Bildung

Zum ersten Mal Mädchen auf der Gaesdonck

Coco sitzt am Schreibtisch ihres Zimmers in der Gaesdonck, Lennert (links) lernt das Internatsleben auch gerade erst kennen, während Gereon schon seit vier Jahren das Internatsgymnasium besucht

Coco sitzt am Schreibtisch ihres Zimmers in der Gaesdonck, Lennert (links) lernt das Internatsleben auch gerade erst kennen, während Gereon schon seit vier Jahren das Internatsgymnasium besucht

Foto: Christian Breuer / Bischöfliche Pressestelle

Goch-Gaesdonck.  Nach 170 Jahren ziehen die ersten Mädchen ins Gocher Internat ein. Die Zahl der Schüler ist deutlich gestiegen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Hier entlang!” – der 17-jährige Gereon geht mit schnellen Schritten voran, durch lange Gänge mit hohen Fenstern, durch verwinkelte Treppenhäuser und über knarzende Holzböden. Er kennt sich aus auf der Gaesdonck, wie das „Bischöfliche Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck“ in Goch am Niederrhein kurz genannt wird. Seit vier Jahren lebt der junge Mann, der ursprünglich aus Aachen kommt, nun schon hier. Gereon sei „ein alter Hase“, sagt Direktor Dr. Markus Oberdörster lachend.

85 Internatsschüler haben sich angemeldet

Ganz anders Coco und Lennert, beide 16 Jahre alt und aus Düsseldorf. Kaum zwei Wochen ist es her, seit sie Internatsschüler geworden sind. Damit sind sie zwei von 85 Mädchen und Jungen, die sich für das Leben und Lernen am Internat entschieden haben. Das sind deutlich mehr, als in den vergangenen Jahren. Während in den vergangenen beiden Jahrzehnten viele Internate zumindest in Deutschland schließen mussten, liegen sie jetzt, ähnlich den Privatschulen, offensichtlich wieder im Trend. Auf der Gaesdonck konnten in diesem Jahr sogar zusätzliche Räumlichkeiten neu belegt werden. So sind in den traditionellen „Primanerbau“ jetzt zum ersten Mal in der 170-jährigen Geschichte des Internats Mädchen eingezogen. Dort wohnen nun die Oberstufenschülerinnen im Mädchenhaus „Aquila“.

Auf das Abitur konzentrieren

In diesem Trakt kennt auch Coco sich schon aus, schließlich wohnt sie in einem der hellen, freundlichen Zimmer. Ein eigenes Waschbecken hat sie, Schränke, einen Schreibtisch am Fenster. Die 16-Jährige hat sich kurzfristig entschieden, an den Niederrhein zu ziehen. „Ich bin gerade mit der Realschule fertig und möchte ein gutes Abitur machen. Darauf kann ich mich hier konzentrieren“, sagt sie.

Wertevermittlung ist wichtig

Für Coco spielte es bei der Wahl des Internats auch eine wichtige Rolle, dass die Gaesdonck ein katholisches Haus ist. „Natürlich ist es mir wichtig, ein gutes Abi zu machen, aber hier werden auch die Werte vermittelt, nach denen ich leben will“, betont sie. Damit kann sich auch Lennert identifizieren, der zwar selbst evangelisch ist, sich im katholischen Internatsleben aber gut zurecht findet. „Auf meiner alten Schule spielte Religion gar keine Rolle. Hier werden zwar die christlichen Werte vermittelt, aber auch nicht übertrieben. Ich finde das positiv, denn man merkt, wie gut es einem eigentlich geht.“

Nach dem Rundgang verschwinden die drei Schüler wieder in einer der Gänge der Gaesdonck. Die Mittagszeit ist um und es stehen Gruppenangebote und danach die Studierzeit auf dem Stundenplan, in der die Hausaufgaben gemacht werden – gegebenenfalls unterstützt durch die Fachlehrer. „An die Taktung muss man sich schon gewöhnen“, gibt Lennert im Gehen grinsend zu, „aber es gibt ja auch noch genug Freizeit, um sich zu erholen.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben