Corona-Folgen

Attendorn: So verändert Corona den Alltag einer Postbotin

Sandra Siepe stellt seit fast 30 Jahren Post in Attendorn zu. Ein krisensicherer Job, der aber nicht im Homeoffice erledigt werden kann.

Sandra Siepe stellt seit fast 30 Jahren Post in Attendorn zu. Ein krisensicherer Job, der aber nicht im Homeoffice erledigt werden kann.

Foto: Hellner-Freund/DPDHL

Grevenbrück/Attendorn.  Sandra Siepe ist Postzustellerin in Attendorn und Mutter von drei Kindern. So schafft sie den Spagat zwischen Job und Familie in der Corona-Zeit.

Arbeiten, Kinder betreuen, einkaufen, kochen, putzen, waschen: Was ohnehin eine gute Selbst-Organisation verlangt, wird in Zeiten von Corona nochmal auf eine harte Durchhalte-Probe gestellt. Das hat auch Sandra Siepe aus Grevenbrück festgestellt.

Die 48-Jährige ist Mutter von drei Kindern (21, 14 und 10) und meistert täglich den Spagat zwischen Job und Familie. Sowohl sie, als Postzustellerin der Deutschen Post DHL Group, als auch ihr Mann, der in der Kunststoffindustrie tätig ist, wurden als systemrelevant eingestuft. Beide können nicht im Homeoffice arbeiten – genaue Planungen und Absprachen sind demnach unerlässlich in ihrem Alltag.

„Mutter, Zustellerin, Putzfrau, Lehrerin: Man ist irgendwie alles gleichzeitig“, sagt Sandra Siepe. Zumal ihre zwei jüngsten Kinder durch den coronabedingten Lockdown wochenlang nicht in die Schule gehen konnten. „Das war schon nicht einfach“, meint Siepe.

Sandra Siepe kommt ursprünglich aus Werl und hat ihre Ausbildung bei der Post in Soest absolviert. Die Liebe verschlug sie 1998 schließlich nach Grevenbrück, wo auch ihre erste Tochter zur Welt kam. Siepe ist im Sauerland angekommen – auch beruflich. Nach der Elternzeit steigt sie wieder in ihren Job ein, allerdings mit einer reduzierten Wochenstundenzahl.

Ihr Zustellbezirk: ein Teil des Attendorner Stadtzentrums. Der hat sich bis heute nicht geändert. „Das ist wirklich schön, wie viele Menschen man in der Zeit kennengelernt hat und wie die einem tatsächlich auch ans Herz wachsen können“, erzählt Siepe.

Smalltalk gegen die Einsamkeit

Vor knapp zwei Wochen habe sie zum Beispiel aus der Tageszeitung erfahren, dass einer ihrer Kunden verstorben sei. „Das war schon ein Schock. Das war jemand, der immer offen für ein kurzes Gespräch war. Wenn das nicht mehr da ist, fehlt einem das natürlich“, sagt sie. Überhaupt: Gerade jetzt in der Corona-Krise würden viele, vor allem ältere und alleinstehende Menschen, einen kurzen Smalltalk einfordern. Ein paar Minuten gegen die Einsamkeit.

Schichtende ist bei Sandra Siepe nicht gleichbedeutend mit Arbeitsende. „Nachmittags setze ich mich zusammen mit meiner Tochter an den Schreibtisch, lerne mit ihr zusammen und gehe mit ihr die Hausaufgaben durch“, erzählt sie. Seit zwei Wochen kann die 10-Jährige, die die vierte Klasse besucht, zwar wieder zur Schule gehen. Allerdings nur tageweise, um die Ansteckungsrate möglichst gering zu halten.

„Ich bin froh, dass das wieder möglich ist. Es ist nicht leicht, über einen so langen Zeitraum die Motivation zum Lernen aufrecht zu halten“, meint die Grevenbrückerin.

Ihr Sohn, der in die neunte Klasse der Realschule Grevenbrück geht, hätte jetzt eigentlich sein dreiwöchiges Praktikum in einem Siegener IT-Büro gehabt. Wegen Corona wurde das allerdings abgesagt; genauso wie die Klassenfahrt nach England im September. Da ist die Enttäuschung natürlich groß. Genauso wie die Langeweile, die sich zwangsweise einstellt, wenn man seine Freunde wochenlang nicht sehen kann, Spiel- und Bolzplätze geschlossen sind und man aus Rücksicht vor seinen Mitmenschen am besten Zuhause bleibt. Demnach ist Sandra Siepe nach ihrer Arbeit nicht nur Lehrerin und Motivatorin, sondern auch Trösterin und Entertainerin.

Wie eine Welle hereingeschwappt

„Corona ist wie eine Welle in die Familie reingeschwappt“, findet Siepe. Bei all den zusätzlichen, nervenaufreibenden Aufgaben, die Eltern in den vergangenen Wochen zu meistern hatten, könne sie sich selbst aber noch glücklich schätzen: „Meine Kinder sind zumindest schon alt genug, dass man sie auch mal für ein paar Stunden Zuhause allein lassen kann.“ Im Notfall seien auch noch die Schwiegereltern da, die im Erdgeschoss wohnen. „Da haben wir in den letzten Wochen aber auch drauf geachtet, dass wir den persönlichen Kontakt so gut es geht einschränken.“

Sandra Siepe ist froh, dass sie bei der Post einen krisensicheren Job hat, der nicht von Kurzarbeit oder Kündigung bedroht ist. Tatsächlich erlebt die Postzustellerin viel Dankbarkeit in ihrem Alltag – und das nicht nur in der Corona-Krise. Menschen, die sich freuen, wenn sie vorbeikommt und kurz mit ihnen redet. Unbezahlbar.

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