Hochschul-Serie

Viele brechen das Studium an der Hochschule Rhein-Waal ab

Blick auf den Campus Kleve der Hochschule Rhein-Waal.

Blick auf den Campus Kleve der Hochschule Rhein-Waal.

Foto: Astrid Hoyer-Holderberg

Kleve/Kamp-Lintfort.  Interne Zahlen der Hochschule Rhein-Waal zeigen: Besonders in der Fakultät Technologie und Bionik brechen viele das Studium ab.

Ende Juni versandte die Hochschule Rhein-Waal wieder eine der Pressemitteilungen, denen ein Foto beigefügt ist, auf dem die Absolventen ihre Hüte freudig in die Luft werfen. 684 junge Frauen und Männer, so hieß es im Text dazu, hätten an der Hochschule einen Abschluss erlangt, entweder einen Bachelor oder Master. Die Mitteilung erweckt den Eindruck, die Hochschule mit den Standorten in Kleve und Kamp-Lintfort werde dem Anspruch der Landesregierung auf eine „exzellente Ausbildung“ gerecht und entlasse scharenweise Akademiker, insbesondere dringend benötigte Ingenieure, ins Berufsleben.

Doch das Bild täuscht, wie interne Zahlen der Hochschule belegen. Demnach bringen an der binnen weniger Jahre auf mehr als 7000 Studierende gewachsenen Hochschule die meisten ihre akademische Ausbildung nicht ordnungsgemäß zu Ende – und zwar mit einer Quote des Scheiterns, die weit über dem Durchschnitt der Fachhochschulen in Deutschland liegt.

Zwei Statistiken dokumentieren dies besonders augenfällig: Eine so genannte Kohortenanalyse zeigt den Schwund von Studenten von Semester zu Semester auf. Wie viele von denen, die sich für einen Bachelorstudiengang eingeschrieben haben, sind ein Semester später noch dabei? Und wie viele zwei, drei, vier Semester später? Im Wintersemester 2010/11 begannen 504 Frauen und Männer ihr Bachelor-Studium an der HSRW. Ein Semester später waren es nur noch 431 (minus 14 Prozent), zwei Semester später 379 (minus 25 Prozent), drei Semester später 342 (minus 32 Prozent), vier Semester später 319 (minus 37 Prozent). Im achten Fachsemester schließlich waren von der ursprünglichen Gruppe noch 229 Studenten übrig (minus 55 Prozent). All diese Veränderungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Studienabbrecher zurückzuführen. Erst vom achten Semester an (Regelstudienzeit plus ein Semester) sind es tatsächliche Absolventen, die zu einer weiteren Verringerung der Zahl beitragen.

Die Kohortenanalyse belegt auch für die vier weiteren Jahrgänge 12/13, 13/14, 14/15 Rückgänge von über 50 Prozent. Das heißt umgekehrt: Mehr als jeder zweite Student beendet sein Studium nicht wie vorgesehen an der HSRW.

Wer die Hochschule verlässt, muss sich exmatrikulieren (ausschreiben). Gründe dafür sind im Wesentlichen der Abbruch des Studiums oder dessen erfolgreiche Beendigung. Denkbar sind aber auch Pausen oder der Wechsel des Studienortes. Eine Tabelle mit der Überschrift „Abschlussquoten“, in der die Zahlen der exmatrikulierten Studenten mit denen der Absolventen in eine Beziehung gesetzt werden, offenbart ebenfalls erschreckende Zahlen.

Zusammengefasst kommen in der Fakultät Technologie und Bionik auf 795 exmatrikulierte Studenten 172 mit einem Bachelor-Abschluss – eine Abschlussquote von 22 Prozent. In der Fakultät Life Sciences liegt dieser Wert bei immerhin 40 Prozent (468 von 1161), in der Fakultät Gesellschaft & Ökonomie bei 41 Prozent (757 von 1842), und am besten steht noch die Fakultät Kommunikation und Umwelt in Kamp-Lintfort da, die einen Wert von 46 Prozent (800 von 1724) erreicht.

Alle Fakultätszahlen addiert, ergibt sich ein Wert von 40 Prozent. Die Werte könnten vermutlich besser sein, wenn die ursprüngliche Zielsetzung der Hochschule tatsächlich realisiert worden wäre, in großem Maßstab Studierende zu gewinnen, die sich zusätzlich zum Beruf oder zur Ausbildung an der HSRW einschreiben.

Die Zahlen aber offenbaren auch in diesem Segment, dass dieses Ansinnen zu keinem Zeitpunkt ernsthaft verfolgt worden ist: Insgesamt gibt es laut Bericht 103 solcher Studenten (1,5 Prozent), ganze zehn davon in der Fakultät Technologie und Bionik.

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