Radverkehr

Wie Nimwegen zur Vorzeigestadt für den Radverkehr wurde

In Nimwegen wird der Radverkehr größtenteils vom Autoverkehr separiert. Hier eine Radstraße in Lent.

In Nimwegen wird der Radverkehr größtenteils vom Autoverkehr separiert. Hier eine Radstraße in Lent.

Foto: Andreas Gebbink / NRZ

Nimwegen.  Zwei Drittel der Nimweger fahren mit dem Rad zur Arbeit – und der Radverkehr wächst weiter. An diesem Wandel arbeitet die Stadt Nimwegen hart.

Fahrradwege entlang großer Hauptstraßen? „Das versuchen wir mittlerweile zu vermeiden. Denn es ist nicht nur ungesund für den Radfahrer, es macht auch keinen Spaß entlang all der Autos zu fahren. Radfahrer benötigen ihre eigenen Straßen“, sagt Harriët Tiemens.

Seit sechs Jahren ist die Grünen-Politikerin als Beigeordnete verantwortlich für den Radverkehr und peu à peu wurde die Nachbarstadt von Kleve für Fietser umgebaut. Mit Erfolg: „Wir sehen ein jährliches Wachstum des Radverkehrs um 20 Prozent. Und darauf bin ich stolz“, sagt Tiemens.

Nimwegen will noch mehr Radfahrer in der Stadt

Auf den innerstädtischen Strecken (drei bis vier Kilometer) fahren mittlerweile 67 Prozent der Nimweger mit dem Fahrrad zur Arbeit und auch auf längeren Routen greifen die Niederländer häufiger zum Fahrrad: Das Pedelec eröffnet neue Möglichkeiten. 15 bis 20 Kilometer sind so leicht zu überwinden. „Das E-Bike ist der Game Changer“, sagt Tiemens. Heute gehört Nimwegen zusammen mit Zwolle und Utrecht zu den fahrradfreundlichsten Städten in den Niederlanden.

Harriët Tiemens erklärt, dass Nimwegen an mehreren Themen gleichzeitig gearbeitet hat. So habe man gemeinsam mit 18 Nachbarkommunen ein Radschnellwegenetz aufgebaut, welches kontinuierlich fortgeführt werde. Auf diesen Wegen haben Radler Vorrang, es gibt keine Kreuzungen, keine Ampeln. Man kann immer zügig in die Pedale treten. Hauptstraßen werden mit einer Brücke oder einer Unterführung gequert. „Diese Straßen verbinden die verkehrlichen Hauptachsen in der Region“, sagt Tiemens.

Lesen Sie hier unseren Kommentar zum Thema: Liebe Planer: Denkt beim Radverkehr wie die Niederländer

Und die Niederländer scheuen sich auch nicht davor, ausschließlich eine Fahrradbrücke über die Maas zu legen, wie jetzt bei Mook jüngst geschehen, oder eine Fahrradstraße unterhalb der Autobahnbrücke über den Pannerdenschen Kanal zu planen - die Ende des Jahres errichtet wird.

Neben den Radschnellstraßen für den überörtlichen Verkehr benötige man aber auch Radstraßen in der Stadt, die den Namen verdienen. Auch hier habe Nimwegen in den vergangenen Jahren viel investiert. Überall in den Wohngebieten sieht man Straßenbauarbeiten, um klassische Anliegerstraßen für den Radverkehr umzubauen. Entweder wird der Autofahrer ganz ausgeschlossen oder er ist nur zu Gast und muss dementsprechend vorsichtig agieren. In der gesamten Stadt soll künftig, ausgenommen Hauptstrecken, Tempo 30 gelten.

Radverkehr wird konsequent vom Autoverkehr getrennt

„Wichtig ist, dass der Radfahrer auch eine Struktur der Wegeführung erkennt“, sagt Tiemens. Einzelne Radstraßen, die keine Verbindungen haben, bringen wenig. Eine Radverkehrsplanung muss ganzheitlich gedacht werden. Das Netz in Nimwegen wird so gut angenommen, dass in den Tageszeitungen jetzt regelmäßig über Fahrradstaus zwischen Bahnhof und Universität berichtet wird. Mit Hilfe der Universität wurde das Problem verringert - die Seminare beginnen jetzt zu unterschiedlichen Zeiten. Voll ist es auf den Hauptstrecken aber immer noch.

Um den Radverkehr deutlich vom Autoverkehr zu trennen arbeiten die Niederländer seit Jahren mit einer Einfärbung der Straßen: Radwege sind rot. Und damit ist dies ein deutliches Signal an Rad- und Autofahrer: „Dies dient der Erkennbarkeit und der Sicherheit“, sagt Tiemens. Rote Wege seien zwar etwas teurer, aber kein Hindernisgrund sie nicht zu bauen.

Aber es geht nicht nur um Radwege. Auch Fahrradabstellmöglichkeiten sind wichtig. Am Bahnhof, in der Stadt und an der Universität lassen sich überwachte Fahrradgaragen finden, in denen man sicher sein teures E-Bike abstellen kann – und das umsonst. Auch der Wechsel des Verkehrsträgers soll in den nächsten Jahren noch erleichtert werden. Mit Hilfe von EU-Geldern werden in Nimwegen zehn E-Hubs in Wohngebieten realisiert, in denen man vom E-Bike auf E-Auto oder E-Bus umsteigen kann.

Harriët Tiemens weiß, dass die Radverkehrsentwicklung nicht selbstverständlich ist. Auch im Nimweger Stadtrat gibt es mit der Partei VVD eine große Autofahrerlobby. „Aber wir müssen doch erkennen, dass der Verkehr so stark zugenommen hat, dass wir nicht endlos auf das Auto setzen können“, so Tiemens. Der Radfahrer verhindert nicht nur Staus auf den Straßen, sondern er bewegt sich auch mehr und lebt damit gesünder.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben