Kirchenmusik

Zur Freude der Menschen in Kleve

Heinz Kersken hat Kirchenmusik studiert.

Heinz Kersken hat Kirchenmusik studiert.

Foto: Andreas Daams

Kleve.   Heinz Kersken war 37 Jahre lang Kantor an der Stiftskirche Kleve. Am Sonntag wird er in den Ruhestand verabschiedet.

„Bis zuletzt habe ich den täglichen Gottesdienst immer mit Freude gespielt“, sagt Heinz Kersken. 37 Jahre lang war er Kantor an der St. Mariä Himmelfahrt Kleve, davon lange Jahre als Regionalkantor mitverantwortlich für die Ausbildung nebenamtlicher Organisten in Xanten. Am Sonntag, 16. September, verabschiedet ihn die Gemeinde um 11.30 Uhr mit einem Dankgottesdienst in der Stiftskirche. Jetzt ist Ruhestand angesagt. Aber so richtig ruhig wird es nicht. Denn Kersken hat nicht nur eine Orgel in seinem Haus, sondern auch ein Saxophon. Musik geht immer.

Angefangen hat die Sache mit der Musik schon im Dinslakener Elternhaus. Die Oma spielte Klavier, der Vater Orgel – wenn auch auf einem niedrigeren Niveau –, und am Gymnasium bekam jeder, der einigermaßen singen konnte, eine hauseigene Geige in die Hand gedrückt. Weil Heinz Kersken zudem kirchlich als Messdiener aktiv war, lag es nicht so fern, Kirchenmusik zu studieren. Wobei er eigentlich auch gerne bei der Bundeswehr Pilot oder ähnliches geworden wäre.

Die Aufnahmeprüfung an der Folkwang-Hochschule in Essen bestand er jedenfalls sogleich. Wobei: „Ich habe mich für das Studium der Kirchenmusik entschieden, weil man da weniger singen musste als bei Schulmusik“, erzählt Kersken amüsiert. Denn in der Praxis war es dann natürlich genau umgekehrt. Und weil ein gewisser junger Geistlicher namens Viktor Roeloffs damals von Dinslaken an die Stiftskirche nach Kleve wechselte und der dortige Kantor Hermann van den Boom wegen Krankheit ausfiel, bekam Kersken nach dem Studium sogleich seine feste Stelle in Kleve. Ohne Ausschreibung. „Das ging damals auf dem kleinen Dienstweg“, erinnert er sich.

Seine Bedingung: Eine neue Orgel muss her. In der Stiftskirche gab es damals nur die Not-Orgel, die man nach dem Krieg für die Notkirche im Kolpinghaus erworben hatte. 1992 wurde dann die Rieger-Orgel eingeweiht, auf der seither auch zahlreiche Gastorganisten Konzerte gegeben haben. „Das war gewiss der Höhepunkt meiner Zeit“, findet Heinz Kersken. Kirchenmusiker zu sein, bedeutete neben dem Orgelspiel in bis zu drei Messen täglich auch noch die Leitung von Chor, Kinderchor und Choralschola.

Heute sind bei den Katholiken Gemeinden fusioniert, Gottesdienste nicht zuletzt wegen Priestermangels zusammengestrichen, in Chören fehlen Männerstimmen, und statt 15 jungen Leuten, die in Xanten die C-Ausbildung machen, sind es heute gerade mal fünf. Käme jetzt ein Jugendlicher zu ihm und würde ihn fragen, ob er Kirchenmusik studieren soll, was würde Heinz Kersken antworten? Drei klare Worte: „Lass es bleiben.“ Nebenamtlich sei das sicher weiterhin eine gute Sache, aber hauptamtlich werde der Job durch die Fusionen immer aufreibender. „Man fährt dann für Gottesdienste durch die Gegend und hat womöglich vier oder fünf Chöre überall verstreut.“ Keine idealen Arbeitsbedingungen.

Kerskens Stelle jedenfalls wird neu ausgeschrieben. Er selbst wird sicherlich noch hin und wieder an der Orgel in der Stiftskirche aushelfen. Doch er möchte den Ruhestand genießen.

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