Musik

Attendorner Paul Maiworm: Ein Leben ohne Orgel ist undenkbar

Seit sage und schreibe 75 Jahren ist Paul Maiworm in seinem Element, wenn er die Königin der Instrumente spielt.

Seit sage und schreibe 75 Jahren ist Paul Maiworm in seinem Element, wenn er die Königin der Instrumente spielt.

Foto: Meinolf Lüttecke

Attendorn.  Paul Maiworm spielt noch heute in sechs Kirchen als Aushilfsorganist an „seinem“ Instrument. Wie der gebürtige Sonderner zum Orgelspiel kam:

Organist Paul Maiworm (87) ist ein musikalisches Naturtalent. Am 12. Mai jährte sich zum 75. Mal, dass er erstmals an der Orgel eine Eucharistiefeier begleitete.

Der gebürtige Sonderner hatte bereits mit zehn Jahren in der Kirche von Alt-Sondern die Lieder angestimmt, da die Stelle des Organisten vakant war. Im April 1945 fragte ihn der Rhoder Pastor: „Paul, du kannst so schön vorsingen. Hast du nicht Lust, das Orgelspielen zu lernen?“ Zwar war der junge Paul bereits mit elf Jahren in den Musikverein Sondern eingetreten, um dort die Klarinette zu spielen, aber bis zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nie eine Taste, weder an der Orgel noch am Klavier, berührt.

Paul Maiworm zögerte nicht lange, übte emsig fast täglich an der Orgel der Sonderner Kirche. Ohne Musiklehrer oder fremden Beistand. Als Autodidakt hat er sich das Orgelspiel selbst beigebracht. Dann kam der 12. Mai 1945, wenige Tage nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Er hatte mit seinen zwölf Lebensjahren den ersten Auftritt bei einer Heiligen Messe an der Orgel im alten Sondern.

Als er mit seiner Mutter in die Kirche gehen wollte, sagte sein Vater in plattdeutscher Sprache: „Iäk goh nitt mett in de Kärke, iäkwell miäk doch nitt dout blamäieren.“ Übersetzt: Ich geh nicht mit in die Kirche, ich will mich doch nicht tot blamieren. Als Pauls Mutter dem skeptischen Vater, der ohnehin nichts für die Musik übrig hatte, nach der Messe erzählte, dass die Leute vom Orgelspiel begeistert waren, antwortet der Vater: „ Sou, jetz hästet ahnjefangen, un jetz mustet luter.“ Übersetzung: Jetzt hast du es angefangen, und jetzt musst du es immer.

Drei Mark verdient

Und aus dem „Luter“ sind nun bereits 75 Jahre geworden. Paul Maiworm spielte fortan jede Woche in Sondern zwei Messen werktags, zwei Messen sonntags und die Andacht am Sonntag und bekam für diese fünf Dienste damals insgesamt drei Mark.

Mit der Zeit reifte in Paul Maiworm der innere Wunsch, dass er eines Tages einmal als hauptamtlicher Organist an einer Kirche tätig sein möchte. Und so kam es, wie es kommen musste. Pastor Schmitz aus Bönen bei Unna machte in Sondern Urlaub und hörte Paul Maiworm Orgel spielen. Nach dem Gottesdienst stand er plötzlich an der Haustür von Paul Maiworm, um ihm ein Angebot zu unterbreiten: „Herr Maiworm, ich brauche in Bönen einen Organisten. Mein Urlaub ist heute beendet. Sie müssen sich also noch heute entscheiden, ob Sie dieses Angebot annehmen.“

Da gab es kein langes Zögern und der musikbegeisterte gebürtige Sonderner sagte spontan „Ja“. Am 1. August 1962 war Maiworm Küster, Organist und Chorleiter in einer Person in Bönen an der Pfarrkirche.

Alles schien perfekt, doch dann kamen bei den Eheleuten Maiworm das Heimweh und die Sehnsucht nach dem Sauerland. So kam Ende des Jahres 1963 ein Anruf des damaligen Attendorner Pfarrers Richard Wurm gar nicht ungelegen.

Josefschor existiert noch heute

Der Geistliche wollte die Familie ins Sauerland zurück holen. Paul Maiworm kann sich noch genau an die Worte von Pastor Wurm erinnern: „Paul, ich brauche dich. Wir haben in Attendorn die Josefskirche gebaut und da könntest du deinen Beruf ausüben.“ Er zögerte auch diesmal nicht lange und übernahm für dann über 30 Jahre, bis zu seiner Pensionierung, den Orgel- und Küsterdienst an der Josefskirche. Dort gründete er auch einen Kinder- und Kirchenchor. Der Josefschor existiert noch heute. Nachdem Maiworm diesen viele Jahre selbst dirigierte, ist seit 1998 Diethard Wurm der Dirigent. Als Aushilfsorganist ist der 87-Jährige noch heute an sechs verschiedenen Kirchen tätig.

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