wobei das Opfer selbst vor Gericht von 50 bis 60 Fällen sprach. Die Übergriffe begannen, als das Kind acht Jahre alt war. „Er hat mein Vertrauen mehrfach und eiskalt missbraucht“, so das heute volljährige Opfer. Es sei während dieser Zeit immer wieder zu Berührungen durch den Angeklagten gekommen, in der Wohnung des Mannes und während zweier Urlaube in den Niederlanden.

Weitere Missbrauchs-Fälle bei Ferienfreizeiten

In weiteren zehn Fällen soll es zwischen 2013 und 2019 bei Ferienfreizeiten, die der Angeklagte als Betreuer begleitet hat, zu sexuellen Übergriffen auf Minderjährige gekommen sein. Der Mann hatte sich im Juli 2019 selbst angezeigt, nachdem es bei einer Ferienfreizeit zu einem Fall von sexuellem Missbrauch gekommen war. Er habe sich neben einem schlafenden Jungen selbst befriedigt.

Der Fall war erst durch diesen Vorfall im Sommer ins Rollen gekommen. Das erste Opfer des Mannes hatte aus Angst über mehrere Jahre geschwiegen. Zum einen, weil der Mann dem damals noch minderjährigen Kind offenbar gesagt habe, dass es nichts sagen soll, weil dies „die Familie zerstören“ würde. Der Sozialpädagoge hat dies in seiner Aussage abgestritten. Zum anderen, weil das Opfer laut Aussage Sorge um die eigene Glaubwürdigkeit hatte: „Ich dachte, mir wird nicht geglaubt.“

Angeklagter ist als Filmemacher in Kevelaer bekannt

Die Situation im Sommer sei dann aber Anlass gewesen, das eigene Schweigen zu brechen. Neben dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs wird dem Mann außerdem Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen. Bei einer Durchsuchung im vergangenen Juli waren 27 Bilder mit entsprechenden Inhalten auf Speichermedien gefunden worden. Für die Herkunft der Bilder hatte der Angeklagte keine Erklärung.

Die Nachricht von der Inhaftierung des damals 49-Jährigen im Juli des vergangenen Jahres hatte in Kevelaer für großes Aufsehen gesorgt. Der Mann war in der Stadt bekannt, trat als Sozialpädagoge und Filmemacher öffentlich auf. Dementsprechend groß ist das Interesse der Öffentlichkeit an dem Fall. Bei der Anklageverlesung im Landgericht Kleve waren die Zuschauerränge fast komplett gefüllt. Der Kevelaerer sitzt seit Juli in Untersuchungshaft.

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